MEDIZINISCHES BEDENKEN VON DENEN VAMPIREN,

oder sogenannten Blutsaugern, ob selbe vorhanden, und die Kraft haben, denen Menschen das Leben zu rauben?

(Medicinisches Bedencken von denen Vampyren, oder sogenannten Blutsaugern, ob selbte vorhanden, und die Krafft haben, denen Menschen das Leben zu rauben?)

Christian Ludwig Charisius

1739

 

bibliothèque: Charisius erklärt die Unmöglichkeit einer Existenz von Vampiren für bereits abschließend behandelt und fordert die Mediziner der Zeit auf, "vernüftig" auf die Erkrankung des sich Vampire einbildenden Patienten einzugehen. Er verweist darauf, dass auch die Einbildungskraft des Patienten zu dessen Tode führen kann. Der Text wird hier weitgehend unbearbeitet wiedergegeben. (2013)

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Volltext

§ 1

Die Vampiren, oder Blutsauger, von welchen teils vor kurzer Zeit, in denen öffentlichen Zeitungen, teils schon vorlängst, hin und wieder in gedruckten Schriften, nachdenkliche Meldung geschehen, sind, nach gemeiner Meinung, eine gewisse Gattung von wirklich verstorbenen, dabei aber nicht zur völligen Verwesung gekommenen Körpern, bei welchen man, nach einer kurzen, oder wohl schon langen Zeit, ein aus den Adern in ihre Leichen-Tücher gequollenes und schäumendes totes Blut, wachsende Zähne und Nägel, wie auch unter der Haut, an den Teilen des Leibes, ein frisches fettiges Wesen befunden, mithin ie zuweilen von ihnen einen Ton vernommen. Und diese Körper sind eben diejenige, von welchen man vorgibt, dass sie aller Bemühung, Bewahrung und Wiederstandes ungeachtet, zu nächtlicher Zeit herum wanken, andere lebender Menschen in ihren Betten und Lagern befallen, und denselben das Blut grausamer Weise aus den Adern saugen. [1]

§ 2

In dieser Betrachtung, gehören nicht unfüglich hierher auch diejenige verblichene Körper, von welchen mancherlei Anmerkungen bezeigen, daß nämlich von denselben in ihren Gräbern ein öfteres Kauen und Schmatzen deutlich gehöret worden, nächst dem aber die oben berührte Zeichen derer Blutsauger, auch an ihnen zu sehen gewesen; daher selbige mit Recht auch in die Zahl derjenigen einzuverleiben sind.

§ 3

Von dieser letzteren Art der Vampiren haben verschiedene derer Gelehrten die Exempel der kauenden und schmatzenden Toten in den Gräbern schriftlich aufgezeichnet. Von wirklich Blut saugenden Vampiren aber insgemein welche am meisten in Polen, Ungarn, Schlesien, Griechenland, in der Türkei und Serbien angetroffen werden, findet man ein vieles zu lesen, in edierten Schriften, woselbst gar seltene Begebenheiten zwischen denen verstorbenen Vampiren und lebenden Menschen geschehen zu sein, erzählet wird. [2]

§ 4

Nur eine Geschichte vor allen von solchen Blutsaugenden Gespenstern, als speciem facti, umständlich anzuführen, so findet man in denen Leipziger Zeitungen de Anno 1728: 1 Relation aus Ungarn, folgendes Inhalts:

