Der GIAUR. Fragment einer türkischen Erzählung

(The Giaour. A Fragment of a Turkish Tale)

Ein Reisebericht.

George Gordon Lord Byron

1813

bibliothèque: Byrons "Giaour" gilt als die erste der Orientalischen Romanzen aus seiner Feder. Trotz einiger Erweiterungen ist die Geschichte jedoch bis zuletzt Fragment geblieben. Byron begann wahrscheinlich um 1810 mit der Arbeit an dem Gedicht, während seiner "Grand Tour", einer beim englischen Adel beliebten umfassenden Europa-Reise. Bereits im Erscheinungsjahr wurden mehrere Neuauflagen in Druck gegeben.
"Der Giaur" ist in vielen klassischen Vampir-Sammlungen als kurzer Auszug abgedruckt. Dieser umfasst dann die Passage in der eindeutig auf den Vampir Bezug genommen wird. Häufig wird dabei jedoch auf einen Hinweis verzichtet, dass es sich um einen Auszug handelt.
Als Giaour (arabisch: Kāfir, türkisch: gavur) wird in der islamisch-arabischen Welt ein Ungläubiger, also Nicht-Moslem, bezeichnet. Seit 1856 gilt dieser Begriff durch türkischen Sultanserlass auch offiziell als herabwürdigend. Im deutschen Sprachgebrauch wurde das Wort "Giaur" durch Karl May, der es in seinen Orient-Romanen (ab 1881) mit "ungläubiger Hund" übersetzte, bekannt.
Hier werden eine deutsche Übertragung des Gesamttextes mit den übersetzten Anmerkungen des Autors, der in der Vampirliteratur beliebte Auszug in der Übertragung durch G. Pfizer (1837) und Begriffserläuterungen durch N. Equiamicus (2013) sowie der Volltext in englischer Sprache dargestellt.
(2015)

 

Volltext (deutsch)
bearbeitet für bibliothèque des vampires
Kursiv gesetzte Begriffe und Redewendungen finden ihre Erläuterug weiter unten.

Ein tödlich Gedächtnis, ein Gram in der Brust,
Wie ein Schatten verfinsternd das Weh und die Lust,
Dem das Leben nichts Hellres und Dunkleres schickt,
Den der Schmerz nicht verwundet, das Glück nicht erquickt!

Thomas Moore

Kein Hauch der Lüfte! Lautlos ruht um des Atheners Grab die Flut, das Grab, das hell von hohem Riff zuerst begrüßt das ferne Schiff - über die Lande ragt es weit, die er vergebens hat befreit!

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O Land, wo jede Jahreszeit den seligen Inseln freundlich lacht! Oh, von Colonnas hoher Wacht auf sie hinabzuschauen macht die Seele fröhlich und verleiht süßen Genuss der Einsamkeit! Des Ozeans Wange lächelt mild und spiegelt duftiger Berge Bild, und jauchzend badet Wogenschnee die Paradies in der ägäischen See; und wenn den blaukristallenen Raum ein flüchtiger Westwind streift mit Schaum und Blüten pflückt von Busch und Baum, wie wonnig dann die laue Luft, wie weckt und weht sie rings den Duft! Denn sieh, in Tal und Felsenkluft erblüht die Rose überall, die Sultanin der Nachtigall: die Braut, für die die Bülbül singt, dessen Lied hier tausendfach erklingt, glüht tief errötend seinem Schall, sie, seine Fürstin, seine Fee, nie krank vom Sturm, nie kalt vom Schnee, von westlicher Wintersnot verschont, liebkost von jedem Wind und Mond, gibt all des Himmels Glanz und Glück in sanftem Weihrauch ihm zurück, und dankbar gönnt der Himmel ihr der Seufzer Duft, des Purpurs Zier. Und viele Sommerblumen sind dort, und manch verschwiegener schattiger Ort, und manche Schlucht, bequem zur Rast, birgt den Piraten nur als Gast, der unterm Felsenvorsprung  kauert, und auf ein friedliches Segel lauert, bis er des Schiffers Zither fern vernimmt und schaut den Abendstern; dann mit umhülltem Rudergriff schleicht er, versteckt vom schattigen Riff, und stürzt sich wild auf seinen Fang - dann wird zum Röcheln der Gesang. Seltsam, wo liebend die Natur zum Sitz für Götter schuf die Flur, wo sie in ihrem Paradies Anmut und Zauber blühen ließ, dass da der Mensch, verliebt in Qual, in Wüsten wandelt Flur und Tal, und stampft die Blume, gleich dem Vieh, die eine Arbeitsstunde nie, die weder Pflege erheischt noch Mühen, um in dem Zauberland zu blühen, die, seiner Sorgfalt ungewohnt, um eins nur fleht - dass er sie schont! Seltsam, wo tiefster Friede ruht, schwelgt Leidenschaft in ihrer Wut; Wollust und Raub beherrschen wilde mit düsterem Grauen  das Luftgefilde. Es ist, als ob der Teufel Grimm erstürmt den Sitz der Seraphim, als säße auf jedem Himmelsthron ein losgelassener Höllensohn. Holdseliges Land, zum Glück verklärt! Fluch dir, Tyrann, der es verheert!

Wer je am Bett von Toten stand, eh noch der Tag des Sterbens schwand, der erste dunkle Tag des Nichts, der letzte Tag qualvollen Lichts, eh, von des Würgers Hand verwischt, der Schönheit Spur langsam erlischt, und wer den Engelsfrieden da, die Seligkeit der Ruhe sah, den festen Zug, doch weich geschmiegt, der auf den müden Wangen liegt, und - wäre dieses dunkle Auge nicht, das nie mehr lächelt weint und spricht, wäre nicht die kalte, starre Stirn, die eisige Stockung im Gehirn, die bei dem trauervollen Schauen uns anweht wie ein Todesgrauen - Ja, gäbe uns dies nicht die sichere Kunde, wir zweifelten für kurze Frist, für eine trügerische Stunde, an des Tyrannen Macht und List; so schön, so still, so sanft gewiegt der erste Schlaf des Todes liegt! So liegt auch Hellas still und hehr, noch Hellas, doch es lebt nicht mehr! So grabesschön, so lieblich kalt, doch seelenlos - du schauderst bald. Liebreiz im Tod sind ihr verliehen, die nicht mit fliehendem Leben fliehen, unheimlich schöner Farbenduft, der ahnungsvolle Schmuck der Gruft, des Lebens Dämmerung bleich und fahl, ein Glorienschimmer um ein Totenmahl, der sterbenden Empfindung Abschiedstrahl, Funke einer Glut, die himmlisch wohl entstand - sie glimmt, doch wärmt nie mehr ihr Lieblingsland!

Heimat der unvergessener Helden! Du warst, von Flur zum Felsenkap, der Freiheit Thron, des Ruhmes Grab. Altar gewaltiger Geister, dies ist alles, was die Zeit dir ließ? Gekrümmter, feiger Sklave, tritt her, sprich, sind nicht dort die Thermopylen? Du Knecht aus freiem Blut, das Meer, dessen blaue Wogen dich umspülen, sag, welches Meer und Land ist dies? Der Golf und Fels von Salamis! Wohl kennt ihr dieser Stätten Ruhm, Auf! kämpft um euer Eigentum! Aus eurer Väter Asche reißt das letzte Fünkchen Heldengeist, und wer im Kampfe fällt, den preist die Nachwelt, und sein Name allein wird der Tyrannen Schrecken sein, ein Trost, ein Stolz für sein Geschlecht, ein Mahnruf: Lieber tot als Knecht! Wenn erst die Freiheitsschlacht beginnt, erbt sie sich fort zum Kindeskind, und wie sie auch schwankt, sie gewinnt. Bezeuge es, Hellas, rufe es du unsterblich allen Völkern zu! Wenn Könige vermodern, namenlos, in staubiger Pyramiden Schoß, für deine Helden - mag auch allen die Säule auf ihrer Gruft zerfallen - ein stolzeres Monument erstand, die Berge in ihrem Vaterland! Die Muse zeigt dem Fremdling nun, wo sie, die nimmer sterben, ruhen! Traurig zu sagen wäre es und lang, von Glanz zu Schmach den bitteren Gang; kein Feind hat deine Seele erdrückt, bis sie sich selbst ins Joch gebückt: Selbstschändung ließ die Straße frei für Knechtesfron und Tyrannei.

Was soll der fremde Dichter sagen, der deines Ufers Saum betrat? Kein Lied von deinen Heldensagen, kein Thema, wie in alten Tagen es deine Muse empor getragen, ehe Sklaverei der Flur genaht! Die Herzen deiner Felsenküsten, die Seelen, welche lodern müssten zu hehrer Kampfestat, sie kriechen bis ins Grab, sie schlafen, Leibeigene, Sklaven eines Sklaven, stumpf, außer für Verrat; von jedem Laster angesteckt, das ein versunkenes Volk befleckt, selbst ohne Tugend wilder Kraft, ohne eine tapfere Leidenschaft; nur auf den Märkten übt sich klug die alte List, ererbter Trug; darin, und einzig darin preist man noch des Griechen feinen Geist. Der Freiheit Ruf vergebens tönt, ihr Nacken ist ans Joch gewöhnt, und liebt die Peitsche, der er frönt. Ihr Jammer soll mich nicht mehr quälen, ich muss von anderem Wehe erzählen, und glaubt mir, der es zuerst vernahm, der hatte guten Grund zum Gram.

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Fern über blaues Meeresfunkeln die schwarzen Felsenschatten dunkel, den Fischer schreckend, wie im Boot ein Strandpirat und Berg-Mainot, und weit umkreist sein leichtes Schiff den kürzeren Weg am drohenden Riff. So matt er ist von Mühe und Hast, so schwer im Kahn die wässrige Last, er rudert langsam, aber stark, bis Port Leones Hafenmark ihn aufnimmt bei dem holden Glanz der Mondesnacht des Morgenlands.

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Wer kommt auf schwarzem Hengst heran gebraust, den losen Zügel in der Faust? Des klirrenden Eisens Donnerschall weckt rings der Grotten Widerhall, Hufschlag um Hufschlag, Knall um Knall. Der Schaum, der Bug und Flanken befleckt, scheint Brandung, die ein Riff umleckt. Zur Ruhe sinkt die Meeresflut nun, die Brust des Reiters kann nicht ruhen, und sanfter ist der Donnerschauer als deine Seele, junger Giaur! Dich kenne ich nicht, dein Volk verschmähe ich, in deinen Zügen aber spähe ich ein Etwas, was die Zeit fortan nur dunkler färbt, nie tilgen kann. Die junge Stirn trägt, bleich und fahl, der Leidenschaften brennendes Mal: Du schlugst den bösen Blick zur Erde und flogst wie Sturm auf deinem Pferde, doch sah ich dich: Du bist ein Mann, den jeder gläubige Osman nur meiden oder töten kann.

Er flog dahin, und wie gebannt folgte ihm mein Blick, bis er verschwand. Obwohl er wie ein Geist der Nacht entflohen war, eh ich es recht bedacht, sein Anblick prägte sprunghaft wild in meinem Gehirn ein stürmisches Bild; in meinem erschrockenen Ohr noch lang des Pferdes fliehender Hufschlag klang. Er spornt sein Ross, er naht der Schlucht, die dunkel abstürzt in die Bucht; er schwenkt vorbei, die Felsenmauer schirmt ihn vor meines Auges Lauer; denn unwillkommen im Genick des Fliehenden ist des Spähers Blick; der kleinste Stern schaut noch zu klar für eine Flucht, wie diese war. Er schwenkt ums Riff - doch erst ins Tal schaute er, als wäre es zum letzten Mal; ein Weilchen hemmt er seinen Lauf, ein Weilchen schnob sein Pferde auf, ein Weilchen hob er sich im Bügel - was späht er zum Olivenhügel? Der Halbmond schimmert durch das Grün; vom Minarett die Lampen glühen; obwohl zu fern, als dass ihr Knall herübertönt im Widerhall, zeigt der Tophaiken Blitz und Rauch des Islams heiteren Festesbrauch. Heute Abend schloss der Ramadan, das Bairamsfest fing heute an; heut . . . was ist dir die heilige Nacht? Dein Blick ist scheu, fremd deine Tracht: Was hat ein Giaur dabei zu sehen, zu flüchten oder still zu stehen?

Er stand - auf seiner Stirne blass zuckte es wie Furcht und dann wie Hass, Hass - nicht die rote, flüchtige Glut, der jähe Scharlach kurzer Wut, nein, einem Leichenmarmor gleich, düster und doch gespenstisch bleich. Sein Auge ist gläsern, das Haupt gesenkt, er hebt den Arm, und grimmig schwenkt die Hand er, als ob sein Gedanke noch zwischen Flucht und Rückkehr schwanke. Des Zauderns überdrüssig längst, wiehert sein rabenschwarzer Hengst; da blitzend fährt die Hand ans Schwert; vor jenem Schall sein Traum entfleucht, wie Eulenschrei den Schlaf verscheucht. Vom Sporn des Pferdes Flanken beben, fort - fort - er reitet um sein Leben; wie eines Dscherids Wurfgeschoss fliegt vor dem Stoß dahin sein Ross. Er schwenkt ums Kap; der Sand am Meer dröhnt unterm Hufschlag nun nicht mehr; hinter dem Riff verschwunden ist der drohende Helm, der stolze Christ. Es waren Augenblicke kaum, dass er gehemmt des Rappen Zaum; nur Augenblicke hielt er Rast dann floh er, wie vom Tod erfasst; doch wogten in dem Nu durchs Herz Winter von unvergessenem Schmerz, gesammelt in dies Tröpfchen Zeit, Jahre voll Schuld und Herzeleid. Wer fürchtet oder liebt und hasst, Fühlt in Sekunden der Jahre Last: Was musste er fühlen, dessen Geist Furcht, Lieb und Hass zugleich zerreißt? Dies kurze Grübeln, wer ermisst, wie lang in seiner Qual es ist? Es war ein Nichts im Buch der Zeit, doch für den Gedanken Ewigkeit! Doch wie das Weltall ohne Schranke, so ist unendlich der Gedanke, der in sich selbst Weh ohne Rast und ohne Trost und End umfasst.

Die Stunde ist um, der Giaur fort; entkam er, oder fiel er dort? Verflucht sein Kommen und sein Gehen! Um Hassans Sünde ist es geschehen, ward sein Palast zur Gruft gemacht. Er kam, er ging, wie des Simums Macht, der Bote des Todes, der Herold der Nacht, vor dessen Pesthauch selbst das Laub der Grabzypresse schrumpft zu Staub, des dunklen Baumes, der ewig traurig ist, des einzigen, der die Toten nicht vergisst.

