Weihegesang der Vampire neben Tantalus

Karl Friedrich Schimper

1847

 

Erstausgabe in: Karl Schimper: "Gedichte 1840 - 1846."
Verlag Hoff, Mannheim,
1847

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bibliothèque: Der deutsche Botaniker und Geologe nutzte seine Gedichte als eine Form des Disputes mit seinen Kollegen / Konkurrenten in der Wissenschaft, wenngleich zumeist vergeblich. (2013)

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Volltext

Seid gegrüßt ihr Höllenfunken,
Furienkollegium!
Wir betreten feuertrunken
Tiefster Reue Heiligtum!
Ja! Verzweiflung einigt wieder
Die die Meinung sonst geteilt:
Glüht in uns und geißelt nieder
Was noch unbefangen weilt!
Seid gegeißelt Millionen,
Diesen Hieb der ganzen Welt!
Ahnet wo, von wem umbellt,
Mag der Fürst des Wahnsinns wohnen!

Wem Verführung je gelungen,
Wer geschaffen Reuepein.
Wer dem Truge Sieg errungen
Geißle nun mit Jubel drein!
Ja wer auch nur eine Seele
Je geknickt im Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Wer das große Rad bewohnet
Fühle Reue, Ruhe nie;
Zur Verzweiflung leitet sie
Wo der Fürst der Hölle thronet!

Reue flösst für jedes Wesen
In die Brüste der Natur!
Vom Verzweiflungsgift genesen
Lasst nicht eine Kreatur!
Weihe sich wer eine Seele
Je geknickt im Erdenrund.
Und wer's nie gekonnt der stehle
Weinend sich aus diesem Rund!
Stürzt ihr nieder Millionen?
Ahnest du die Reue, Welt?
Ja dem Wahnsinn zugesellt
Bei Verzweiflung muss sie wohnen!

Reue treibe nun die Räder
In der großen Weltenuhr;
Reue fülle das Geäder
Jeder höhern Kreatur!
Weihe sich wer eine Seele
Je geknickt im Erdenrund!
Wer es nie gekonnt der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Auf Vampire, lasst uns fliegen.
Durch der Welten dunkeln Plan,
Brüder, Schwestern, uns're Bahn
Lasse Reu' und Wahnsinn siegen!

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Grinse der den Forscher an
Und in jeden Läutrungstiegel
Sät der Reue Schlangenzahn!
Weihe sich wer eine Seele
Je geknickt im Erdenrund!
Wer es nie gekonnt der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Nieder gießt auf Millionen
Reue, Reue durch die Welt!
Wo Verzweiflung Herzen schwellt
Wird der Wahnsinn höher thronen!

Vampirbrüder, streue, streue
Jeder Reue durch die Welt,
Dass sich der Verzweiflung freue
Jeder der es mit uns hält!
Weihe sich, wer eine Seele
Je geknickt im Erdenrund!
Noch, wer darnach dürstet stehle
Weinend sich in diesen Bund!
In der Freude Lieder menget
Infernalen Geißelspruch
Und mit Wahnsinnstaumel dränget
Fröhliche zum Freudenbruch!

Jeder Vampirgeist vermähle
Sich mit seinem besten Fund!
Jeder quäle, quäle, quäle
Jeden krank der noch gesund'.
Weihe sich wer eine Seele
Je geknickt im Erdenrund!
Wer’s noch nie gekonnt der stehle
Hoffend heut sich in den Bund!
In der Freude Lieder menget
Infernalen Geißelspruch
Und mit Wahnsinnstaumel dränget
Fröhliche zum Freudenbruch!

Weiht euch Brüder, heute gilt es.
Gilt es große Vampirtat!
Euer Vampirsehnen. stillt es,
Stillt es in Vampirensaat!
Weihe sich wer eine Seele
Je geknickt im Erdenrund,
Und wer darnach dürstet fehle
Jetzt nicht im Vampirenbund!
Auf! ins Lied der Freude menget
Infernalen Geißelspruch,
Und in Wahnsinnstaumel dränget
Fröhliche zum Freudenbruch!

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Autor

Karl Friedrich Schimper - 1803 bis 1867; deutscher Botaniker und Geologe. Nebenher verfasste er Gedichte, die in zwei Bänden 1840 und 1847 veröffentlicht wurden.

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weiterführende Links

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

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