DER VAMPIR UND DIE CAMARILLA

Freidrich von Heyden
1826

 

Ersterscheinung: Friedrich von Heyden: „Dichtungen.“ Augst Wilhelm Unzer, Königsberg, 1826
zitert nach: Friedrich von Heyden: „Gedichte.“ Verlag Friedrich Brandstetter, Leipzig, 1852

 

bibliothèque: In diesem Gedicht bezieht der Autor ganz offensichtlich eine eindeutige Stellung zu einem (seinerzeit) aktuellen politischen Thema und findet dabei den Vergleich mit den Vampir sehr passend.
Die spanische Camarilla stellte eine Gruppe von Günstlingen dar, die nicht den Regierungsorganen angehörte und die durch ihre Nähe zum Königshof in ihrem Sinne Einfluss auf die Geschicke des Landes zu nehmen trachtete.
(2014)

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Volltext

Die sonnenheißen Zonen, / wo jeder Nordwind schweigt, / will der Vampir bewohnen, / der arge Tücke zeigt.  / Leis' fliegt er hin und wieder / dem Schläfer in's Gemach, / und lässt sich auf ihn nieder. / Der Schläfer wird nicht wach.

An seinen Busen legt er / so schwanenweich sich an. / Mit leisen Schwingen regt er / die Kühlung sanft ihm an. / Wenn jener selbstvergessen / schwelgt in des Traumes Lust, / saugt der Vampir indessen / Blut ihm aus heißer Brust.

Und der Vampir in Eile / flieht, wenn er voll mir satt, / Schläfer erwacht derweile, / findet sich krank und matt, / Fürsten auf weicher Stätte / schlafen so sorglos gern; / doch ihrem Purpurbette / bleibt der Vampir nicht fern.

Die Camarilla pfleget / dann gleich bereit zu sein, / wehet herbei und leget / sich in das Bett hinein, / süß schmeichelnd hinzusinken / auf des Gebieters Brust, / und gierig wegzutrinken / all seine Kraft mit Lust.

Wenn ihn zuletzt erwecket / Sturm und des Donners Ton, / ist der Vampir erschrecket / zeitig davon gefloh'n / und der Verratene findet / dann sich verlassen, schwach, / Ehrfurcht des Volks verschwindet,  / das seine Schwüre brach.

Fürsten, in eurem Walten / folgt man euch stolz und gern. / Nur wollt euch wach erhalten, / weil der Vampir nicht fern. / Schließt ihm die Fensterscheibe, / wachsam mit Aug' und Ohr; / aber der Wahrheit bleibe / weit auf des Schlosses Tor.

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Autor

Friedrich August von Heyden - Geb. 1789 zu Nersten in Ostpreußen. Er nahm als Freiwilliger am Deutschen Befreiungskrieg 1813 - 15 gegen Napoleon teil, wurde 1826 Regierungsrat in Breslau, wo er auch am 5. Nov. 1851 starb. Bekannt wurde er vor allem durch seine Novellen und Dichtungen.

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weiterführende Links

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

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