 Fort ist der Renner aus dem Stalle; kein Sklave weilt in Hassans Halle; das dünne, graue Netz der Spinne webt langsam sich um Wand und Zinne; im Harem haust die Fledermaus; auf hohem Turm des stolzen Baues hält nun die Eule trotzig Haus; der wilde Hund umschleicht den Quell mit grimmen, durstigem Gebell, denn im marmornen Bette versiegte der Born; dort modert der Schutt und wuchert der Dorn. Wie lieblich einst war seine Kühle, sein plätscherndes Spiel in des Sommers Schwüle, wenn hoch die Silberfunken flogen in immer neu geschwungenem Bogen, die Luft in wonnige Frische tauchend und grünen Schmelz auf das Erdreich hauchend! Süß war es, wenn in Mondespracht die Wellen flüssigen Lichtes sacht rauschten in wolkenloser Nacht. Oft hat am Rande dieser Wogen Hassan als Kind des Spiels gepflogen, und oft auf seiner Mutter Schoße sang ihn in Schlaf des Wassers gekose. Oft auch dem Jüngling schmeichelnd klang an ihrem Saum der Schönheit Sang, bis mit den weichen Melodien des Quelles Musik verschmolzen schien. Doch nie wird Hassans Alter nun am Rand im Dämmerlichte ruhen; verschrumpft ist seines Brunnens Flut, versiegt ist seines Herzens Blut, und hier wird nie mehr Menschenstimme gehört in Freude, Leid und Grimme, eilt schwellend wild im Wind und bang der Weiber Leichenklage Klang. Nun schweigt auch die; stumm liegt das Haus; nur die Fenster klappern im Windesgebraus; ob Sturmwind rast, ob Regen fließt, niemand der ihre Riegel verschließt. Glück scheint es in der Wüste Grauen die schwächste Menschenspur zu schauen: So riefe hier das bängste Ach ein Echo, wie Erlösung wach; es spräche doch: „Nicht alles starb! Ein Leben blieb, das nicht verdarb!“ Denn mancher goldene Saal ist drinnen wohl wert, der Öde zu entrinnen, und des Verfalles übles Geschwür fraß langsam sich durch Wand und Tür. Doch Grauen hängt um Dach und Tor; kein Fakir wartet mehr davor; kein Derwisch hält dort länger Rast; denn keine Gabe erquickt den Gast; dort mag kein müder Fremdling weilen, um segnend Salz und Brot zu teilen; achtlos und gleich vorüberziehen Arm und Reich. Denn edle Sitte und frommer Sinn starben mit Hassans Leben hin. Sein Dach, das allen Zuflucht bot, ist nun ein Hungerturm der Not; die Gäste zerstieben, es flohen die Vasallen, als sein Haupt durch den Säbel des Christen gefallen.

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Ich höre den Schwall von nahenden Füßen, doch nicht ein Wort, mein Ohr zu grüßen; Turbane kann ich unterscheiden, Ataghane in Silberscheiden. Vorn geht ein Mann, den grüne Tracht als Emir allen kenntlich macht. „Wer bist du? he!“ - „Mein Salam lehrt, dass euer Knecht den Koran ehrt. Die Last, die sanft ihr so tragt, die euch, so scheint es, mit Sorgen plagt, sie birgt wohl einen reichen Schatz? Mein armes Boot ist gleich am Platz.“

 „Du redest wahr: deinen Nachen rüste, bring weg uns von der stillen Küste; nein, lass das Segel ungespannt, das nächste Ruder nehme zur Hand, und zwischen hier und jenen Klippen, wo unter dunklen Felsenrippen finster und tief das Wasser ruht. Dort mache Rast. - So, das ist gut, die Fahrt ging rasch - und doch, sie war die längste Reise, die fürwahr / Je ein - -“

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Es klatschte dumpf, dann sank es leise, die stille Flut zog ihre Kreise. Ich spähte, wie es sank; mir schien, als rege es sich im Niederziehn der Strömung - nein, es war der Glanz, der zitternd spielte im Wellentanz. Ich sah es schwach und schwächer blinken, wie Kieselsteine, die versinken, ein weißes Fleckchen, langsam schwindend, erst strahlend hell und dann erblindend. Und niemand kennt sein Rätsel je, als nur die Genien der See, die, zitternd in korallener Zelle, kaum flüsternd es vertrauen der Welle.

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Gleichwie auf ihrer Purpurschwinge die Königin der Schmetterlinge Kaschmirs smaragdene Auen durchschwirrt, den jungen Jäger lockt und kirrt, von Kelch zu Kelch, von Ast zu Ast ihn weiter führt in müder Hast, und fliegt dann auf; er schaut ihr nach mit glühender Brust und bangem Ach: So lockt der Schönheit holdes Bild die großen Kinder durchs Gefilde, so farbenschön und flügelwild, zu eitler Jagt der Wünsche und Sorgen, voll Torheit heute, voll Tränen morgen. Und wird erhascht das arme Ding, sei es ein Mädchen oder Schmetterling, droht ihm das gleiche schlimme Ziel durch Mannes Launen und Kindes Spiel. Die Hände, die so schmeichelnd warben, verwischen seine hellsten Farben, bis Reiz und Glanz im Staube liegen; dann lässt man’s fallen oder fliegen, mit wunden Flügel, blutiger Brust - dahin die Ruhe, dahin die Lust! Kann jener noch mit kranken Schwingen von Rosen sich zu Tulpen schwingen? Kann Schönheit lächeln, wenn die Schmach die Lauben ihres Glücks zerbrach? Nein, weiter schwirrt der Brüder Spiel, kein Flügel naht sich ihm, der fiel, und sanfte Frauen mag Gnade erweichen, nur nicht für Fehler ihresgleichen; das Unglück findet Trost und Huld, nur eins nicht: einer Schwester Schuld.

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Ein Herz, von Schuld und Leid bedrängt, ist wie im Feuer ein Skorpion: Die Flamme, die ihn rings umfängt, im Kreise langsam sich verengt, bis, tausendfach von Glut versengt, rasend im trotzigem Hohn, er nur ein letztes traurige Heil im Stachel findet, dessen Pfeil den Feinden sollte drohen. Ihn, dessen Gift umsonst nie quillt, der schmerzend alle Schmerzen stillt, bohrt er ins Hirn verzweiflungswild. So lebt, so stirbt der finstere Geist, ein Skorpion, von Glut umkreist; so schrumpft das sündige Herz  zusammen, vor Gott und Welt in Bann und Acht, darunten Verzweiflung, darüber die Nacht, drinnen der Tod, ringsum die Flammen!

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Der schwarze Hassan flieht voll Grauen dem Harem und die schönen Frauen; dem ungewohnten Weidwerk weiht er ohne Jagdlust alle Zeit. so pflegte Hassan nicht zu fliehen, als Leilas Stern im Harem schien. Weilt Leila heute nicht mehr dort? Nur Hassan kennt des Rätsels Wort; in unsrer Stadt geht die dunkle Sage, sie sei geflohen am letzten Tage des Ramadan, wenn die Moscheen hell von Millionen Lampen stehen, des Bairamsfestes Feierglanz durchs weite Reich des Morgenlands. Da ging sie aus, man meinte ins Bad, Doch leer fand Hassan ihren Pfad; sie war vor seines Zornes Drohen in eines Pagen Tracht entflohen und hatte, seiner Macht entrückt, satt ihres Herren den Giaur beglückt. Von Argwohn frei war Hassan nie, doch schien so hold, so zärtlich sie, dass er der Sklavin noch vertraute, als sie Verrat und Unheil braute. Er ging am Abend zur Moschee und schmauste im Kiosk an der See. Sein schwarzes Gesinde erzählte dies, das seinen Schatz entschlüpfen ließ; doch andere sagen: Jene Nacht als eben Phingari erwacht, sah man den Giaur, doch ihn allein, auf schwarzen Hengst am Meeresrain mit blutigem Sporn in flüchtigem Lauf, nicht Weib noch Page hinten drauf.

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Den dunklen Zauber ihrer Augen kein Menschenwort beschreiben kann; schau der Gazelle Augen an, sie mögen dir als Gleichnis taugen, so träumerisch, so dunkel-klar: doch Seele in jedem Funken glühte, der blitzend durch die Wimpern sprühte, wie der Rubin von Istakar. Ja, Seele! - wenn der Koran spricht, nur atmender Ton sei dies Gesicht, bei Allah, nein, ich glaubt es nicht, und stünde ich auf Al-Sirats Bogen, der schwankenden Brücke glühender Wogen, vor mir des Paradieses Tor und aller Huris Willkommenschor! Wer ist, der je sein Auge sonnte in Leilas Blick und glauben konnte, das Weib sei seelenloser Staub, nur schnöder Wollust Spiel und Raub? Der Mufti, der ihr Antlitz sähe, gestände entzückt des Ewigen Nähe. Auf ihrer Wangen frischen Flaum streut der Granate junger Baum der Blüten immer neue Glut; des Haares hyazinthene Flut in fessellosem Niederfalle, wenn mit den Mägden in der Halle sie dasteht, höher als sie alle, berührt den Marmor, wo sie weiß ihr Fuß glänzt wie des Berges Eis, eh es der Erde Staub entstellt. Stolz wallt der Schwan den Pfad der Wasser; so schwebt die Tochter der Zirkasser, der schönste Vogel Frangistans. Hoch wie das Haupt des zornigen Schwans, wenn er, durch Menschennähe, gereizt, dahinschießt und die Flügel spreizt, auf Wogen schäumenden Kristalls, so hob sich Leilas weißer Hals; so schlug sie mit der Schönheit Waffen der Neugier Blick, der Torheit Gaffen, bis selbst der Schmeichler, übermannt von ihren Reizen, lautlos stand. So stolz und schön war ihre Art, so ihre Liebe treu und zart. Liebe? für wen? wen liebte sie? Dir, Hassan, galt ihr Eidschwur nie!

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Zur Reise Hassan sich entschloss, zwanzig Vasallen sind sein Tross, bewaffnet alle, Mann für Mann, mit Flinte und mit Ataghan. Der Herr voran: er trägt im Gurt den Säbel, der an Parnes Furt rot ward vom besten Aronautenblut (Er traf im Pass die Räuberbrut, und wenige kehrten von dem Strauß mit ihrer Trauerpost nach Haus). Pistolen, die vor ihm einmal ein Pascha führte, trägt sein Schal, mit Gold und Steinen reich gefasst und doch dem scheuen Dieb verhasst. Man sagt, er geht ein Weib zu freien, treuer als die, die nicht mehr sein, die Falsche, welche seinen Herd - o mehr als falsch! - für einen Giaur entehrt.

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Die Abendsonne am Hügel ruht und funkelt in der Quellenflut, die mit willkommnem kühlen Trank den Bergbewohner rührt zum Dank. Der griechische Kaufmann findet hier mehr Frieden als im Stadtquartier, wo er vor seinem Herrn erbebt  und zitternd seinen Schatz vergräbt. Wo niemand wacht, sucht er den Schlaf, in Wüsten frei, in Städten Sklave; hier füllt mit Wein er ungescheut den Kelch; den der Prophet verbot.

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In gelber Mütze der Tartar sprengt durch den Pass, voran der Schar, indes die anderen durch die Schlucht langsam sich ziehen um manche Bucht. Hoch oben ragt der Felsen im Nebel; dort wetzen Geier ihre Schnäbel; vielleicht lockt heute Nacht ein Mahl vor Sonnenaufgang sie zum Tal. Abwärts ein Strom, des Winterflut geschrumpft ist vor der Sommerglut, ein ödes Bett voll Felsenscherben, wo Unkraut sprießt, nur um zu sterben. Mitten hindurch die Straße zieht um graue Blöcke von Granit; die hat die Zeit, die hat der Blitz gestürzt vom dunstverhüllten Sitz; denn Liakuris hoher Firn entschleiert niemals seine Stirn.

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Den Fichtenhain erreicht die Schar: „Bismillah! aus ist die Gefahr! Da seht, die Ebene tut sich auf; dort spornen wir der Rosse Lauf!“ Der Tschiaus spricht es; eh er verstummt, um seinen Kopf die Kugel summt. Der erste Reiter beißt in die Erde, die anderen halten rasch; entsetzt wirft jeder sich von seinem Pferde; drei aber ritten heute zuletzt. Ihr Feind ist unsichtbar, die Lache des Blutes schreit umsonst nach Rache. Den Hahn gespannt, den Stahl gezückt, stehen einige, hinters Pferd gebückt, vom Pferde halb geschützt; und andere, hinterm Felsenwall, erwarten dort der Gegner Anprall; kein zahmes Verbluten nützt vor dem Blei des Feindes, der verzagt sich nicht aus dem Dickicht hervor wagt. Hassan allein bleibt stolz im Sitz und reitet vor, bis Pulverblitz auch vorn verkündet die Gefahr: nun sieht er, dass die Räuberschar den einzigen Weg nicht offen ließ, der ihren Opfern Flucht verhieß. Da sträubt sein Bart sich schier vor Wut, da flammt sein Auge in tieferer Glut: „Ob Kugeln pfeifen fern und nah, schon ärgere Not mein Auge sah!“ Jetzt bricht der Feind aus den Verstecken und heischt, dass sie die Waffen strecken, doch Hassans Runzeln und Gebot schreckt seine Diener mehr als der Tod. Von seinem kleinen Heeresbann streckt keiner Flinte und Ataghan und ruft den Memmenruf „Aman!“ Aus seinem Hinterhalt erscheint in voller Nähe und Macht der Feind, und aus dem Haine kommt ein Tross dahergesprengt auf hohem Ross. Wer führt ihn an? Weit blitzend saust sein fremdes Schwert in roter Faust. „Er ist’s, er ist’s! Ich kenne ihn wohl; ich kenne die Wangen bleich und hohl; ich kenne sein böses Augenpaar, das seines Frevels Helfer war; ich kenn den Rappen, schwarz wie Nacht: Vermumme dich in Aronautentracht, falsch gegen deinen falschen Glauben, nichts soll dich meiner Rache rauben! Willkommen mir zu jeder Frist, Leilas Galan, verdammter Christ!“

Gleichwie der Strom in seinen dunkeln Gewässern wild ins Weltmeer stürmt, wie ihm das Meer entgegentürmt azurner Säulen stolzes Funkeln und wirft zurück des Flusses Wut mit krausem Schaum vermengter Flut, indes vom Wintersturm zerzaust, Strudel und Brandung heult und braust; durch sprühende Gischt, im Donnerchor zucken die Blitze der Wasser empor, schneeweiß und schrecklich - rings umher zittert der Strand und brüllt das Meer: So wie sich Fluss und Ozean mit rasenden Wogen einander nahn, so treffen sich die Haufen jetzt, von Schicksal, Rache und Wut gehetzt. Der Säbel plänkelndes Geklirr und nah und fern durch Wald und Höhen der Todesschüsse dumpf Gedröhn, der Kugeln zischendes Geschwirr, Kampfschrei und Hufschlag und Gestöhn hallt rings umher das Tal entlang wo sonst der Hirten Lied erklang, so klein die Schar - sie kämpft ergrimmt, und keiner Gnade gibt und nimmt. Oh, zärtlich drängt sich Brust an Brust, wo Jugend glüht in holder Lust, doch Liebe selbst lechzt nie so heiß nach aller Wonnen höchstem Preis, wie Hass glüht, wenn sich Feind und Feind in tödlicher Umarmung vereint, wenn ringend Arm um Arm sich presst, der seinen Griff nie wieder lässt: Freundschaft und Liebe bricht die Not, den echten Hass eint noch der Tod.

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Sein Schwert, zersplittert bis ans Heft und triefend noch vom Blutgeschäft; den falschen Stahl noch fest umspannt im Krampf die abgehaune Hand; weit weggerollt des Turbans Falten, das feste Tuch vom Hieb zerspalten; zerschlitzt sein wallendes Gewand und blutig wie die Wolkenwand die Morgens mit gestreiftem Rot dem Tag ein stürmisches Ende androht; mit Flecken jeder Busch besprengt, an dem sein Palampor jetzt hängt; die Brust durchbohrt von tausend Toden; die Stirn gen Himmel, das Haupt am Boden, liegt Hassan da. Sein Auge scheint, als groll es noch auf seinen Feind,  als ob der Tod sogar dem Hasse ein überlebendes Feuer lasse. Und vor ihm steht, der ihn besiegt, düster die Stirn, gleich der, die vor ihm liegt.