» Wien, vom 11. Julii,
Ein Bericht, welchen der Kaiserl. Provisor in dem Gradisker District in Ungarn, an die Kaiserl. Administration zu Belgrad wegen einer besondern Begebenheit ergehen lassen.
Nachdem bereits vor 10 Wochen, ein in dem Dorf Kisolowa, Rahmer Districte, gesessener Untertan, Peter Plogojowitz, mit Tode abgegangen, und nach Gebrauch des Orts, zur Erden bestattet worden, hat sich’s in ermeldetem Dorf Kisolova geäußert, dass innerhalb 8 Tagen, 9 Personen, so wohl alte als junge, nach überstandener 24stündiger Krankheit, also dahin gestorben, dass, als sie noch auf dem Tod-Bette lebendig lagen, sie öffentlich ausgesaget, dass obbemeldeter, vor 10 Wochen verstorbener Plogojowitz zu ihnen im Schlaf gekommen, sich auf sie geleget, und gewärget, dass sie nunmehro den Geist aufgeben müssten. Gleichwie denn hierüber die übrigen Untertanen sehr bestürzet, haben sie sich einhellig resolviret, das Grab des Peter Plogojowitz zu eröffnen, und zu sehen, ob sich auch die Zeichen der Vampiren an ihm befinden. Da ich denn diese Leute weder mit guten Worten noch Bedrohungen von ihrer gefassten Resolution abhalten könnte, habe ich mich, mit Zuziehung des Gradisker Popen, oder dasigen Geistlichen, in gemeldetes Dorf Kisolowa begeben, den bereits ausgegrabenen Körper des Peter Plogojowitz besichtiget, und gründlicher Wahrheit gemäß, folgendes befunden: Daß 1) von solchem Körper und dessen Grabe, nicht der mindeste, sonst denen Toten gemeine Geruch verspüret 2) Der Körper, außer der Nasen, welche etwas abgefallen war, ganz frisch. 3) Haar und Bart, ja auch die Nägel, wovon die alten hinweggefallen, an ihm gewachsen. 4) Die alte Haut, welche etwas weißlicht war, hatte sich hinweg geschält, und eine neue frische darunter hervor getan. 5) Das Gesichte, Hände und Füße, und der ganze Leib waren so beschaffen, dass sie in seinen Lebzeiten nicht hätten vollkommener sein können. 6) In seinem Munde habe nicht ohne Erstaunen einiges frisches Blut erblicket, welches der gemeinen Aussage nach, er von denen durch ihn Umgebrachten, gesogen. In Summa, es waren alle Indicia vorhanden, welche dergleichen Leute an sich haben sollten. Nachdem nun so wohl der Priester als ich dieses Spectacul gesehen, der Pöbel aber mehr und mehr ergrimmter als bestürzter wurde, haben sie gesamte Untertanen in schneller Eil einen Pfeil gespitzt, mit solchem den toten Körper zu durchstechen, an das Herz gesetzt. Da denn bei solcher Durchstechung, nicht nur allein häufiges Blut, so ganz frisch, durch Ohren und Mund geflossen, sondern auch noch andere wilde Zeichen, (welche wegen hohen Respects übergehe) vorgegangen. Sie haben endlich den Körper, in hoc casu gewöhnlichen Gebrauch nach, zu Aschen verbrannt.
Kaiserl. Provisor im Gradisker District. «

§ 5

Mein Vorhaben ist nun nicht gegenwärtig, die Gedanken über diesen speziellen Casum, ans Licht zu geben, weil dieses teils der enge Raum der Blätter verbietet, teils solches auch schon der Herr M. Michael Ranfft in einem de masticatione mortuorum in tumulis, oder von dem Kauen und Schmatzen der Toten in Gräbern, in Leipzig 1728 herausgegebenen Büchlein, zu tun, völlig bemühet gewesen, sondern ich will nur überhaupt einige Gründe anführen, vermöge welcher man, nach denen wahren Principiis der Medizin, von dergleichen Begebenheiten, und besondern der Vampiren Existenz ein Urteil zu fällen, kein Bedenken tragen mag.

§ 6

Es ist bekannt, dass nach denen Grundsätzen der reinen Philosophie, und in der Vernunft und Erfahrung festgesetzten Schlüssen der wahren Medizin, zum Leben des Menschen und in demselben vorgehenden Abhandlungen, vornehmlich die Seele gehöre, als ohne welche, kein von oben angeführten Kennzeichen der Vampiren sich recht zeigen, auch obgleich augenscheinlich selbte vorhanden, dennoch nichts, von jenen in der Welt ausgerichtet, oder zum Stande gebracht werden kann. Doch merke man, dass wenn alhie von der Seele Erwähnung geschieht, kein dunkler Begriff einiger Lehrer damit verknüpfet werde, welche denen Vampiren teils eine animam vegetativam oder bewegliche Seele zuschreiben, so sie aus der Aufwallung des Blutes, und aus dem Wachstum der Haare, Zähne und Nägel, beweisen, teils denselben eine animam sensitivam, oder eine empfindliche Seele zueignen, welche sie aus dem gehörten Seufzen, Heulen und vermeinten Saugen der Blutsaugern erklären und behaupten wollen, sondern es wird allerdings zum Beweistum dieser Verstorbenen recuperirten Lebens, und davon ihrer bei Lebendigen wirklich bekommenden Verrichtungen, in selbten eine vernünftige Seele erfordert, welche mit Verstand und Willen begabet ist. Wann aber eine solche, bei denen durch den Tode aus den Reichen mag, so ist kein Grund vorhanden, warum man ihnen ein Leben und die einem Lebendigen gewöhnliche Handlungen zuschreiben könne.

