Der VAMPIR

Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel

um 1832

 

bibliothèque: Quellen belegen ein erschienen des Werkes im "Musenalmanach" 1832, ob dies die erste Veröffentlichung war bleibt unklar. Der vorliegende Text folgt der Ausgabe in "Fünf Bücher deutscher Lieder und Gedichte", herausgegeben von Gustav Schwab, Leipzig, 1835. (2013)

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Volltext

Keine Ruh auf meinem kalten Pfühle,
Keine Ruh in meiner dunkeln Nacht:
Durch die Straßen sternenhell und kühle
Treibt mich des Verlangens Zaubermacht,
Sonder Rast und Ruh’
Such’ ich immerzu;
Alles schlummert, meine Sehnsucht wacht.

Ob in keiner von den stillen Kammern
Ruhet eine hochgewölbte Brust,
Die sich’s lohnte gierig zu umklammern,
Auszusaugen mit erneuter Lust?
Wieder such’ ich heut’,
Was mich sonst erfreut:
Meiden hab’ ich’s nur zu lang gemusst.

Sieh, ummauert dort von festen Ziegeln,
Sieh, es schlummert dort ein schöner Mann,
Wohlverwahrt mit Schlössern und mit Riegeln,
Und ein braunes Röcklein hat er an.
Seine Brust wie voll!
Dieser Jüngling soll,
Mich mit Blut zu füllen soll er dran.

Bis zum Grunde will die Brust ich leeren,
Schlürfen will ich seines Herzens Blut,
Neues Leben soll er mir gewähren,
Neu erwecken die erloschne Glut:
Ist’s um den gescheh’n,
Muss nach andern geh’n,
Und das ganze Volk erliegt der Wut.

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Autor

Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel  - Geb. 23. April 1806 in Berlin, studierte dort 1824 – 27 Philologie, ging nach Breslau und kehrte 1831 nach Berlin zurück. 1833 wurde er Professor am Pädagogium zu Basel und ebendort 1835 auch Professor für Deutsche Literatur und Sprache. In Basel lebte er bis zu seinem Tod am 21. Dezember 1869. Er war Autor vieler verschiedenster Schriften. (N. Equiamicus)

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erschienen u.a. in:

Musenalmanch für das Jahr 1832 - Amadeus Wendt (Hrsg.) - Weidmann, Leipzig, 1832

Fünf Bücher deutscher Lieder und Gedichte: Von A. von Haller bis auf die neueste Zeit. Eine Mustersammlung mit Rücksicht auf den Gebrauch in Schulen - Gustav Schwab (Hrsg.) - Weidmann, Leipzig, 1835

Ausgewählte Stücke deutscher Dichter: Seit Haller bis auf d. neueste Zeit, erläutert u. auf ihre Quellen zurückgeführt. Für Freunde d. Dichtkunst überhaupt u. für Lehrer u. Lehrerinnen d. dt. Sprache insbesondere - Heinrich Viehoff (Hrsg.) - Romen, Emmerich, 1838

Deutschlands Dichter von 1813 bis 1843. Eine Auswahl von 872 charakteristischen Gedichten aus 131 Dichtern, mit biographisch-literarischen Bemerkungen und einer einleitenden Abhandlung über die technische Bildung poetischer Formen - Karl Goedeke (Hrsg.) - Hahn, Hannover, 1844

Blumenlese - Heinrich Kurz (Hrsg.) - Friedrich Schulthess, Zürich, 1860

 

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weiterführende Links

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

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