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„Ja, Leila schläft in tiefer Flut, ihm aber ward ein Grab voll Blut; ihr Geist hat gut den Stahl geführt, der dies Verbrecherherz gerührt. Vergebens rief er zum Propheten; der Zorn des Giaur hat ihn zertreten. Zu Allah rief er, doch sein Wort flog ungehört im Winde fort: Du türkischer Narr! - der SIE verschmäht, erhören soll er dein Gebet? Ich harrte lange, der Räuber Gast, bis ich des Frevlers Haupt gefasst; mein Zorn ist satt, mein Werk geschehen, ich geh - doch einsam muss ich gehen.“

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Die Glöckchen der Kamele klingen; vom Söller Hassans Mutter schaut; sie sieht die Auen, die sie umringen, vom Hauch der Dämmerung betaut; sie sieht durchs Blau die Sterne dringen: „Sein Zug muss heran nahen, der Abend graut!“ Sie konnte nicht ruhen in dem Gartengemach, sie schaute vom Turm, vom obersten Dach: „Was zögert er? Sein Ross ist gut und schwankt nicht unter des Sommers Glut. Des Bräutigams Gaben erwarten wir längst: ist kalt sein Herz? ist lahm sein Hengst? Grundlose Furcht! Dort ein Tartar auf nahem Berg! ich sehe ihn klar; vorsichtig reitet er herab und schwenkt ins Tal mit rascherem Trab; er trägt die Gabe am Sattelgurt, und über ihn hab ich gemurrt! Reich lohne ich ihm des Weges Last und seines Gauls willkommene Hast.“

Der Reiter steigt am Schlosstor nieder, fast brechen die erschöpften Glieder. Sein braunes Antlitz kündet Leid - vielleicht ist es nur die Müdigkeit. Sein Kleid ist fleckig wie vom Blute - vielleicht  ist es nur vom Bauch der Stute. Der Reiter lüftet sein Gewand und zieht hervor sein Botenpfand: Der Kalpak klafft, der Schal ist rot - Engel des Tods, ist Hassan tot? „Herrin, dein Sohn wurde heute getraut mit einer fürchterlichen Braut. Mich ließ man - nicht aus Mitleid - leben, um dir dieses blutige Pfand zu geben. Friede dem Tapfren, dessen Blut geflossen! Wehe dem Giaur! Er hat es vergossen!“

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Ein Stein mit rotem Turbanknauf, ein Pfeiler, von Unkraut überragt, kaum leserlich die Schrift darauf, der Vers, der um die Toten klagt bezeichnen den Ort, wo Hassan fiel, im öden Tal, des Rächers Ziel. Da schläft der bravste Osmanli, der je in Mekka bog sein Knie, der immer verbotenen Wein verschmähte, der immer in brünstigem Gebete, das Antlitz dem Orte zugekehrt, das feierliche „Alla hu!“ geehrt. Doch starb er von des Fremdlings Hand im eigenen, nicht im fremden Land; doch starb er, blutend im Gefecht und nicht in Feindesblut gerächt. Ihm aber winkt, ein Glanzgewimmel, der Himmelsjungfrauen holde Schar, und ihn umleuchtet ewig klar der Huri-Augen dunkler Himmel. Sie nahen, die grünen Tücher wehen; ihr Kuss begrüßt sein Auferstehen! In ewigen Lauben ruht der Held, der gegen einen Giaur im Kampfe fällt!

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Du aber, Giaur, wirst dann in Qual zucken vor Monkirs Rächerstrahl und, wenn du seiner Pein entflohen, wandern um Eblis’ finsteren Thron. Dann füllt dein Herz, dein Herz umzischt ein Feuer, welches nie erlischt; kein Ohr erträgt, kein Mund erzählt, wie diese Hölle im Inneren quält. Erst aber soll dein Leib auf Erden, der Gruft geraubt, zum Vampir werden und in gespensterhafter Wut aussaugen all der Deinen Blut. Bei Weib und Kind, ein Nachtphantom, schlürfst du des Lebens warmen Strom, und ob dich ekeln mag, du musst; dein Leichnam trinkt an ihrer Brust. Die Opfer werden, eh sie sterben, Wissen, dass sie durch dich verderben; dir fluchend und verflucht von dir, vom Stamm welkt deiner Blumen Zier. Nur eine, die du würgen musst, die jüngste, deiner Augen Lust, wird segnend dich noch Vater nennen - dein Herz wird bei dem Wort verbrennen! Du musst es tun, du musst es schauen, des Blickes Verglühen, der Stirne Graun.

Das Auge, das so gläsern stiert, sein lebloses Blau, wie es gefriert. Ich sehe, wie deine wilde Faust ihr blondes Haar dann wütend zaust, die Locken, deren Schur im Leben dir manches Liebespfand gegeben; nun werden sie mit einemmal zum Zeichen deiner Höllenqual. Wie fletscht dein Zahn, dein Mund wie blass, von deinem besten Herzblut nass! Dann wanke ins öde Grab und buhle in Grüften mit Afrit und Ghul. Voll Grauen vor dir entfliehen selbst die, Scheusal, entsetzlicher als sie!

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„Wie wird der Kaloyer da genannt? Ich sah dies Antlitz schon vorher, vor manchem Jahr, in meinem Land, als wütend er am öden Meer das schnellste Ross, das je das Heil des Reiters war, antrieb zur Eile. Ich sah dies Antlitz nur im Flug, tief aber prägte sich der Zug der inneren Qual sich ein; den es trug; und noch auf jener Stirne droht der finstere Geist, bleich wie der Tod.

Zweimal drei Sommer sind es nun, seit unserem Kloster es genaht, um hier, so scheint es, auszuruhen von irgendeiner dunklen Tat. Doch nimmer sehen wir anderen ihn zur Vesper und ihm Beichtstuhl knien; nicht rührt es ihn, wenn hoch im Chor Hymnus und Weihrauch steigt empor; für sich allein beugt er sein Haupt; kein Mensch weiß, was er ist und glaubt. Aus Heidenlanden übers Meer kam von der Küste er hierher. Von Osmans Stamme scheint er nicht, und Christ doch nur von Angesicht, vielleicht ein flüchtiger Renegat, der Reue fühlt für seine Tat; nur flieht er vor dem heiligen Schrein und vor geweihtem Brot und Wein. Dem Kloster bracht er Gold in Haufen, um unseres Priors Gunst zu kaufen, doch wäre ich der Abt, ein solcher Gast fände hier nicht eines Tages Rast, oder ich schlösse ihn auf der Stelle für immer in die Büßerzelle. In seinen Träumen murmelt er von einer Frau im tiefen Meer, von Säbelklirren, fliehend Horden, gestillter Rache und Türkenmorden. Oft steht er an der Klippe Rand und spricht zu einer blutigen Hand, die sich vom eigenen Arme schied, die außer ihm kein andrer sieht; sie winkt ihn fort zu seiner Gruft, lockt ihn zu springen in die Kluft.“

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Das Antlitz grinst wie Spuk und Fluch unter der Kutte finsterem Tuch; dies weite, starre Auge enthüllt zu viel der Qual, die ihn erfüllt, unstet von Farbe und wandelbar - doch wer es ansieht, läuft Gefahr: Sprechend, doch unaussprechlich ruht ein Zauber in der Augen Glut, ein stolzer, ungezähmter Geist, der Macht und Herrschaft an sich reißt; und wie des Vogels banges Geflatter nicht fliehen kann vor dem Blick der Natter, so krümmt sich, wer ihn angesehen, und kann nicht fliehen noch widerstehen. Der halberschrockne Mönch, der ihn allein trifft, möchte gern entfliehen, als ob dieses Auge und diese Brauen mitteilen könnten Schuld und Grauen. Er lächelt selten, aber dann sieht sich sein Lächeln traurig an, wie er mit Jammer spielen kann. Die bleiche Lippe zuckt und droht, dann wieder wird sie starr wie Tod, als ob ihm Stolz und Gram die Gabe des Lächelns ganz genommen habe. Ja, wäre es nur so! - so giftigen Scherz gebar noch nie ein fröhliches Herz. Noch bitterer, wenn dies Antlitz gar das zeigt, was einst Empfindung war! Noch sind die Züge nicht versteinert, noch manches Licht mit Nacht vereint, und flüchtige Blitze noch verraten, dass nie ihn ganz entehrt die Taten, durch deren Blut er mochte waten. Der Pöbel freilich sieht allein die Schuld und die verdiente Pein; der schärfere Blick erkennt im Fehle das edle Blut, die stolze Seele. Ach, wenn auch fruchtlos ihm beschert, befleckt durch Schuld, durch Gram verheert, doch teilt an kein gemeines Haus das Schicksal solche Gaben aus; und stets an solchen, fast mit Bangen, pflegt selbstgebannt der Blick zu hangen: Die Hütte mit geborstener Wand hält nie des Wanderers Fuß gebannt, indes, gebeugt von Krieg und Sturm, die letzte Zinne am alten Turm den Fremdling lockt und übermannt: Der Säulenstumpf, das Efeukleid zeugt stolz von alter Herrlichkeit.

„Umwallt von des Gewandes Falten, schleicht er das Seitenschiff hinan, scheu angestarrt, und starrt die alten Festbräuche finsteren Blickes an. Doch wie vom Chor das Hochamt schallt und alles kniet, entweicht er bald. Bei jener Fackel schwankem Licht im Torgang stiert sein bleiches Gesicht; da weilt er bis zum Schlussgebet, das er mit anhört, doch verschmäht. Sieh da - die Wand ist halb erhellt -, sein Kopftuch sinkt, sein Haupthaar fällt; wild um die Stirn die Locken flattern, als flöchte sie Gorgo ihm ums Haupt die schwärzeste vom Kranz der Nattern, der schrecklich ihre Schläfe umschnaubt. Denn er verwirft den Ordensschwur; obwohl uns gleich in Tracht und Hülle, gönnt er den Locken sündige Fülle. Aus Reue nicht, aus Hofart nur verschenkt er Gold an Mauern, wo kein frommes Wort ihm je entfloh. Sieh! - merkst du’s? Wenn ein voller Chor Loblieder jauchzt zu Gott empor, versteint sein Blick, die Wange wird fahl, ein Bild des Trotzes und der Qual. Sankt Paul! lass vom Altar ihn weichen! Sonst wird in fürchterlichen Zeichen der Zorn des Himmels uns erreichen. Wenn Satan ginge als Mensch umher, er sähe nicht anders aus als der: So wahr mir einst vergeben werde, dieser stammt vom Himmel nicht noch von der Erde.“

Auch weichste Herzen Lieb entfacht, nie aber Liebe in voller Macht; sie sind zu scheu, ihr Leid zu tragen, zu zahm, den Todeskampf zu wagen. Das starke Herz allein ereilt die Wunde, die die Zeit nicht heilt. Das raue Erz aus tiefem Schacht muss brennen, eh es glänzt in Pracht; getaucht in des Ofens Flammenschwall, biegt es sich und schmilzt - doch bleibt es Metall. Alsdann gehärtet nach Begehr, dient dir es zur Waffe oder Wehr, ein Panzer für den Tag der Nöte, ein Schwert, das deinen Gegner töte, vielleicht ein Dolch - doch wer zum Stich die Waffe formt, der hüte sich! So schmiedet Weibes Kunst, wie Erz, im Feuer der Liebe ein starkes Herz; da nimmt es Form und Schärfe an, wie sie es macht, so bleibt es fortan; es bricht, eh es sich biegen kann.

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Wo Einsamkeit nachfolgt der Pein, da hilft es nicht viel, den Schmerz zu lindern; das öde Herz mag dankbar sein, wenn Foltern seine Leere mindern. Was niemand mit uns teilen kann, und wäre es der Himmel, widert an. Ein Herz, von aller Welt verlassen, muss, um nur Ruhe zu finden - hassen. Es ist als wenn ein Toter fühlt, wie ihn der eisige Wurm zerwühlt, wie über eines Mörders Rast kriechendes Ungeziefer prasst, machtlos, zu wehren ihren Raub, der schaurig zehrt an seinem Staub. Es ist, als wenn der Pelikan, der seine treue Brust zerfleischt, weil seine Brut nach Nahrung kreischt, betört vom mütterlichen Wahn, sein Blut voreilig fließen lässt und findet plötzlich leer sein Nest. Selbst Folter ist der Wonne süßeste, verglichen mit der grausigen Leere, des Geistes blätterloser Wüste, zielloser Sehnsucht ödem Meere. Wer sähe wohl den Himmel gern stets ohne Wolke und ohne Stern? Viel minder schlimm des Sturmes Wut als niemals kämpfen mit der Flut, als nach Orkan und Wogenbranden einsam am Riff des Schicksals stranden, in schwüler Still, an toten Seen langsam verderben, ungesehen; viel besser sinken mit dem Schiff, als Stückchenweise modern auf dem Riff!

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„Vater, du lebtest fromm und rein, unzählige Rosenkränze zählend! Von Sünden andere zu befreien, du selber frei von Schuld und Pein, mit flüchtigem Schmerz dich höchstens quälend, dies Los von Jugend an war dein. Du wirst dich oft bekreuzigt haben vor Leidenschaft und grimmer Wut, wenn Büßer die geheime Glut der Sünden und der Tränen Flut in deiner keuschen Brust begraben. Mir war in meiner kurzen Zeit viel Glück verliehen, doch noch mehr Leid, und als in Liebe und Kampf ich noch vergaß des Lebens bleiernes Joch. In Feindeskampf, in Freundesglück stieß ich die träge Ruhe zurück. Jetzt, wo mir nichts verhasst noch lieb, wo mir nicht Stolz oder Hoffnung blieb, wäre lieber ich der eklige Wurm, der giftig kriecht im Kerkerturm, als öde und stumpf dahinzugehen, verdammt, zum Denken und zum Sehen. Wohl quält ein Wunsch mich immerzu: nach Ruhe - doch Wunschlos sein ist Ruhe. Dies Ziel ist nah: In Schlaf gelullt, träume ich dann nichts von allem mehr, was ich einst war und gern noch wäre, so schwarz dir vorkommt meine Schuld. Erinnerung ist ein Grab mir schon, grab toten Glücks - der Wunsch mein Lohn: Tot mit dem toten Glück zu sein, statt hinzuschleppen meine Pein. Mein Mut erschrak nicht vor der Last wühlender Schmerzen ohne Rast; nicht kürzte ich selbst die Lebensfrist, wie römischer Tor und feiger Christ; doch nie wich ich dem Tode aus; schön dachte ich mir im blutigem Strauß; wenn ich im Kampf und Sturme bliebe, ein Sklave des Ruhmes, nicht der Liebe. Ich trotzte ihm - nicht um Ehrenglanz; ich lächle über Schimpf und Kranz, ich lasse anderen solche Fron um Ehren oder Mietlings Lohn; doch zeige meinem Auge ein Ziel, das kampfeswert mir scheint  - gleichviel, sie, die ich lieb, ihn, den ich hasse, und ich erstürme des Schicksals Gasse, zum Mord, zur Rettung, wie es sei, durch blitzenden Stahl und sausendes Blei. Glaube nicht, ich prahle in eitlem Wahn: Was gern ich tät, ich hab es getan. Tod ist nicht mehr, als Mut besteht, Schwachheit erduldet, Not erfleht; lass fahren denn, was doch vergeht! Sein Antlitz hat mich nie entsetzt - im Stolz des Glücks - wie sollt es jetzt?