§ 7

Denn, gesetzt, es wäre ein Zeichen einer im Körper noch vorhandenen Seele, wenn von demselben, nach seiner Erbleichung, ein Trauren, durch ein erschallendes Seufzen, gleichsam bekannt würde, so kann solches nicht füglich auf die Vampires gedeutet werden, immaßen derer Stehnen und Töne ganz unordentlich gehöret werden sollen, mithin diese offenbar von der in der Höhle der Brust, aus mancherlei Krankheiten entstandenen, und daselbst vorhandenen, auch nachhero durch die Luftröhre herausdringenden Luft herkommen, und fälschlich vor wahre Seufzer gehalten werden. Was ferner das Wachstum der Haare, Nägel, und nach dem Tode sich eräugenden Fette betrifft, so bezeiget dieses auch nicht, ob wäre bei diesen bereits begrabenen Leibern, das Leben vorhanden, oder noch nicht gänzlich verschwunden, sintemalen kaum verabredet werden kann, dass die Materie, aus welcher obangeführte Merkmale derer Vampiren ihren Ursprung nehmen, unwidersprechlich nichts anders, als ein in der krank gewesenen Natur von gehäuften Dünsten, und von der Bewegung derer verjährten, und zur Fäulnis eilenden Feuchtigkeit, entstandenes Wesen ist, dergleichen man auch zum öftern nicht allein bei andern Verstorbenen, sondern auch wohl lebenden Menschen zu sehen pfleget, als welche zwar fett genug zu sein scheinen, dabei aber die ungesundesten sind, und verschiedentlich unvermutet den Weg aller Welt gehen müssen.

§ 8

Wie es endlich komme, dass in diesen schon eine Zeit her bescharrt gewesenen Körpern, eine Aufwallung eines frischen und fließenden Blutes gesehen werde, will daraus erhellen, dass die Erfahrung lehret, dass man einen gleichmäßigen Vorfall, von herauslaufenden und quellenden Geblüte in vielen andern Verstorbenen, die nicht Vampiren sind, wahrgenommen, aus Ursachen, indem daß, bald nach dem Absterben des Menschen, durch die eingeschlossene Luft, und innerliche Hitze der faulenden Teile, zusammen gedrungene und geronnene Blut zwar stehen bleibet, durch die Jährung aber einige Zeit hernach wieder fließend wird, daher es in die Adern häufig eindringen, sonst ein solcher Körper, dem Äußerlichen Ansehen nach, in kalten Örtern, viele Jahre lang unverändert liegen würde [3]; zu geschweigen, dass nach einiger Meinung, die Natur der Lebenden und herum wankenden Vampiren mehrenteils von Esels-Milch und dem heißen Blute unvernünftige Tiere, unterhalten werde. [4]

