WUNDERBARLICHE HISTORIE VOM TEUFEL, DER DIE LEUT BERTUG UND WUERGTE

- Luthers Tischrede -

Dr. Martin Luther

um 1565

Der Originaltext wurde von N. Equiamicus der bibliothèque zur Verfügung gestellt, wofür wir uns bedanken.

Randglosse: Des Teufels betrug mit dem umb sich fressen in Grebern

Es schreib ein Pfarherr M. Georgen Rörer gen Wittenberg / Wie ein Weib auff einen Dorff gestorben were / und nu weil sie begraben / fresse sie sich selbs im Grabe / darum weren schier alle Menschen im selben Dorff gestorben / Und bat / er wollte D. Mart. Fragen / was er dazu riete / Der sprach / das ist des Teufels betriegerey und bosheit / wenn sie es nicht gleubeten / so schadete es jnen nicht / und hielten es gewiss für nichts anders / denn für des Teufels Gespenst. Aber weil sie so abergleubisch weren / so stürben sie nur jmerdar je mehr dahin. Und wenn man solchs wüste / solt man die Leute nicht so freventlich ins Grab werffen / sondern sagen / Da friss Teufel / da hastu gesaltzens / du betreugest uns nicht.

Randglosse: wonach der Teufel furnemlich fischet

Und sprach D. M. Luther weiter / Der Teufel will kurtzumb gefurcht / geehret und angebetet sein / Es ist ein sehr hefftiger stoltzer Geist / kann nicht leiden / das man ihn will verachten. Also befahl ich auch / sprach D. Martinus / man solt dem Pfarherrn wider schreiben / das sie es gewis sollten dafuer halten und gleuben / Es were kein Gespenst oder Seele / sondern were der Teufel selbs. Darumb sollten sie in die Kirche zusammen gehen / und Gott bitten / er wolt jnen jre Suende vergeben umb Christus willen / und dem Teufel wehren.

Original

Übertragung

Kommentar

 

auch erschienen u.a. in:

Von denen Vampiren oder Menschensaugern

Übertragung

Es schreibt der Pfarrer M. Georgen Rörer gen Wittenberg, wie ein Weib in einem Dorf gestorben wäre, und nun, weil sie begraben, fresse sie sich selbst im Grabe, darum wären alle Menschen im selben Dorf gestorben, und er bat, er wollte Dr. Martin Luther fragen, was er dazu rät. Der sprach:
"Das ist des Teufels Betrügerei und Bosheit. Wenn sie es nicht glaubten, so schadete es ihnen nicht, und sie hielten es gewiss für nichts anderes, denn für des Teufels Machwerk. Aber weil sie so abergläubisch wären, so stürben sie nur immerdar je mehr dahin. Und wenn man solches wüsste, sollte man die Leute nicht so freventlich ins Grab werfen, sondern sagen: Da friss Teufel, da hast du Gesalzenes, du betrügst uns nicht."

Und sprach Dr. M. Luther weiter:
"Der Teufel will kurzum gefürchtet, geehrt und angebetet sein. Es ist ein sehr heftiger und stolzer Geist, kann nicht leiden, dass man ihn will verachten. Also befahl ich auch", sprach Dr. Martinus Luther, "man sollt dem Pfarrherrn antworten, dass sie es gewiss sollten dafür halten und glauben: Es wäre kein Gespenst oder Seele, sondern wäre der Teufel selbst. Darum sollten sie zusammen in die Kirche gehen und Gott bitten, er wollte ihnen ihre Sünde vergeben, um Christus willen und dem Teufel wehren."

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Hartmut: Diese Tischrede Luthers entstand auf Nachfrage Pfarrer Röders, was Luther vom Phänomen der Nachzehrer halte und wurde 1566 als Tischrede Nr. 6823 von J. Aurifaber veröffentlicht. Luther verneint hierin die Existenz von Nachzehrern und sieht des Teufels Treiben als Ursache auf dessen Wirken die Menschen leichtgläubig hereinfielen.

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