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Ich liebte, Mönch, ich betete an! Doch das sind Worte ohne Wert, die alle Welt gebrauchen kann. Ich  habe es durch die Tat bewährt: Blut klebt an diesem schartigen Schwert, der Fleck verlässt die Klinge nie; sie starb für mich - dies floss für sie! Blut eines Herzens, das verflucht ... Nein, schaudre nicht, beug nicht das Knie, die Tat wird nicht als Schuld gebucht; du sprichst mich frei von dieser Last, denn Kirche und Kreuz war ihm verhasst; der Name Nazarener schon war Wermut seinem Heidenhohn. Der undankbare Tor! die blanken und schweren Klingen tapferer Franken, der Galiläer Schwert und Spieß verhalfen ihm zum Paradies; sonst würden ihn im Himmelsgarten die Huris heute noch erwarten. Ich liebte sie, und Liebe wagt mehr als der Wolf, der hungernd jagt; wagt sie genug, so wäre es am Ende hart, wenn sie ihren Lohn nicht fände. Gleichviel, warum und wo und wie, ich seufzte nicht umsonst um sie; jetzt aber manchmal wünschte ich fast, sie hätte lieber mich gehasst. Sie starb - ich mag nicht sagen, wie; auf meiner Stirn, da steht es, sieh! Dort ließ in untilgbarer Schrift den Fluch des Kain, der mich trifft. Doch eh du mich verdammst, halt ein: Die Ursache, nicht die Tat, war mein. Zwar hätte ich es gemacht wie er, wenn zweien sie falsch gewesen wäre; ihm war sie falsch - er rächte sich; mir war sie treu - er fiel durch mich. Ob sie verdiente, was er tat, für mich war Treue ihr Verrat. Sie gab ihr Herz mir, jene Welt, die niemals Zwang in Ketten hält; und ich, zu spät zu retten, gab (es war mein Trost) dem Feind ein Grab. Sein Blut wiegt leicht; ihr Schicksal brachte zu dem mich, was dich schaudern machte. Sein Tod stand fest; er wusste es wohl; ihn warnte Tahirs finsteres Wort, des ahnend Ohr den nahen Mord wie fernes Krachen hörte dort, in jener Felsschlucht eng und hohl. Er starb dazu in Kampfes Wut, wo Schmerz und Last nicht weh tut; ein Ruf zu Mohammed, ein Schrei zu Allah - und es war vorbei. Er kannte mich und griff mich an; ich sah am Boden ihn , und dann bewachte ich, wie sein Blut verrann. Dem Panther gleich durchbohrt vom Stahl, fühlte er doch halb nicht meine Qual; vergebens suchte ich eine Spur von Seelenwunden und Tortur; des Toten starres Angesicht verriet wohl Grimm, doch Reue nicht. Wie lechzt ich, der Verzweiflung Grauen auf seiner bleichen Stirn zu schauen, die späte Reue am Grabestor, als Buße jede Macht verlor, wenn sie in Todes Zwang und Bann nicht trösten will, nicht retten kann!

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Ein kaltes Land, ein kaltes Blut, das kaum den Namen Liebe kennt - die meine war, wie Lavaflut in Ätnas Flammenbusen brennt. Ich plappere nicht, wie mancher tut, wenn glühende Wange und siedendes Blut, wenn stumme Lippen in Angst und Wut, wenn tobendes Hirn und springendes Herz und kühne Tat und rächendes Erz, wenn alles, was ich fühlte an Schmerz, Liebe bezeugt, dann war sie mein, der Liebe narbenvolle Pein. Nicht wimmern konnte ich, flehen und werben, ich musste erringen oder sterben. Ich sterbe, ja - doch noch am Grabe weiß ich, dass ich genossen habe! Sollt ich das Schicksal meiner Wahl verwünschen? Nein! Trotz Kampf und Not, wäre nicht der Schmerz um Leilas Tod, gib mir die Wonne samt der Qual, ich lebt und liebte noch einmal! Nicht mich, den Sterbenden, beklage ich, nur Leid um die Gestorbene trage ich, um deren Gruft die Brandung schnaubt. Wenn sie ein Grab auf Erden hätte, mein gebrochenes Herz und fieberndes Haupt, ach, teilte längst ihr enges Bette. Ganz Leben war sie und ganz Licht - wer sie gesehen, vergaß sie nicht. Sie strahlte mir, ob nah, ob fern, meiner Erinnerung Morgenstern. Ja, Liebe ist Licht, vom Himmel stammend, aus jenem ewigen Feuer flammend, das Gott uns gab, um niedre Lust zu heben über Erdendurst. Die Andacht hebt zu Gott uns wieder, die Liebe senkt den Himmel nieder, Abglanz der Gottheit, uns vom Frönen schmutziger Selbstsucht zu entwöhnen, ein Strahl vom Urquell aller Sonnen, ein Glorienschein um Erdenwonnen! Mein Lieben war, ich glaube es gern, von himmlischer Vollendung fern; verdamme es denn - ich bin geduldig -, nur sprich, o sprich, SIE war nicht schuldig! SIE war der Leitstern meines Lebens, nun taste ich durch die Nacht vergebens; wie gerne folgte ich ihrem Strahl, sei es auch zu Tod und Todesqual!

Weswegen blickt ihr so betroffen, wenn einer, dem man alles nahm, der Stunde Glück, der Zukunft Hoffen, nicht milde ringt mit seinem Gram, wenn er von Flüchen überflutet, wenn er zur finsteren Tat sich kehrt, die Jammer nur mit Schuld vermehrt? Ach, eine Brust, die drinnen blutet, schreckt nichts, was nur den Leib versehrt; wer stürzt vom höchsten Grab herab, der fragt nicht viel, in welches Grab. Wild wie des Geiers finsteres Hausen, scheint dir mein Tun, du alter Mann; Ich lese auf deiner Stirn das Grausen - auch das ertrage ich, wie ich kann. Ja, gleich dem Flug des Geiers hat Unheil bezeichnet meinen Pfad; eins von der Taube ist mir geblieben: zu sterben und nur einmal zu lieben - die Lehre, die der Mensch nicht ehrt, weil ein verachtet Tier sie lehrt. Die Nachtigall in waldiger Flur, der Schwan auf klarem Flutazur wählt eine Gattin, eine nur. Und ob der Tor der Neuheit frönt und jeden, der nicht wechselt, höhnt, mit prahlenden Knaben Späße tauscht, mich lockt kein Glück, das bunt verrauscht. Mir scheint der flatternde Galan herzloser als der treue Schwan, viel niedriger als die Betörte, die sein meineidiges Flehen erhörte. Solch eine Schmach war niemals mein; Leila, mein ganzes Herz war dein, mit Ehr und Schuld, mit Lust und Leid, mein Alles jetzt und in Ewigkeit! Kein Zweites gleicht auf Erden dir, und wäre es auch, was helfe es mir? Grauenvoll, ein Weib zu finden, die ihr ähnlich wäre und doch nicht sie! Dies Sterbebett, all meine Schmach bezeugt, dass ich die Wahrheit sprach: Es ist zu spät - du warst, du bist der teure Wahnsinn, der mein Herz zerfrisst.

Sie war dahin, ich  lebte noch, kein menschliches Leben wie zuvor; dicht um mein Herz die Schlange kroch und stach zum Kampf die Seele empor. Verwischt der Zeit, des Raumes Spur, ein Grauen der Anblick der Natur, und jede Farbe, einst meine Lust, trug nun die Schwärze meiner Brust. Den Rest dein Ohr bereits vernahm, all meine Schuld, halb meinen Gram, doch nicht vom Büßen rede mir! Du siehst, ich scheide bald von hier, und deine Lehre und frommes Flehen machte noch nie Geschehnes ungeschehen. Ich bin nicht undankbar: dies Weh heilt keines Priesters Beistand je. Heimlich errat mein tiefstes Ich; je mehr du fühlst, je weniger dann sprich. Wenn du SIE erwecken kannst zum Leben, dann will ich flehen um dein Vergeben, dann sprich für mich am Throne dessen, von dem man Gnade kauft mit Messen. Wenn des Jägers Faust aus waldiger Schlucht forttrug die junge Löwenzucht, geh, sprich der Löwenmutter zu, doch meinen Jammer lass in Ruh.

In sanfteren Stunden, früheren Tagen, wo Herz am Herzen liebt zu schlagen, im Heimattal, von Wald umzäunt, hatte ich - ach, hatte ich? - einen Freund. Ihm, bitt ich dich, dies Zeichen sende, Andenken an des Knaben Schwur; ich möchte ihn mahnen an mein Ende. Zwar flüchtig denkt der Fremde nur ein Herz wie meins, verheert vom Grame, doch blieb ihm wert mein finsterer Name. Seltsam! er hat es geweissagt; doch ich lachte - damals lachte ich noch -, wenn Weisheit seine Stimme lieh und warnte - und ich hörte nie. Nun summt Erinnerung meinem Ohr das Halbgehörte wieder vor. Sag ihm, sein Ahnen sei nun wahr, und wenn er das vernimmt, so wird er wünschen, dass er sich geirrt. Sag ihm, in Taumel und Gefahr dachte ich zu wenig wohl zurück an unserer Jugend goldenes Glück, doch hätte ich ihn mit lallendem Munde gesegnet in der Sterbestunde, nur dass der Himmel, fürchte ich, grollte, wenn Schuld für Unschuld beten wollte. Nicht heisch ich, dass er mich nicht schilt; mein Grab zu schmähen ist er zu mild; der Ruf der Welt mir wenig gilt. Auch Trauer heisch ich nicht; es wäre wie Hohn solch frostiges Begehren; nichts schmückt den Sarg des Mannes mehr als eines Freundes ernste Zähre. Sein alter Ring hier, bring ihm den, und sag ihm dann, was du gesehen: verdorrten Leib, zerstörte Kraft, die Trümmerstatt der Leidenschaft, zerknittertes Buch, verwehtes Laub, des Wintersturmes trostlosen Raub.

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Schweig mir von Fiebers Truggesicht! Nein, Vater, nein - Traum war es nicht! Der Traum kann nur im Schlaf erscheinen. Ich wachte und wünschte nur zu weinen und konnte nicht - die heiße Stirn pochte wie jetzt, bis tief ins Hirn. Nur Tränen wünschte ich, als ob Zären was Liebes, Neues, Teures wären. Ich wünschte es erst, ich wünsche es noch, Verzweiflung lähmt den Willen doch. Die Predigt spar! - Verzweiflung steht viel mächtiger da als dein Gebet; um Rettung ist es mir nicht zu tun, nicht selig sein, ich will nur ruhen. Vorher, ich schwör es, Vater, ja, dass ich sie sah, lebendig sah im weißen Symar leuchtend fern, wie durch die Wolken jenen Stern. Ich sehe den Stern, wie sie vorher, nur war sie lieblicher als er.  Matt sehe ich seinen Zitterschein; die nächste Nacht wird dunkler sein und ich, eh sich sein Strahl erneuert, lebloser Staub, den Leben scheut. Ich fliege, Mönch, die Seele fließt dem Ziele zu, das alles schließt. Ich sah sie, Mönch, ich sprang empor; all unser Jammer war vergessen; vom Lager springe ich, stürze vor, sie an mein rasendes Herz zu pressen; Ich presse - und halte was umfasst? Nicht atmenden Leibes süße Last, kein Herzschlag stimmt in meinen ein - doch, Leila, doch! der Leib ist dein! Ist sie verwandelt, dass sie so das Auge traf, der Hand entfloh? Du bist so kalt - was kümmert es mich? Wenn nur mein Arm sich schlingt um dich, sein alles, was er wünscht für sich! Ach, nur ein Schatten war dies Glück, leer sinkt der Arm aufs Herz zurück. Da ist sie noch! Wie stumm es steht und mit den Händen winkt und fleht! Das Auge schwarz, gestrählt das Haar; ich wusste, dass es Lüge war! Sie lebt - nur er ist tot. Ich sah sein Grab im Tal, wo es geschah. Er kommt nicht, denn sein Grabgemach ist fest; warum bist du denn wach? Sie sagten, wilde Brandung rollt über dem Antlitz lieb und hold; Sie sagten ... Gräuel sagten sie; ich weiß es, doch wiederhole es nie. Wenn es wahr ist, wenn du aus dem Meer zu stillerem Grabe kamst hierher, o lass auf meine glühenden Brauen die kühlen Finger Labsal tauen, oder auf mein Herz voll Grauen! Was du auch seiest, Seele oder Leib, erbarm dich! geh nicht von mir! bleib! Oder lass beide uns weiter fliehen, Als Winde wehen und Wolken ziehen!

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Dies ist mein Name und der Lebenslauf: Du hebst, mein Vater, all mein Wehe in bereuender Brust verschwiegen auf. Dank für die Träne, die ich sehe! Mein gläsernes Auge bleibt unbenetzt. Zu den Toten legt mich jetzt, nichts als ein Kreuz zu Häuptern mir, kein Name nicht, keines Wappen Zier, nichts, was des Fremdlings Neugier lockt, wovor der Schritt des Pilgers stockt.“

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Er starb - von Namen oder Stand ließ er uns weder Spur noch Pfand; nur unser Abt vernahm die Kunde, die Beichte seiner Sterbestunde; ich weiß nur, was dies Bruchstück gibt, wie er gehasst und wie geliebt.

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Anmerkungen zum Volltext

des Atheners Grab - Ein Grabmal über den Felsen des Vorgebirges, das einige für das Grab des Themistokles halten.

Sultanin der Nachtigall - Die Anhänglichkeit der Nachtigall an die Rose ist eine wohlbekannte persische Legende. Wenn ich mich nicht irre, lautet einer ihrer Beinamen „Bülbül der tausend Geschichten“.

Der erste Schlaf des Todes liegt - Ich hoffe, dass wenige meiner Leser jemals Gelegenheit gehabt haben, das, was ich hier zu schildern versuche, selbst zu beobachten; wer es aber gesehen hat, wird wahrscheinlich eine schmerzliche Erinnerung an jene eigentümliche Schönheit bewahren, welche, mit wenigen Ausnahmen, in den ersten Stunden nach der Flucht der Seele über die Züge der Toten sich ausbreitet. Merkwürdig ist, dass in Fällen eines gewaltsamen Todes durch Schusswunden das Gesicht auch des energischsten Mannes stets einen Ausdruck der Erschlaffung annimmt, während da, wo der Tod einer Stichwunde folgt, das Antlitz alle Zeichen der Empfindung oder der Wut und der Geist seine Bewegung bis zuletzt festhält.

Sklaven eines Sklaven - Athen ist im Besitz des Kislar Aga [Kizlar-aghasi] (Sklave des Serails und Hüter der Frauen), der die Woiwoden ernennt. Ein Kuppler und Eunuch - das sind keine feinen, aber wahren Bezeichnungen - beherrscht gegenwärtig den Beherrscher Athens.