§ 9

Bei dem allen erfordert es hauptsächlich der Mühe zu sein, kürzlich zu untersuchen, in wie weit sich das Blutsaugen, als das vornehmste, und wesentlich angegebene Zeichen, der Vampiren erweislich machen lasse, und ob solches das es erscheine, möglich sei, oder nicht? Es ist wohl aus vorgesetzter gründlichen Erklärung der Sachen Umstände (3, 6, 7, 8) dieserhalb als wahrhaft zu behaupten, dass bei denen von Vampiren vermeintlich im Schlaf befallenen und ausgesogenen Leuten, schon wirklich entweder eine offenbare oder noch verborgene Krankheit vorhanden gewesen, mittels welcher nicht allein, der Leib tödlich geschwächt, sondern auch das Gemüt und die Gedanken dermaßen gestört worden, dass der Kranke in Verwirrung geraten, und im Schlaf und Traum wegen einer außerordentlichen Einengung der Lebensgeister in eine sonderliche Einbildung verfallen, wodurch er, nachdem er erwachet, fest und unverrückt gedenket, hart angegriffen und gar bis aufs Blut (davon er aber keine eigentliche gefärbte Merkmale darzeigen können) wirklich gemartert und ausgesogen worden. Bei sogestalten Vorkommenheiten der Zufälle, und geschwächten Sinnen des Patienten geschiehts füglich, dass er in dieser, mit Angst und Schrecken verknüpften Impression, auch ist an seinen von andern im Leibe enthaltenen Krankheitsursachen ihm bevorstehenden Tod, beständig verharret, und da er seiner nicht mächtig, auch von Furcht und Schrecken des Todes eingenommen ist, all sein Dichten und Nachdenken auf die Person des Verstorbenen, ingleichen auf alle die von den bekannten Blutsaugern gehörte und erzählte Historien und steif, tief sinnend richtet.

§ 10

Außer dieser wahrscheinlich unmittelbaren Ursache, könnte man nach einiger Meinung noch dieses hinzufügen, dass in denen von Vampiren angefallen zu werden, angegebenen Personen, die Beschaffenheit ihres Geblüts und anderer Säfte, durch die Dünste des verstorbenen sogenannten Blutsaugers, gänzlich verdorben wären. Daher besondern zur Nachtzeit im Schlaf in ihnen die Bewegung des Herzens nicht wohl von statten gehet, das Diaphragma oder Zwerchfell in der Brust geklemmt, die Respiration gehindert und überhaupt der Einfluß und Fortgang der Sinn- und Lebensgeister und des Nerven-Saftes ganz unordentlich geschehen muß, folgends im Schlaf und Traum eine unförmliche und falsche, dabei aber fest haftende Einbildung in dem Gemüte des Erwachten erreget wird.

§ 11

Aus oben angeführten allen, folgt nun von sich selbsten, dass wirklich keine Vampiren vorhanden, noch die ihnen zugeschriebene Handlungen und Verrichtungen, nach des gelehrten Zopfii Erwähnung [5] von dem bösen Geiste herzuleiten sind, sondern, wie ein wahrhaftig Toter nicht beißen, so auch ein eingebildeter Blutsauger, die lebenden, wirklich nicht saugen könne. Ferner als auch am Tage, dass von denen verschiedenen Gestalten [6] unter welchen sich dem Gericht nach, hier und da die Blutsauger gezeigt haben sollen, wenig zu halten, ingleichen, dass ein vom Vampiren gebissener nach seinem Tode auch ein solcher Blutsauger werden, und endlich ein von diesem gesogenes unvernünftiges Tier [7] gleichfalls tödliche Effectes besitzen müsse, vor ein bloßes Fabelwerk anzusehen sei.

§ 12

Wenn nun aber aus oben angeführten Sätzen fest steht, dass die von Vampiren angegriffen gewesen zu sein sich einbildende Personen, gewiß krank sind, so ist es auch am Tage, daß dieselbe der erheischenden Notdurft nach, mit gebührenden Hilfsmitteln von einem Arzt, allerdings versehen werden müssen. Nah denen wahren Grundregeln einer vernünftigen Medizin, könnte dieses nach Erkenntnis und richtigen Beweise, derer zu dieser Krankheit beitragenden Ursachen, überhaupt auf folgende Weise geschehen. Nämlich, praeservatpris oder zur Bewahrung, da man dergleichen leere Einbildung zu verhüten trachten muß, sind die verdächtigen Vampirische tote Körper, außer der Stadt aufs tiefste, an einem zur Verwesung dienlichen Ort, in die Erde zu vergraben, damit nicht ob solche durch ihre schädliche Ausdünstungen, so wohl denen an dieser Maladie imaginaire laborirenden, oder auch andern tief nachsinnenden, Schaden erwecken könnten, vorgegeben werden mag: oder aber, im Fall dergleichen verdächtige Leiber innerhalb der Stadt schon verscharret liegen, dürften dieselbe auszugraben, sie zu Asche zu verbrennen, und diese einem fließenden Wasser anzuvertrauen sein, damit hierdurch dem wüsten Wahn und seltenen Einfall des gemeinen Mannes abgeholfen und vorgebeugt werde: Wie denn diese Art der Praeservation vor die Vampirische Krankheit, durchgehends in den Ländern und Orten, wo diese Meinung divulgiret [8],  beobachtet zu werden pfleget.

