MEIN LIEBES MÄGDCHEN GLAUBET

auch: Der Vampir

Heinrich August Ossenfelder

1748

Nicolaus Equiamicus: Ossenfelder nahm sich im Jahre 1748 als erster die Figur des historischen, volkskundlichen Vampirs zum Thema eines seiner Gedichte. Es erschien zusammen mit einem Artikel über Vampirismus in der Gelehrtenzeitschrift „Der Naturforscher.“ 48. St., Leipzig 25. Mai 1748. S. 380 f. (2013)

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Volltext

Mein liebes Mägdchen glaubet
beständig steif und feste,
an die gegebnen Lehren
der immer frommen Mutter;
als Völker an der Theyse
an tödtliche Vampire
heyduckisch feste glauben.
Nun warte nur Christianchen,
du willst mich gar nicht lieben;
ich will mich an dir rächen,
und heute in Tockayer
zu einem Vampir trinken.
Und wenn du sanfte schlummerst,
von deinen schönen Wangen
den frischen Purpur saugen.
Alsdenn wirst du erschrecken,
wenn ich dich werde küssen
und als ein Vampir küssen:
Wann du dann recht erzitterst
und matt in meine Arme,
gleich einer Todten sinkest
alsdenn will ich dich fragen:
Sind meine Lehren besser,
als deiner guten Mutter?

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Autor

Der Schriftsteller und Dichter Heinrich August Ossenfelder, geb. 28. Aug. 1725, gest. 6. Mai 1801, besuchte mit Gotthold Ephraim Lessing zusammen die Meißener Fürstenschule, danach Studium in Leipzig. Er war zeitlebens ein produktiver und talentierter Verfasser vornehmlich von Lyrik, dennoch blieb ihm größerer Ruhm und Bekanntheit versagt. (N. Equiamicus)

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weiterführende Links

erschienen u.a. in: Dracula - Mythen und Wahrheiten
Von den Vampiren oder Menschensaugern

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

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