 Tophaiken - „Tophaike“ heißt die Muskete. Der Bairam [Fest zum Abschluß des Fastenmonats Ramadan] wird bei Sonnenuntergang durch Kanonenschüsse angekündigt; die Illumination der Moscheen und das Abfeuern von Flinten aller Art verkünden ihn in der Nacht.

Dscherids - Ein stumpfer türkischer Wurfspieß, der vom Pferd herab mit großer Kraft und Genauigkeit geschleudert wird. Das ist eine Lieblingsübung der Muselmanen; doch ich weiß nicht, ob man sie als männlich bezeichnen darf, denn die Besten in dieser Kunst sind die Schwarzen Eunuchen von Konstantinopel. Ich glaube, nach diesen war ein Mameluk in Smyrna der Geschickteste von denen, die ich beobachtet habe.

Simums - Der Wüstensturm, der alles Leben vernichtet und oft in der orientalischen Dichtung erwähnt wird.

das allen Zuflucht bot - Ich  brauche kaum zu bemerken, dass Mildtätigkeit und Gastfreundschaft die ersten Pflichten sind, die Mohammed verlangt, und um die Wahrheit zu sagen, sie werden von seinen Anhängern auch sehr weitgehend erfüllt. Das erste Lob, das einem hohen Herrn gespendet wird, ist ein Preis seiner Wohltätigkeit, das zweite gilt seiner Tapferkeit.

Athagane - Der Athagan, ein langer Dolch, wird mit den Pistolen im Gürtel getragen, in einer Scheide von Metall, gewöhnlich von Silber, bei den reichen vergoldet oder golden.

grüne Tracht - Grün ist die privilegierte Farbe der zahlreichen vorgeblichen Nachkommen des Propheten; bei diesen, wie hier, scheint der Glaube (das Familienerbteil) die Notwendigkeit guter Werke aufgehoben zu haben: Sie sind die schlechtesten einer sehr gleichgültigen Brut.

Salam - „Salam aleikum! aleikum salam!“ ( Friede sei mit euch! mit euch sei Friede!) - die Begrüßung, welche dem Rechtgläubigen vorbehalten ist; für einen Christen sind „Urlarula!“ (Glückliche Reise!) oder „Sarban hiresem! Sarban serula!“ (Guten Morgen! Guten Abend!) und zuweilen „Möge dein Ende glücklich sein!“ die gebräuchlichsten Begrüßungen.

Königin der Schmetterlinge - Der blauflügelige Schmetterling von Kaschmir, der seltenste und schönste aller Gattungen.

Skorpion - Anspielung auf den zweifelhaften Selbstmord des Skorpions, wenn er von zartfühlenden Philosophen zum Versuch in solche Lage gebracht wird. Einige behaupten, dass die Richtung des Stachels, gegen den Kopf gewendet, bloß eine krampfhafte Bewegung sei; andere aber haben wirklich auf „Felo de se“ [Selbstmord] erkannt. Die Skorpione sind gewiß an einer schnellen Entscheidung dieser Frage interessiert, da es ihnen, wenn sie einmal förmlich als Insekten-Catos anerkannt sind, wahrscheinlich erlaubt werden wird, so lange zu leben, wie sie es für richtig halten, ohne um einer Hypothese willen gemartert zu werden.

Phingari - Der Mond.

Rubin von Istakar - Der berühmte fabelhafte Rubin des Sultans Dschemschid, des Verschönerers von Istakar; seines Glanzes wegen Schebgerag, „Die Fackel der Nacht“, auch „Der Brecher der Sonne“ genannt.

Al-Siraths - Die Brücke Al-Sirat schmäler als der Faden einer ausgehungerten Spinne und spitzer als die Schneide eines Schwerts -, über welche die Muselmanen  in das Paradies schlittern müssen, zu dem sie der einzige Zugang ist. Doch dies ist nicht das Ärgste: Der Strom darunter ist die Hölle selbst, in welche, wie zu erwarten, die Ungeschicktesten und unsicher Tretenden mit einem facilis descensus Averni hinabtaumeln, zu nicht sehr erfreulichem Anblick der Nachfolgenden. Für Juden und Christen gibt’s einen kürzeren Weg hinunter.

schnöder Wollust Spiel und Raub - Ein verbreiteter Irrtum: Der Koran bewilligt wenigstens ein drittel des Paradieses den Frauen von guter Aufführung; aber die bei weitem größere Zahl der Muselmanen erklärt den Text auf ihre eigene Weise und schließt ihre besseren Hälften vom Paradiese aus. Als Feinde alles Platonischen können sie nichts Angenehmes an den Seelen des anderen Geschlechtes finden, welche sie den Huris unterordnen.

Granate junger Baum - Ein orientalisches Gleichnis, welches, obwohl ein gut angebrachtes Plagiat, dennoch plus arabe qu’en Arabie scheinen mag.

Des Haares hyazinthne Flut - Hyazinthenfarbig, im Arabischen „Sunbul“, eine ebenso gebräuchliche Vorstellung bei orientalischen Dichtern, wie sie es bei den Griechen war.

Liakuris - Parnassos.

Bismillah - „Im Namen Gottes!“: Der Anfang aller Korankapitel, von einem abgesehen, sowie der Gebete und Danksagungen.

Da sträubt sein Bart sich - Bei zornigen Muselmanen eine nicht ungewöhnliche Erscheinung. Im Jahre 1809 geriet der Backenbart des Kapudan Pascha während einer diplomatischen Audienz vor Entrüstung in so lebhafte Bewegung wie der Bart einer Tigerkatze, zum Entsetzen aller Dragomans; der ungeheure Schnurrbart zuckte und richtete sich von selbst in die Höhe, und man erwartete jeden Augenblick, dass er auch die Farbe ändern werde; am Ende begab er sich aber doch wieder zur Ruhe, was wahrscheinlich mehr Köpfe rettete, als er selbst Haare enthielt.

böses Augenpaar - Der „böse Blick“, ein in der Levante gewöhnlicher Aberglaube, dessen eingebildete Wirksamkeit sich jedoch sattsam an denen äußert, welche davon ergriffen werden.

Palampor - Der geblümte Schal, meistens von Personen von Rang getragen.

Kalpak - Der Kalpak ist die starke Kappe oder der innere Teil der Kopfbekleidung; der Schal ist um ihn gewunden und bildet den Turban.

Turbanknauf - Der Turban, der Pfeiler und der inschriftliche Vers verzieren die Gräber der Osmanen, auf dem Friedhof wie in der Wildnis. In den Gebirgen geht man oft an ähnlichen Mementos vorüber, und auf Nachfrage wird man belehrt, dass sie an Opfer des Aufruhrs, der Ausraubung oder der Rache erinnern.

Alla hu! - Die Schlussworte des Rufes zum Gebet, den der Muezzin an der Außenseite des Minaretts von der höchsten Galerie herab erschallen lässt. An einem stillen Abend, wenn der Muezzin eine angenehme Stimme hat, wie dies meistens der Fall ist, ist die Wirkung weit feierlicher und schöner als die aller Glocken der Christenheit.

die grünen Tücher wehn - Das folgende ist ein Teil eines Schlachtgesangs der Türken: „ Ich sehe - ich sehe ein dunkeläugiges Mädchen des Paradieses! Sie weht mit einem Tuche und ruft laut: Komm! küsse mich! denn ich liebe dich!“

Eblis' - Der orientalische Fürst der Finsternis.

Vampir - Der Vampir-Aberglaube ist noch allgemein verbreitet in der Levante. Der ehrliche Tournefort erzählt eine lange Geschichte davon, welche Southey in den Anmerkungen zu Thalaba für diese „Vroukolochas“, wie er sie nennt, anführt. Die romanische Benennung ist „Vardoulacho“. Ich erinnere mich einer ganzen Familie,  welche, durch das Gekreisch eines Kindes erschreckt, glaubte, dass dies von einem solchen Besuch herrühren müsse. Die Griechen erwähnen dies Wort nie ohne Schauder. Ich finde, dass „Broukolokas“ die echte hellenische Benennung ist; wenigstens wurde sie oft auf Arsenius angewendet, der nach Meinung der Griechen nach seinem Tode vom Teufel wiederbelebt wurde. Die Modernen jedoch bedienen sich des oben erwähnten Wortes.

Von deinem besten Herzblut nass - Die Frische des Angesichts und das Triefen der Lippe von Blut sind die nie trügenden Kennzeichen eines Vampirs. Die Geschichten, welche man in Ungarn und Griechenland von diesen scheußlichen Fressern erzählt, sind sehr seltsam, und einige davon - aber höchst unglaublich - beglaubigt.

Pelikan - Der Pelikan, wie ich glaube, ist ein Vogel, den man mit dieser Benennung schmäht, weil man von ihm glaubt, dass er die Jungen mit seinem Blute nähre.

ahnend Ohr - Diesen Aberglauben des zweiten Gehörs (denn ein richtiges zweites Gesicht ist mir im Orient nie aufgestoßen) hatte ich einmal selbst zu beobachten Gelegenheit. Während meiner dritten Reise nach Kap Colonna, im Frühjahr 1811, bemerkte ich, als wir durch einen Engpass ritten, wie Derwisch Tahiri ein wenig vom Wege abbog und die Hand wie vor Schmerz an den Kopf hielt. Ich ritt hinzu und erkundigte mich. „Wir sind in Gefahr“, antwortete er. „Was für Gefahr? Wir sind nicht in Albanien oder in den Pässen nach Ephesus, Missolunghi oder Lepanto; wir sind zahlreich, gut bewaffnet, und die Choriaten haben nicht den Mut, um Räuber zu sein.“ - „Wohl wahr, Effendi; aber trotzdem hallt der Schuss mir im Ohr.“ - „Der Schuss? den ganzen Morgen ist keine Flinte abgefeuert worden.“ - „Ich hör es aber doch, bum, bum, so deutlich wie deine Stimme.“ - „Bah!“ - „Wie es dir beliebt, Effendi; wenn es geschrieben steht, wird es geschehen.“ - Ich verließ den feinhörigen Fatalisten und ritt an seinen christlichen Landsmann Basili heran, dessen Ohr zwar nicht im mindesten prophetisch war, aber die Nachricht keineswegs goutierte. Wir gelangten nach Colonna, verweilten etliche Stunden und kehrten in bequemen Schritt zurück, unter einer Fülle geistreicher Bemerkungen (in mehr Sprachen, als den Turmbau zu Babel störten) über den falschen Propheten: Romanisch, Armenisch, Türkisch, Italienisch und Englisch ward in vielfältigen Späßen gegen den unglücklichen Muselman losgelassen. Während wir die schöne Aussicht betrachteten, machte mein Derwisch sich bei den Säulen zu schaffen. Ich dachte, er sei aus Verrücktheit Archäologe geworden, und fragte ihn, ob er ein Palaocastro-Mann geworden sei. „Nein“, sagte er, „aber diese Pfeiler sind gut, um Posto zu fassen“, nebst anderen Bemerkungen, welche wenigstens bewiesen, dass er an seine störende Gabe des Voraushörens selbst glaubte. Bei unserer Rückkehr nach Athen hörten wir von Leone, einem einige Tage nachher ans Land gesetzten Gefangenen, den beabsichtigten Angriff der Mainoten, welcher mit der Ursache. weshalb er nicht stattfand, in den Anmerkungen zum Childe Harold, Gesang 2, erwähnt wird. Ich war bemüht, den Mann auszufragen, und er beschrieb Kleidung, Waffen und Abzeichen der Pferde so genau, dass wir, da noch andere Umstände dazu kamen, nicht zweifeln konnten, er sei in spitzbübischer Gesellschaft und wir seien in übler Nachbarschaft gewesen. Der Derwisch galt nun sein Leben lang als Wahrsager, und ich darf sagen, dass er jetzt mehr Musketen hört, als je abgefeuert werden sollen, zum großen Ergötzen der Arnauten von Berat und seiner heimischen Berge. - Ich erwähne noch einen Zug von dieser ungewöhnlichen Menschengattung. Im März 1811 kam ein auffallend stämmiger und eifriger Arnaut (ich glaube, der fünfzigste mit dem nämlichen Antrag), sich als Bedienter anzubieten, welches abgelehnt wurde. „Wohl, Effendi!“ sprach er; „möget Ihr leben! Ihr würdet mich brauchbar gefunden haben. Morgen gehe ich aus der Stadt in die Berge; im Winter kehre ich zurück; vielleicht werdet Ihr mich dann annehmen.“ Der Derwisch, welcher gegenwärtig war, bemerkte als gewöhnlich und nicht von Folgen: „Er wird indessen zu den Klephten (Räubern) stoßen“, was buchstäblich wahr gewesen. - Werden sie nicht ausgerottet, so kommen sie im Winter herab und leben unbelästigt in irgendeiner Stadt, wo sie oft ebenso bekannt sind wie ihre Taten.

Heilt keines Priesters Beistand je - Die Predigt des Mönchs ist weggeblieben. Sie scheint auf den Patienten so wenig Eindruck gemacht zu haben, dass sie von dem Leser vollends nichts zu hoffen hatte. Ich beschränke mich auf die Bemerkung, dass sie die übliche Länge hatte (wie aus den Unterbrechungen und der Ungeduld des Büßers geschlossen werden kann) und in dem näselnden Tone aller orthodoxen Prediger gesprochen ward.

Symar - Leichentuch.

Wovor der Schritt des Pilgers stockt - Der Vorfall, auf den sich diese Erzählung bezieht, ist keiner von den ungewöhnlichen in der Türkei. Vor wenigen Jahren beklagte sich die Gemahlin des Muchtar Pascha bei ihrem Vater über seines Sohnes vermeintliche Untreue; er fragte, mit wem?, und sie hatte die Grausamkeit, ihm ein Verzeichnis von zwölf der schönsten Frauen in Janina zu übergeben. Diese wurden ergriffen, in Säcke gebunden und in derselben Nacht in den See geworfen. Eine von den Wachen, die dabei gegenwärtig war, erzählte mir, dass keines der Opfer einen Schrei ausstieß oder ein Zeichen der Angst zeigte bei einem so plötzlichen „Losreißen von allem, was wir kennen, von allem, was wir lieben“. Das Schicksal Phrosines, des schönsten der Opfer, ist der Gegenstand manches romanischen und arnautischen Liedes. Die Geschichte dieses Fragments wurde vor mehreren Jahren als die eines jungen Venezianers erzählt und ist jetzt beinahe vergessen. Ich hörte sie zufällig von einem Kaffeehaus-Geschichtenerzähler vortragen, deren es unzählige in der Levante gibt, die ihre Geschichten entweder singen oder erzählen. Die Zusätze und Einschübe des Übersetzers werden sich von den übrigen durch den Mangel an orientalischer Bildlichkeit nicht unterscheiden lassen; und ich bedaure nur, dass mein Gedächtnis nur so wenige Fragmente des Originals behielt. - Den Inhalt einiger Anmerkungen verdanke ich zum Teil Herbelot, teils jener wahrhaft orientalischen und, wie Weber sie mit Recht nennt, erhabenen Erzählung, Kalif Vathek. Ich weiß nicht, aus welcher Quelle der Verfasser dieses einzigartigen Buches seine Materialien geschöpft haben mag; einige seiner Ereignisse sind in der Bibliothèque orientale zu finden; aber in Richtigkeit des Kostüms, Schönheit der Beschreibung und Gewalt der Einbildungskraft übertrifft es weit alle europäischen Nachahmungen und trägt solche Merkmale der Originalität, dass diejenigen, welche den Orient besuchten, schwer glauben werden, dass es mehr als eine Übersetzung sei. Als orientalische Erzählung muss auch Rasselas sich vor ihm beugen; sein „Glückliches Tal“ hält keinen Vergleich aus mit „Eblis’ Halle“.