§ 13

Ferner, wann jemand schon wirklich an der Krankheit seiner verderbten Einbildung darnieder läge, muß man nach denen Indicationibus Medicis, welche in verschiedener Art derer Personen, einem Medico sich zeigen, dieselbe recht beurteilen und dieserhalb besondere und erlesene Mittel ergreifen. Insgemein hat man dahin zu setzen, dass die verdorbene Säfte gereinigt und gebessert, vor allen aber die Einbildungskraft, gehörig gemäßigt, mithin die Sinn- und Lebensgeister bestmöglich gestärkt werden mögen. Bei dem allen wird ein vernünftiger Arzt in seinem Urteil, von dem Ausgang der Krankheit sich gar nicht zu übereilen haben, weil ein solch Übel zu bestreiten oder nach Willen zu heben, zumalen wenn es Wurzel gefasset, er nicht allezeit im Stande ist. Genug ist es, wenn er hierbei tut, was Kunst, Wissenschaft und die Erfahrung vernünftig an die Hand geben. Dannenhero wird er in diesem Vorfall, teils auserlesene Blut-reinigende und absondernde, Schärfe und Schleim verdünnende Medizin, unter welchen vor allen der Helleborus oder sogenannter Nieswurz praevaliren dürfte, teils die Säfte und Lebensgeister erhaltende und stärkende Hilfsmittel, welche unter dem Namen derer Analepticorum und tonicorum, genüglich vorhanden sind, und darunter vornehmlich der bekannte Tinctura ent-hypochondriaea H. nicht wenigen Nutzen schaffen wird, zum heilsamen Gebrauch zu geben, nicht unterlassen.

§ 14

Weil man endlich auch bei allen Krankheiten ein Specificum zu vantiren oder anzurühmen pfleget, als wollen einige derer Ärzte, die dergleichen Kranken in Besorgung gehabt zu haben angeben, solches auch bei diesem Übel darin fest setzen, wenn nämlich der Patient sich entweder ist dem angetroffenem Blute eines toten Vampiren, oder mit der Erde von dessen Begräbnis, fleißig einsalben, oder wohl gar etwas davon zu sich nehmen muß, wovon man aber den Wahrheits-Grund an seinen Ort gestellt lassen will, immaßen wir von der Art vorkommenden Krankheiten, in unsern Landen vor Stätten Gott Lob! Noch keine Erfahrung nehmen dürfen! Wohl aber in wahrgenommenen verwirrten Gemüts-Bewegungen in mancherlei Fällen, als, wenn jemand in eine Hydrophobie oder Wasser- und Licht-Furcht, oder Cynantropie und Lycantropie, da man von sich die Einbildung ein Hund oder Wolf zu sein fasset verfället, nicht so wohl Blut und Erde von Tieren und Menschen genommen, als vielmehr einige mumialische und aetherische Mittel, als da die usnecrasii humani; die Nenndinbae praeparatae etc von gar ausnehmenden Wirkung befunden worden sind, bevorab wenn die dazu von den Kranken in acht zu nehmende Diät dazu gekommen, als worauf es auch, nebst einer vorgängigen vernünftigen Vorstellung hauptsächlich, so wie in diesen recht entsetzlichen, also auch in jenen eingebildeten Vampirischen Krankheiten ankommen, wenn der Patient glücklich genesen solle.

Königsberg, von 28. Febr. 1739

Christianus Ludovicus Charisius, D. Med. Prof. Ordia. Secund.