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Auszug

in der Übersetzung durch Gustav Pfizer, 1837

Doch du Ungläubiger mög’st verdorr’n, Durch Munkirs heißen Rachezorn; Wenn seiner Marter du entflohst, Umwandeln Iblis finstern Thron, Zu hegen unlöschbare Flammen Im Herzen, mög’ er dich verdammen! Den Worten fehlt die Kraft - den Bildern Der innern Hölle Qual zu schildern!  Doch erst soll aus dem Grab ersteh’n  Dein Leib, und um als Vampir geh’n,  In deiner Heimat sollst erscheinen,  Saugen das Blut von all den Deinen! Der Tochter, Gattin, dem Kind den Strom Des Lebens trockne aus, Phantom! Der deinen Leichnam nährt, der Schmaus, Er müsse selbst dir sein ein Graus! Eh’ deine Opfer vom Licht sich trennen, Solln sie noch das Gespenst erkennen - Sie sollen scheidend vom süßen Leben, Durch dich verflucht, den Fluch dir geben. Doch Eine, Opfer deiner Schuld, Die Jüngste, reich an Reiz und Huld, Soll dich, erbleichend, Vater nennen! Der Name macht dein Herz entbrennen! Du aber, Würger, halb vermodert, Musst tun was deine Strafe fordert, Und schau’n wie der Wange Rot verblüht Und matt und matter das Auge glüht Und wie der letzte stiere Blick Entseelt den blauen Kristall lässt zurück!

Dann reißest du mit unheil’ger Hand Ihr aus das seidne gelbe Haar, Wovon ein Löckchen sonst das Pfand, Das süßeste, der Liebe war! Dir aber wird’s ein Zeichen sein Der fürchterlichsten Todespein! Vom Blut soll Zahn und Mund dir triefen Das stammt aus deines Herzens Tiefen! Dann in dein wüstes Grab dich hebe, Mit den verdammten Dschinnen lebe, Bis diese selbst ein Graun erfasst, Vor dem noch abscheuwürd’gern Gast.

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Anmerkungen zum Auszug

durch Nicolaus Equiamicus, 2013

Munkir ist im Islam einer der beiden Gerichtsengel die jeden Sterblichen nach seinem Tod über seine Taten bei Lebzeiten befragen und ihn dann vor den Thron und das Gericht Gottes führen.

Iblis ist der Name Satans im Koran. (aka: Eblis)

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Volltext (Original)
die Fassung folgt "The Giaour" by Lord Byron. Print by Thomas Davison, London, Whitefriars, 1814, 11. Auflage

"One fatal remembrance one sorrow that throws
It's bleak shade alike o'er our joys and our woes
To which Life nothing darker nor brighter can bring,
For which joy hath no balm and affliction no sting."
Moore

No breath of air to break the wave That rolls below the Athenian's grave, That tomb which, gleaming o'er the cliff, First greets the homeward-veering skiff, High o'er the land he saved in vain; When shall such hero live again?

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Fair clime! where every seasons smiles Benignant o'er those blessed isles, Which, seen from far Colonna's height, Make glad the heart that hails the sight, And lend to loneliness delight. There mildly dimpling, Ocean's cheek Reflects the tints of many a peak Caught by the laughing tides that lave These Edens of the eastern wave: And if at times a transient breeze Break the blue crystal of the seas, Or sweep one blossom from the trees, How welcome in each gentle air That wakes and wafts the odours there! For there the Rose, o'er crag or vale, Sultana of the Nightingale, The maid for whom his melody, His thousand songs are heard on high, Blooms blushing to her lover's tale: His queen, the garden queen, his Rose, Unbent by winds, unchill'd by snows, Far from the winters of the west, By every breeze and season blest, Returns the sweets by nature given In softest incense back to heaven; And grateful yields that smiling sky Her fairest hue and fragrant sigh. And many a summer flower is there, And many a shade that love might share, And many a grotto, meant for rest, That holds the pirate for a guest; Whose bark in sheltering cove below Lurks for the passing peaceful prow, Till the gay mariner's guitar Is heard, and seen the evening star; Then stealing with the muffled oar, Far shaded by the rocky shore, Rush the night-prowlers on the prey, And turn to groans his roundelay. Strange - that where Nature loved to trace, As if the gods, a dwelling place, And every charm and grace hath mix'd Within the paradise she fix'd, There man, enamour'd or distress, Should mar it into wilderness, And trample, brute-like, o'er each flower That tasks not one laborious hour; Nor claims the culture of his hand To bloom along the fairy land, But springs as to preclude his care, And Sweetly woos him - but to spare! Strange - that where all is peace beside, There passion riots in her pride, And lust and rapine wildly reign To darken o'er the fair domain. It is as though the fiends prevail'd Against the seraphs they assail'd And, fix'd on heavenly thrones, should dwell The freed inheritors of hell; So soft the scene, so form'd for joy, So curst the tyrants that destroy! He who hath bent him o'er the dead Ere the first day of death is fled, The first dark day of nothingness, The last of danger and distress, ( Before Decay's effacing fingers Have swept the lines where beauty lingers, ) And mark'd the mild angelic air, The rapture of repose that's there, The fix'd yet tender traits that streak The languor of the placid cheek, And - but for that sad shrouded eye, That fires not, wins not, weeps not, now, And but for that chill, changeless brow, Where cold Obstruction's apathy Appals the gazing mourner's heart, As if to him it could impart The doom he dreads, yet dwells upon; Yes, but for these and these alone, Some moments, ay, one treacherous hour, He still might doubt the tyrant's power; So fair, so calm, so softly seal'd, The first, last look by death reveal'd! Such is the aspect of this shore; 'T is Greece, but living Greece no more! So coldly sweet, so deadly fair, We start, for soul is wanting there. Hers is the loveliness in death, That parts not quite with parting breath; But beauty with that fearful bloom, That hue which haunts it to the tomb, Expression's last receding ray, A gilded halo hovering round decay, The farewell beam of Feeling pass'd away! Spark of that flame, perchance of heavenly birth, Which gleams, but warms no more its cherish'd earth!

Clime of the unforgotten brave! Whose land from plain to mountain-cave Was Freedom's home or Glory's grave! Shrine of the mighty! can it be, That this is all remains of thee? Approach, thou craven crouching slave: Say, is not this Thermopylæ? These waters blue that round you lave, - Oh servile offspring of the free, Pronounce what sea, what shore is this? The gulf, the rock of Salamis! These scenes, their story not unknown, Arise, and make again your own; Snatch from ashes of your sires The embers of their former fires; And he who in the strife expires Will add to theirs a name of fear That Tyranny shall quake to hear, And leave his sons a hope, a fame, They too will rather die than shame: For Freedom's battle once begun, Bequeath'd by bleeding Sire to Son, Though baffled oft is ever won. Bear witness, Greece, thy living page! Attest it many a deathless age! While kings, in dusty darkness hid, Have left a nameless pyramid, Thy heroes, though the general doom Hath swept the column from their tomb, A mightier monument command, The mountains of their native land! There points thy Muse to stranger's eye The graves of those that cannot die! 'T were long to tell, and sad to trace, Each step from splendour to disgrace; Enough - no foreign foe could quell Thy soul, till from itself it fell; Yes! Self-abasement paved the way To villain-bonds and despot sway. What can he tell who treads thy shore? No legend of thine olden time, No theme on which the Muse might soar High as thine own in days of yore. When man was worthy of thy clime. The hearts within thy valleys bred, The fiery souls that might have led Thy sons to deeds sublime, Now crawl from cradle to the grave, Slaves - nay, the bondsmen of a slave, And callous, save to crime; Stain'd with each evil that pollutes Mankind, where least above the brutes; Without even savage virtue blest, Without one free or valiant breast, Still to the neighbouring ports they waft Proverbial wiles and ancient craft; In this the subtle Greek is found, For this, and this alone, renown'd. In vain might Liberty invoke The spirit to its bondage broke, Or raise the neck that courts the yoke: No more her sorrows I bewail, Yet this will be a mournful tale, And they who listen may believe, Who heard it first had cause to grieve.

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Far, dark, along the blue sea glancing, The shadows of the rocks advancing Start on the fisher's eye like boat Of island-pirate or Mainote; And fearful for his light caïque, He shuns the near but doubtful creek: Though worn and weary with his toil, And cumber'd with his scaly spoil, Slowly, yet strongly, plies the oar, Till Port Leone's safer shore Receives him by the lovely light That best becomes an Eastern night.

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Who thundering comes on blackest steed, With slacken'd bit and hoof of speed? Beneath the clattering iron's sound The cavern'd echoes wake around In lash for lash, and bound for bound; The foam that streaks the courser's side Seems gather'd from the ocean-tide: Though weary waves are sunk to rest, There's none within his rider's breast; And though to-morrow's tempest lower, 'Tis calmer than thy heart, young Giaour! I know thee not, I loathe thy race, But in thy lineaments I trace What time shall strengthen, not efface: Though young and pale, that sallow front Is scathed by fiery passion's brunt; Though bent on earth thine evil eye, As meteor-like thou glidest by, Right well I view and deem thee one Whom Othman's sons should slay or shun.

On - on he hasten'd, and he drew My gaze of wonder as he flew; Though like a demon of the night He pass'd, and vanish'd from my sight, His aspect and his air impress'd A troubled memory on my breast, And long upon my startled ear Rung his dark courser's hoofs of fear. He spurs his steed; he nears the steep, That, jutting, shadows o'er the deep; He winds around; he hurried by; The rock relieves him from mine eye; For well I ween unwelcome he Whose glance is fix'd on those that flee; And not a star but shines too bright On him who takes such timeless flight. He wound along; but ere he pass'd, One glance he snatch'd, as if his last, A moment check'd his wheeling steed, A moment breathed him from his speed, A moment on his stirrup stood - Why looks he o'er the olive wood? The crescent glimmers on the hill, The Mosque's high lamps are quivering still; Though too remote for sound to wake In echoes of the far tophaike, The flashes of each joyous peal Are seen to prove the Moslem's zeal. To-night, set Rhamazani's sun; To-night, the Bairam feast's begun; To-night - but who and what art thou Of foreign garb and fearful brow? And what are these to thine or thee, That thou shouldst either pause or flee?

He stood - some dread was on his face, Soon Hatred settled in its place: It rose not with the reddening flush Of transient Anger's hasty blush, But pale as marble o'er the tomb, Whose ghastly whiteness aids its gloom. His brow was bent, his eye was glazed; He raised his arm, and fiercely raised, And sternly shook his hand on high, As doubting to return or fly; Impatient of his flight delay'd, Here loud his raven charger neigh'd - Down glanced that hand, and grasp'd his blade; That sound had burst his waking dream, As Slumber starts at owlet's scream, The spur hath lanced his courser's sides; Away, away, for life he rides: Swift as the hurl'd on high jerreed Springs to the touch his startled steed: The rock is doubled, and the shore Shakes with the clattering tramp no more: The crag is won, no more is seen His Christian crest and haughty mien. 'T was but an instant he restrain'd That fiery barb so sternly rein'd; 'T was but a moment that he stood, Then sped as if by death pursued; But in that instant o'er his soul Winters of Memory seem'd to roll, And gather in that drop of time A life of pain, an age of crime. O'er him who loves, or hates, or fears, Such moment pours the grief of years: What felt he then, at once opprest By all that most distracts the breast? That pause, which ponder'd o'er his fate, Oh, who its dreary length shall date! Though in Time's record nearly nought, It was Eternity to Thought! For infinite as boundless space The thought that Conscience must embrace, Which in itself can comprehend Woe without name, or hope, or end.

The hour is past, the Giaour is gone; And did he fly or fall alone? Woe to that hour he came or went! The curse for Hassan's sin was sent To turn a palace to a tomb; He came, he went, like the simoom, That harbinger of fate and gloom, Beneath whose widely-wasting breath The very cypress droops to death - Dark tree, still sad when others' grief is fled, The only constant mourner o'er the dead!

The steed is vanish'd from the stall; No serf is seen in Hassan's hall; The lonely spider's thin gray pall Waves slowly widening o'er the wall; The bat builds in his haram bower, And in the fortress of his power The owl usurps the beacon-tower; The wild-dog howls o'er the fountain's brim, With baffled thirst, and famine grim; For the stream has shrunk from the marble bed, Where the weeds and the desolate dust are spread. 'T was sweet of yore to see it play And chase the sultriness of day, As springing high the silver dew In whirls fantastically flew, And flung luxurious coolness round The air, and verdure o'er the ground. 'T was sweet, when cloudless stars were bright, To view the wave of watery light, And hear its melody by night. And oft has Hassan's Childhood play'd Around the verge of that cascade; And oft upon his mother's breast That sound had harmonized his rest; And oft had Hassan's Youth along Its bank been soothed by Beauty's song; And softer seem'd each melting tone Of Music mingled with its own. But ne'er shall Hassan's Age repose Along the brink at twilight's close: The stream that fill'd that font is fled - The blood that warm'd his heart is shed! And here no more shall human voice Be heard to rage, regret, rejoice. The last sad note that swell'd the gale Was woman's wildest funeral wail: That quench'd in silence, all is still, But the lattice that flaps when the wind is shrill: Though raves the gust, and floods the rain, No hand shall close its clasp again. On desert sands 't were joy to scan The rudest steps of fellow man, So here the very voice of Grief Might wake an Echo like relief - At least 't would say, "All are not gone; There lingers Life, though but in one" -

For many a gilded chamber's there, Which Solitude might well forbear; Within that dome as yet Decay Hath slowly work'd her cankering way - But gloom is gather'd o'er the gate, Nor there the Fakir's self will wait; Nor there will wandering Dervise stay, For bounty cheers not his delay; Nor there will weary stranger halt To bless the sacred "bread and salt." Alike must Wealth and Poverty Pass heedless and unheeded by, For Courtesy and Pity died With Hassan on the mountain side. His roof, that refuge unto men, Is Desolation's hungry den. The guest flies the hall, and the vassal from labour, Since his turban was cleft by the infidel's sabre!

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I hear the sound of coming feet, But not a voice mine ear to greet; More near - each turban I can scan, And silver-sheathed ataghan; The foremost of the band is seen An emir by his garb of green: "Ho! who art thou?" - "This low salam Replies of Moslem faith I am." - "The burthen ye so gently bear Seems not that claims your utmost care, And, doubtless, holds some precious freight, My humble bark would gladly wait." - "Thou speakest sooth: thy skiff unmoor, And waft us from the silent shore; Nay, leave the sail still furl'd, and ply The nearest oar that's scatter'd by, And midway to those rocks where sleep The channell'd waters dark and deep. Rest from your task - so - bravely done, Our course has been right swiftly run; Yet 'tis the longest voyage, I trow, That one of -

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Sullen it plunged, and slowly sank, The calm wave rippled to the bank; I watch'd it as it sank, methought Some motion from the current caught Bestirr'd it more, - 't was but the beam That checker'd o'er the living stream: I gazed, till vanishing from view, Like lessening pebble it withdrew; Still less and less, a speck of white That gemm'd the tide, then mock'd the sight; And all its hidden secrets sleep, Known but to Genii of the deep, Which trembling in their coral caves, They dare not whisper to the waves.

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As rising on its purple wing The insect queen of eastern spring, O'er emerald meadows of Kashmeer Invites the young pursuer near, And leads him on from flower to flower A weary chase and wasted hour, Then leaves him as it soars on high, With panting heart and tearful eye: So Beauty lures the full-grown child, With hue as bright, and wing as wild; A chase of idle hopes and fears, Begun in folly, closed in tears. If won, to equal ills betray'd, Woe waits the insect and the maid; A life of pain, the loss of peace, From infant's play, and man's caprice: The lovely toy so fiercely sought Hath lost its charm by being caught, For every touch that woo'd its stay Hath brush'd its brightest hues away, Till charm, and hue, and beauty gone, 'T is left to fly or fall alone. With wounded wing, or bleeding breast, Ah ! where shall either victim rest? Can this with faded pinion soar From rose to tulip as before? Or Beauty, blighted in an hour, Find joy within her broken bower? No: gayer insects fluttering by Ne'er droop the wing o'er those that die, And lovelier things have mercy shown To every failing but their own, And every woe a tear can claim Except an erring sister's shame.

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The Mine, that broods o'er guilty woes, Is like the Scorpion girt by fire; In circle narrowing as it glows, The flames around their captive close, Till inly search'd by thousand throes, And maddening in her ire, One sad and sole relief she knows, The sting she nourish'd for her foes, Whose venom never yet was vain, Gives but one pang and cures all pain, And darts into her desperate brain: So do the dark in soul expire, Or live like Scorpion girt by fire; So writhes the mind Remorse hath riven, Unfit for earth, undoom'd for heaven, Darkness above, despair beneath, Around it flame, within it death!

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Black Hassan from the Haram flies, Nor bends on woman's, form his eyes; The unwonted chase each hour employs, Yet shares he not the hunter's joys. Not thus was Hassan wont to fly When Leila dwelt in his Serai. Doth Leila there no longer dwell? That tale can only Hassan tell: Strange rumours in our city say Upon that eve she fled away Whe Rhamazan's last sun was set, And flashing from each minaret Millions of lamps proclaim'd the feast Of Bairam through the boundless East. 'Twas then she went as to the bath, Which Hassan vainly search'd in wrath; For she was flown her master's rage In likeness of a Georgian page, And far beyond the Moslem's power Had wrong'd him with the faithless Giaour. Somewhat of this had Hassan deem'd; But still so fond, so fair she seem'd, Too well he trusted to the slave Whose treachery deserved a grave: And on that eve had gone to mosque, And thence to feast in his kiosk. Such is the tale his Nubians tell, Who did not watch their charge too well; But others say, that on that night, By pale Phingari's trembling light, The Giaour upon his jet-black steed Was seen, but seen alone to speed With bloody spur along the shore, Nor maid nor page behind his bore. 

Her eye's dark charm 't were vain to tell, But gaze on that of the Gazelle, It will assist thy fancy well; As large, as languishingly dark, But Soul beam'd forth in every spark That darted from beneath the lid, Bright as the jewel of Giamschid. Yea,  Soul, and should our prophet say That form was nought but breathing clay, By Alla! I would answer nay; Though on Al-Sirat's arch I stood, Which totters o'er the fiery flood, With Paradise within my view, And all his Houris beckoning through. Oh! who young Leila's glance could read And keep that portion of his creed Which saith that woman is but dust, A soulless toy for tyrant's lust? On her might Muftis gaze, and own That through her eye the Immortal shone; On her fair cheek's unfading hue The young pomegranate's blossom strew Their bloom in blushes ever new; Her hair in hyacinthine flow, When left to roll its folds below, As midst her handmaids in the hall She stood superior to them all, Hath swept the marble where her feet Gleam'd whiter than the mountain sleet Ere from the cloud that gave it birth It fell, and caught one stain of earth. The cygnet nobly walks the water; So moved on earth Circassia's daughter, The loveliest bird of Franguestan! As rears her crest the ruffled Swan, And spurns the waves with wings of pride, When pass the steps of stranger man Along the banks that bound her tide; Thus rose fair Leila's whiter neck: - Thus arm'd with beauty would she check Intrusion's glance, till Folly's gaze Shrunk from the charms it meant to praise. Thus high and graceful was her gait; Her heart as tender to her mate: Her mate - stern Hassan, who was he? Alas! that name was not for thee!

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Stern Hassan hath a journey ta'en With twenty vassals in his train, Each arm'd, as best becomes a man, With arquebuss and ataghan; The chief before, as deck'd for war, Bears in his belt the scimitar Stain'd with the best of Arnaut blood, When in the pass the rebels stood, And few return'd to tell the tale Of what befell in Parne's vale. The pistols which his girdle bore Were those that once a pasha wore, Which still, though gemm'd and boss'd with gold, Even robbers tremble to behold. 'T is said he goes to woo a bride More true than her who left his side; The faithless slave that broke her bower, And, worse than faithless, for a Giaour!

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The sun's last rays are on the hill, And sparkle in the fountain rill, Whose welcome waters, cool and clear, Draw blessings from the mountaineer: Here may the loitering merchant Greek Find that repose 't were vain to seek In cities lodged too near his lord, And trembling for his secret hoard - Here may he rest where none can see, In crowds a slave, in deserts free; And with forbidden wine may stain The bowl a Moslem must not drain.

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The foremost Tartar's in the gap Conspicuous by his yellow cap; The rest in lengthening line the while Wind slowly through the long defile: Above, the mountain rears a peak, Where vultures whet the thirsty beak, And theirs may be a feast to-night, Shall tempt them down ere morrow's light; Beneath, a river's wintry steam Has shrunk before the summer beam, And left a channel bleak and bare, Save shrubs that spring to perish there; Each side the midway path there lay Small broken crags of granite gray, By time, or mountain lightning, riven From summits clad in mists of heaven; For where is he that hath beheld The peak of Liakura unveil'd?

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They reach the grove of pine at last; "Bismillah !   Now the peril's past; For yonder view the opening plain, And there we'll prick our steeds amain:" The Chiaus spake, and as he said, A bullet whistles o'er his head; The foremost Tartar bites the ground! Scarce had they time to check the rein, Swift from their steeds the riders bound: But three shall never mount again: Unseen the foes that gave the wound, The dying ask revenge in vain. With steel unsheath'd, and carbine bent, Some o'er their courser's harness leant, Half shelter'd by the steed; Some fly behind the nearest rock, And there await the coming shock, Nor tamely stand to bleed Beneath the shaft of foes unseen, Who dare not quit their craggy screen. Stern Hassan only from his horse Disdains to light, and keeps his course, Till fiery flashes in the van Proclaim too sure the robber-clan Have well secured the only way Could now avail the promised prey; Then curl'd his very beard with ire, And glared his eye with fiercer fire; "Though far and near the bullets hiss, I've scaped a bloodier hour than this." And now the foe their covert quit, And call his vassals to submit; But Hassan's frown and furious word Are dreaded more than hostile sword, Nor of his little band a man Resign'd carbine or ataghan, Nor raised the craven cry, Amaun! In fuller sight, more near and near, The lately ambush'd foes appear. And issuing from the grove, advance Some who on battle-charger prance. Who leads them on with foreign brand Far flashing in his red right hand? " 'Tis he! 'tis he! I know him now; I know him by his pallid brow; I know him by the evil eye That aids his envious treachery; I know him by his jet-black barb; Though now array'd in Arnaut garb, Apostate from his own vile faith, It shall not save him from the death; 'Tis he! well met in any hour, Lost Leila's love, accursed Giaour!" 

As rolls the river into ocean, In sable torrent wildly streaming; As the sea-tide's opposing motion, In azure column proudly gleaming, Beats back the current many a rood, In curling foam and mingling flood, While eddying whirl, and breaking wave, Roused by the blast of winter, rave; Through sparkling spray, in thundering clash, The lightnings of the waters flash In awful whiteness o'er the shore, That shines and shakes beneath the roar; Thus - as the stream and ocean greet, With waves that madden as they meet - Thus join the bands, whom mutual wrong, And fate, and fury, drive along. The bickering sabres' shivering jar; And pealing wide or ringing near Its echoes on the throbbing ear, The deathshot hissing from afar; The shock, the shout, the groan of war, Reverberate along that vale, More suited to the shepherd's tale: Though few the numbers - theirs the strife, That neither spares nor speaks for life! Ah! Fondly youthful hearts can press, To seize and share the dear caress; But Love itself could never pant For all that Beauty sighs to grant With half the fervour Hate bestows Upont he last embrace of foes, When grappling in the fight they fold Those arms that ne'er shall lose their hold: Friends meet to part; Love laughs at faith; True foes, once met, are join'd till death!

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With sabre shiver'd to the hilt, Yet dripping with the blood he spilt; Yet strain'd within the sever'd hand Which quivers round that faithless brand; His turban far behind him roll'd And cleft in twain its firmest fold; His flowing robe by falchion torn, And crimson as those clouds of morn That, streak'd with dusky red, portend The day shall have a stormy end; A stain on every bush that bore A fragment of his palampore; His breast with wounds unnumber'd riven, His back to earth, his face to heaven, Fall'n Hassan lies - his unclosed eye Yet lowering on his enemy, As if the hour that seal'd his fate Surviving left his quenchless hate; And o'er him bends that foe with brow As dark as his that bled below. -

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"Yes, Leila sleeps beneath the wave, But his shall be a redder grave; Her spirit pointed well the steel Which taught that felon heart to feel He call'd the Prophet, but his power Was vain against the vengeful Giaour: He call'd on Alla, but the word Arose unheeded or unheard. Thou Paynim fool! could Leila's prayer Be pass'd, and thine accorded thee? I watch'd my time, I leagued with these, The traitor in his turn to seize; My wrath is wreak'd, the deed is done, And now I go - but go alone."

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The browsing camels' bells are tinkling: His mother look'd from her lattice high - She saw the dews of eve besprinkling The pasture green beneath her eye, She saw the planets faintly twinkling: " 'Tis twilight - sure his train is nigh. She could not rest in the garden-bower, But gazed through the gate of his steepest tower: "Why come he not?   his steeds are fleet, Nor shrink they from the summer heat; Why sends not the Bridegroom his promised gift? Is his heart more cold, or his barb less swift? Oh false reproach! yon Tartar now Has gain'd our nearest mountain's brow, And warily the steep descends, And now within the valley bends: And he bears the gift at his saddle-bow - How could I deem his courser slow? Right well my largess shall repay His welcome speed and weary way."

The tartar lighted at the gate, But scarce upheld his fainting weight: His swarthy visage spake distress, But this might be from weariness; His garb with sanguine spots was dyed, But these might be from his courser's side; He drew the token from his vest - Angel of Death! 'tis Hassan's cloven crest! His calpac rent - his caftan red - "Lady, a fearful bride thy son hath wed: Me, not from mercy, did they spare, But this empurpled pledge to bear. Peace to the brave! whose blood is spilt: Woe to the Giaour! for his the guilt."

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A turban carved in coarsest stone, A pillar with rank weeds o'ergrown, Whereon can now be scarcely read The Koran verse that mourns the dead, Point out the spot where Hassan fell A victim in that lonely dell. There sleeps as true an Osmanlie As e'er at Mecca bent the knee; As ever scorn'd forbidden wine, Or pray'd with face towards the shrine, In orisons resumed anew At solemn sound of  "Alla Hu!" Yet died he by a stranger's hand, And stranger in his native land; Yet died he as in arms he stood, And unavenged, at least in blood. But him the maids of Paradise Impatient to their halls invite, And the dark heaven of Houris' eyes On him shall glance for ever bright; They come - their kerchiefs green they wave, And welcome with a kiss the brave! Who falls in battle 'gainst a Giaour Is worthiest an immortal bower.

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But thou, false Infidel! shalt writhe Beneath avenging Monkir's scythe; And from its torment 'scape alone To wander round lost Eblis' throne; And fire unquench'd, unquenchable, Around, within, thy heart shall dwell; Nor ear can hear nor tongue can tell The tortures of that inward hell! Bur first, on earth as Vampire sent, Thy corse shall from its tomb be rent: Then ghastly haunt thy native place, And suck the blood of all thy race; There from thy daughter, sister, wife, At midnight drain the stream of life; Yet loathe the banquet which perforce Must feed thy livid living corse: Thy victims ere they yet expire Shall know the demon for their sire, As cursing thee, thou cursing them, Thy flowers are wither'd on the stem. But one that for thy crime must fall, The youngest, most beloved of all, Shall bless thee with a father's name - That word shall wrap thy heart in flame! Yet must thou end thy task, and mark Her cheek's last tinge, her eye's last spark, And the last glassy glance must view Which freezes o'er its lifeless blue; Then with unhallow'd hand shalt tear The tresses of her yellow hair, Of which in life a lock when shorn, Affection's fondest pledge was worn, But now is borne away by thee, Memorial of thine agony! Wet with thine own best blood shall drip Thy gnashing tooth and haggard lip; Then stalking to thy sullen grave, Go - and with gouls and Afrits rave; Till these in horror shrink away From spectre more accursed than they!

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"How name ye yon lone Caloyer? His feature I have scann'd before In mine own land: 'tis many a year, Since, dashing by the lonely shore, I saw him urge as fleet a steed As ever served a horseman's need. But once I saw that face, yet then It was so mark'd with inward pain, I could not pass it by again; It breathes the same dark spirit now, As death were stamp'd upon his brow.

" 'Tis twice three years at summer tide Since first among our freres he came; And here it soothes him to abide For some dark deed he will not name. But never at our vesper prayer, Nor e'er before confession chair Kneels he, nor recks he when arise Incense or anthem to the skies, But broods within his cell alone, His faith and race alike unknown. The sea from Paynim land he crost, And here ascended from the coast; Yet seems he not of Othman race, But only Christian in his face: I'd judge him some stray renegade, Repentant of the change he made, Save that he shuns our holy shrine, Nor tastes the sacred bread and wine. Great largess to these walls he brought, And thus our abbot's favour bought; But were I prior, not a day Should brook such stranger's further stay, Or pent within our penance cell Should doom him there for aye to dwell. Much in his visions mutters he Of maiden whelm'd beneath the sea; Of sabres clashing, foemen flying, Wrongs avenged, and Moslem dying. On cliff he hath been known to stand, And rave as to some bloody hand Fresh sever'd from its parent limb, Invisible to all but him, Which beckons onward to his grave, And lures to leap into the wave."

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Dark and unearthly is the scowl That glares beneath his dusky cowl. The flash of that dilating eye Reveals too much of times gone by; Though varying, indistinct its hue, Oft will his glance the gazer rue, For in it lurks that nameless spell, Which speaks, itself unspeakable, A spirit yet unquell'd and high, That claims and keeps ascendency; And like the bird whose pinons quake, But cannot fly the gazing snake, Will others quail beneath his look, Nor 'scape the glance they scarce can brook. From him the half-affrighted Friar When met alone would fain retire, As if that eye and bitter smile Transferr'd to others fear and guile: Not oft to smile descendeth he, And when he doth 'tis sad to see That he but mocks at Misery. How that pale lip will curl and quiver! Then fix once more as if for ever; As if his sorrw or disdain Forbade him e'er to smile again. Well were it so - such ghastly mirth From joyaunce ne'er derived its birth. But sadder still it were to trace What once were feelings in that face: Time hath not yet the features fix'd, But brighter traits with evil mix'd; And there are hues not always faded, Which speak a mind not all degraded Even by the crimes through which it waded: The common crowd but see the gloom Of wayward deeds, and fitting doom; The close observer can espy A noble soul, and lineage high: Alas! though both bestow'd in vain, Which Grief could change, and Guilt could stain, It was no vulgar tenement To which such lofty gifts were lent And still with little less than dread On such the sight is riveted. The roofless cot, decay'd and rent, Will scarce delay the passer by; The tower by war or tempest bent, While yet may frown one battlement, Demands and daunts the stranger's eye; Each ivied arch, and pillar lone, Pleads haughtily for glories gone!