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Fußnoten

[1] = Schvvimmerus in curiosit. Phil. Secret. Dissert. 4 Philip. Rohrius diss. De Mastic. Mortuor, cap. 1, Gramannus de miracul. Mortuor. Lib. 1 Tit 3 Voigt in Physical. Zeit-Vertreiber Henr. Kornmann in mirac. Mort. Part 7 cap 64 Georg Philip. Harsdörffer in Theatr. Trag. Cap. 116.

[2] = Von Vampiren, die nach ihrem Tode den Beischlaf mit ihren Weibern celebriret haben, dass dieselbe geboren. C. L. M. N. hebd. 19 1731. Andere Exempel in denen Acta Eruditor. A. 1731 m. Januar. P. Gabriel. Rzaczynsky Histor. Nat. curios. Regn. Polon. Tract, 14. Sect. 2 von einer Heb-Amme, die eine Vampirin geworden. Com. Lit. Med. Borimb. 1730 hebd. II 11-17.

[3] = Petrus de la Valle in Itinerat, Part. I. epist. I erzählet : Man verehret in Corfu den Leichnam des H. Spiridions, dessen Fleisch annoch so lebhaft, Blutreich du frisch ist, dass, wenn man das dicke Fleisch am Schenkel angreift, dasselbe denen Fingern etwas nachgibt, und alsbald wieder in seine vorige Stelle kommt. Homerus de Hectore in bello Trojano occiso Lib. 14 Illiad. Plutarchus de vita Alexandri M. Caspar a Rejes Camp. Elys. Quaest. 38 n. 36 de cadavere Caroli invictissimi imperatoris plane incorruptio. Thom. Bartholinus in resp. de Raper. Bil. P. 555 de corpore faeminino post aliquo secula locotrup 6 Anshelm Ziegler historischer Labyrinth der Zeit referiret von einem Bergmann zu Ehrenfriedersdorff, welcher vor 61 Jahren im Berge verfallen gewesen, und noch ganz unverweset in seinen Kleidern, mit allem bei sich habenden gehörigen Werkzeuge gefunden worden, welchem der dasige Priester, ob dieser gleich 30 Jahr ehe gestorben, ehe der Priester geboren gewesen, eine erbauliche Leichpredigt gehalten, und ihn zur Erde bestätigen lassen.

[4] = Comm. Litter. Med. Noriumb. In litter. D. Geelhausen ad D. Calzium, gebd. 1712.

[5] = Siehe Dissert. De Vampyris Serviensibus, Duisburgi ad Rhenum 1733 in welcher der Autor alle Geschichte der Vampiren dem Satan und seinen Geistern zugeschrieben haben will.

[6] = In Camer. Litter. Medic. Notimb. L. c. hebd. XVII lieset man, dass da einige bei denen Gräbern der vermeinten Vampiren gewacht, zur Mitternacht daraus einmal eine Wespe, ein ander mal eine Kröte herausgekommen, welche auch die von den Vampiren gequälte vor den Geist derselben gehalten. L. c. liebd. XIX unter der Gestalt eines Hundes und einer Schlangen, die ein Schaf ausgesogen u s.w.

[7] = Eben daselbst wird Erwähnung getan, dass da ein von Vampiren ausgesogenes Schaf von Menschen verzehret worden, die Menschen alle, so davon gegessen, schnell gestorben und Vampiren geworden sind. Hoc ecredat jud.

[8] = Man conferire diesehalb Cammere. Litt. Norimb. Med. hebd. XII. XIX, Wie auch das curieuse Tractätchen Francisc. Anton. Ferd. Stebleri betitelt sub Vampyri larus, a verae Philosophice & rationalis Medicinae placitis, detectum & deiectum depralatae imaginationis spectrum.

 

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Autor

Christian Ludwig Charisius - 1692 bis 1741. Der deutsche Mediziner lebte und arbeitete als Medinizner und Professor im damals preußischen Königsberg (heute: Kaliningrad, Russland).

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weiterführende Links

Traktat von dem Kauen und Schmatzen der Toten in Gräbern - Michael Ranft

Schreiben aus den Gradisker Distirik in Ungarn - Frombald

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

Blog Dunkle Kulturgeschichte (extern)

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