His floating robe around him folding, Slow sweeps he through the column'd aisle; With dread beheld, with gloom beholding The rites that sanctify the pile. But when the anthem shakes the choir, And kneel the monks, his steps retire; By yonder lone and wavering torch His aspect glares within the porch; There will he pause till all is done - And hear the prayer, but utter none. See - by the half-illumined wall His hood fly back, his dark hair fall, That pale brow wildly wreathing round, As if the Gorgon there had bound The sablest of the serpent-braid That o'er her fearful forehead stray'd: For he declines the convent oath, And leaves those locks unhallow'd growth, But wears our garb in all beside; And, not from piety but pride, Gives wealth to walls that never heard Of his one holy vow nor word. Lo! - mark ye, as the harmony Peals louder praises to the sky, That livid cheek, that stony air Of mix'd defiance and despair! Saint Francis, keep him from the shrine! Else may we dread the wrath divine Made manifest by awful sign, If ever evil angel bore The form of mortal, such he wore; By all my hope of sins forgiven, Such looks are not of earth nor heaven!"

To love the softest hearts are prone, But such can ne'er be all his own; Too timid in his woes to share, Too meek to meet, or brave despair; And sterner hearts alone may feel The wound that time can never heal. The rugged metal of the mine Must burn before its surface shrine, But plunged within the furnace-flame, It bends and melts - though still the same; Then temper'd to thy want, or will, 'T will serve thee to defend or kill; A breastplate for thine hour of need, Or blade to bid thy foeman bleed; But if a dagger's form it bear, Let those who shape its edge beware! Thus passion's fire, and woman's art, Can turn and tame the sterner heart; From these its form and tone are ta'en, And what they make it, must remain, But break - before it bend again.

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If solitude succeed to grief, Release from pain is slight relief; The vacant bosom's wilderness Might thank the pang that made it less. We loathe what none are left to share: Even bliss - 'twere woe alone to bear; The heart once thus left desolate Must fly at last for ease - to hate. It is as if the dead could feel The icy worm around them steal, And shudder, as the reptiles creep To revel o'er their rotting sleep, Without the power to scare away The cold consumers of their clay! It is as if the desert bird, Whose beak unlocks her bosom's stream To still her famish'd nestlings scream, Nor mourns a life to them transferr'd, Should rend her rash devoted breast, And find them flown her empty nest. The keenest pangs the wretched find Are rapture to the dreary void, The leafless desert of the mind, The waste of feelings unemploy'd. Who would be doom'd to gaze upon A sky without a cloud or sun? Less hideous far the tempest's roar Than ne'er to brave the billows more - Thrown, when the war of winds o'er, A lonely wreck on fortune's shore. 'Mid sullen calm, and silent bay, Unseen to drop by dull decay; - Better to sink beneath the shock Than moulder piecemeal on the rock!

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"Father! thy days have pass'd in peace, 'Mid counted beads, and countless prayer; To bid the sins of others cease, Thyself without a crime or care, Save transient ills that all must bear, Has been thy lot from youth to age; And thou wilt bless thee from the rage Of passions fierce and uncontroll'd, Such as thy penitents unfold, Whose secret sins and sorrows rest Within thy pure and pitying breast. My days, though few, have pass'd below In much of joy, but more of woe; Yet still in hours of love or strife, I've 'scaped the weariness of life: Now leagued with friends, now girt by foes, I loathed the languor of repose. Now nothing left to love or hate, No more with hope or pride elate, I'd rather be the thing that crawls Most noxious o'er a dungeon's walls, Than pass my dull, unvarying days, Condemn'd to meditate and gaze. Yet, lurks a wish within my breast For rest - but not to feel 'tis rest. Soon shall my fate that wish fulfil; And I shall sleep without the dream Of what I was, and would be still, Dark as to thee my deeds may seem: My memory now is but the tomb Of joys long dead; my hope, their doom: Though better to have died with those Than bear a life of lingering woes. My spirit shrunk not to sustain The searching throes of ceaseless pain; Nor sought the self-accorded grave Of ancient fool and modern knave: Yet death I have not fear'd to meet; And in the field it has been sweet, Had danger woo'd me on to move The slave of glory, not of love. I've braved it - not for hounour's boast; I smile at laurels won or lost; To such let others carve their way, For high renown, or hireling pay: But place again before my eyes Aught that I deem a worthy prize - The maid I love, the man I hate - And I will hunt the steps of fate, To save or slay, as these require, Through rending steel and rolling fire: Nor need'st thou doubt this speech from one Who would but do - what he hath done. Death is but what the haughty brave, The weak must bear, the wretch must crave; Then let life go to Him who gave: I have not quail'd to danger's brow When high and happy - need I now?

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"I loved her, Friar! nay, adored - But these are words that all can use - I proved it more in deed than word; There's blood upon that dinted sword, A stain its steel can never lose: 'T was shed for her, who died for me, It warm'd the heart of one abhorr'd: Nay, start not - no - nor bend thy knee, Nor midst my sins such act record; Thou wilt absolve me from the deed, For he was hostile to thy creed! The very name of Nazarene Was wormwood to his Paynim spleen. Ungrateful fool since but for brands Well wielded in some hardy hands, And wounds by Galileans given, The surest pass to Turkish heaven, For him his Houris still might wait Impatient at the Prophet's gate. I loved her - love will find its way Through paths where wolves would fear to prey; And if it dares enough, 't were hard If passion met not some reqard - No matter how, or where, or why, I did not vainly seek, nor sigh: Yet sometimes, with remorse, in vain I wish she had not loved again. She died - I dare not tell thee how; But look - 'tis written on my brow! There read of Cain the curse and crime, In characters unworn by time: Still, ere thou dost condemn me, pause; Not mine the act, though I the cause. Yet did he but what I had done Had she been false to more than one. Faithless to him, he gave the blow; But true to me, I laid him low: Howe'er deserved her doom might be, Her treachery was truth to me: To me she gave her heart, that all Which tyranny can ne'er enthral: And I, Alas! too late to save! Yet all I then could give, I gave, 'T was some relief, our foe a grave. His death sits lightly; but her fate Has made me - what thou well may'st hate. His doom was seal'd - he knew it well, Warn'd by the voice of stern Taheer, Deep in whose darkly boding ear The deathshot peal'd of murder near As filed the troop to where they fell! He died too in the battle broil, A time that heeds nor pain nor toil; One cry to Mahomet for aid, One prayer to Alla all he made: He knew and cross'd me in the fray - I gazed upon him where he lay, And watch'd his spirit ebb away; Though pierced like pard by hunter's steel, He felt not half that now I feel. I search'd, but vainly search'd to find The workings of a wounded mind; Each feature of that sullen corse Betray'd his rage, but no remorse. Oh, what had Vengeance given to trace Despair upon his dying face! The late repentance of that hour, When Penitence hath lost her power, To tear one terror from the grave, And will not soothe, and cannot save.

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"The cold in clime are cold in blood, Their love can scarce deserve the name; But mine was like the lava flood That boils in Ætna's breast of flame. I cannot prate in pulling strain Of ladye-love and beauty's chain: If changing cheek, and scorching vein, Lips taught to writhe, but not complain, If bursting heart, and madd'ning brain, And daring deed, and vengeful steel, And all that I have felt, and feel, Betoken love - that love was mine, And shown by many a bitter sign. 'Tis true, I could not whine nor sigh, I knew but to obtain or die. I die - but first I have possess'd, And come what may, I have been bless'd. Shall I the doom I sought upbraid? No - reft of all, yet undismay'd But for the thought of Leila slain, Give me the pleasure with the pain, So would I live and love again. I grieve, but not, my holy guide! For him who dies, but her who died: She sleeps beneath the wandering wave - Ah! had she but an earthly grave, This breaking heart and throbbing head Should seek and share her narrow bed. She was a form of life and light, That, seen, became a part of sight; And rose, where'er I turn'd mine eye, The Morning-star of Memory!

"Yes, Love indeed is light from heaven; A spark of that immortal fire With angels shared, by Alla given, To lift from earth our low desire. Devotion wafts the mind above, But Heaven itself descends in love: A feeling from the Godhead caught, To wean from self each sordid thought; A Ray of him who form'd the whole; A Glory circling round the soul! I grant my love imperfect, all That mortals by the name miscall; Then deem it evil, what thou wilt; But say, oh say, hers was not guilt! She was my life's unerring light: That quench'd what beam shall break my night? Oh! Would it shone to lead me still, Although to death or deadliest ill! Why marvel ye, if they who lose This present joy, this future hope, No more with sorrow meekly cope; In phrensy then their fate accuse; In madness do those fearful deeds That seem to add but guilt to woe? Alas ! the breast that inly bleeds Hath nought to dread from outward blow: Who falls from all he knows of bliss, Cares little into what abyss. Fierce as the gloomy vulture's now To thee, old man, my deeds appear: I read abhorrence on thy brow, And this too was I born to bear! 'Tis true, that, like that bird of prey, With havoc have I mark'd my way: But this was taught me by the dove, To die - and know no second love. This lesson yet hath man to learn, Taught by the thing  he dares to spurn: The bird that sings within the brake, The swan that swims upon the lake, One mate, and one alone, will take. And let the fool still prone to range, And sneer on all who cannot change, Partake his jest with boasting boys; I envy not his varied joys, But deem such feeble, heartless man Less than yon solitary swan: Far, far beneath the shallow maid He left believing and betray'd. Such shame at least was never mine - Leila! each thought was only thine! My good, my guilt, my weal, my woe, My hope on high - my all below. Earth holds no other like to thee, Or, if it doth, in vain for me; For worlds I dare not view the dame Resembling thee, yet not the same. The very crimes that mar my youth, This bed of death - attest my truth! 'Tis all too late - thou wert, thou art The cherish'd madness of my heart!

"And she was lost - and yet I breathed, But not the breath of human life: A serpent round my heart was wreathed, And stung my every thought to strife. Alike all time, abhorr'd all place, Shuddering I shrunk from Nature's face, Where every hue that charm'd before The blackness of my bosom wore. The rest thou dost already know, And all my sins, and half my woe. But talk no more of penitence; Thou seest I soon shall part from hence: And if thy holy tale were true, The deed that's done canst thou undo? Think me not thankless - but this grief Looks not to priesthood for relief. My soul's estate in secret guess: But wouldst thou pity more, say less. When thou canst bid my Leila live, Then will I sue thee to forgive; Then plead my cause in that high place Where purchased masses proffer grace. Go, when the hunter's hand hath wrung From forest-cave her shrieking young, And calm the lonely lioness: But soothe not - mock not my distress!

"In earlier days, and calmer hours, When heart with heart delights to blend, Where bloom my native valley's bowers, I had - Ah! Have I now? - a friend! To him this pledge I charge thee send, Memorial of a youthful vow; I would remind him of my end: Though souls absorb'd like mine allow Brief thought to distant friendship's claim, Yet dear to him my blighted name. 'Tis strange - he prophesied my doom, And I have smiled - I then could smile - When Prudence would his voice assume, And warn - I reck'd not what - the while: But now remembrance whisper o'er Those accents scarcely mark'd before. Say - that his bodings came to pass, And he will start to hear their truth, And wish his words had not been sooth: Tell him, unheeding as I was, Through many a busy bitter scene Of all our golden youth had been, In pain, my faltering tongue had tried To bless his memory ere I died; But Heaven in wrath would turn away If Guilt should for the guiltless pray. I do not ask him not to blame, Too gentle he to wound my name; And what have I to do with fame? I do not ask him not to mourn, Such cold request might sound like scorn; And what than friendship's manly tear May better grace a brother's bier? But bear this ring, his own of old, And tell him - what thou dost behold! The wither'd frame, the ruin'd mind, The wrack by passion left behind, A shrivell'd scroll, a scatter'd leaf, Sear'd by the autumn blast of grief!

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"Tell me no more of fancy's gleam, No, father, no 'twas not a dream; Alas ! the dreamer first must sleep, I only watch'd, and wish'd to weep, But could not, for my burning brow Throbb'd to the very brain as now: I wish'd but for a single tear, As something welcome, new, and dear: I wish'd it then, I wish it still; Despair is stronger than my will. Waste not thine orison, despair Is mightier than thy pious prayer: I would not, if I might, be blest; I want no paradise, but rest. 'Twas then, I tell thee, father! then I saw her;  yes, she lived again; And shining in her white symar, As throught yon pale gray cloud the star Which now I gaze on, as on her, Who look'd and looks far lovelier; Dimly I view its trembling spark; To-morrow's night shall be more dark; And I, before its rays appear, That lifeless thing the living fear. I wander, father! for my soul Is fleeting towards the final goal. I saw her, friar! and I rose Forgetful of our former woes; And rushing from my couch, I dart, And clasp her to my desperate heart; I clasp - what is it that I clasp? No breathing form within my grasp, No heart that beats reply to mine - Yet Leila! yet the form is thine! And art thou, dearest, changed so much As meet my eye, yet mock my touch? Ah! were thy beauties e'er so cold, I care not so my arms enfold The all they ever wish'd to hold. Alas! around a shadow prest They shrink upon my lonely breast; Yet still 'tis there! In silence stands, And beckons with beseeching hands! With braided hair, and bright-black eye - I knew 'twas false - she could not die! Be he is dead within the dell I saw him buried where he fell; He comes not, for he cannot break From earth;  why then art thou awake? They told me wild waves roll'd above The face I view, the form I love; They tole me - 'twas a hideous tale! - I'd tell it, but my tongue would fail: If true, and from thine ocean-cave Thou com'st to claim a calmer grave, Oh! Pass thy dewy fingers o'er This brow that then will burn no more: Or place them on my hopeless heart: But, shape or shade! whate'er thou art, In mercy ne'er again depart! Or farther with thee bear my soul That winds can waft or waters roll!

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"Such is my name, and such my tale. Confessor to thy secret ear I breathe the sorrows I bewail, And thank thee for the generous tear This glazing eye could never shed. Then lay me with the humblest dead, And, save the cross above my head, Be neither name nor emblem spread, By prying stranger to be read, Or stay the passing pilgrim's tread."  

He pass'd - nor his name and race Hath left a token or a trace, Save what the father must not say Who shrived him on his dying day: This broken tale was all we knew Of her he loved, or him he slew.

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Autor

George Noel Gordon Lord Byron - geb. 22. Jan. 1788 in Dover, war über die Linie seiner Mutter mit dem schottischen Königshaus verwandt. Er verlor seinen Vater bereits als Kind und erhielt deshalb seine Erziehung in Aberdeen. Er begann früh mit der Schriftstellerei; 1807 erschien sein erstes Werk „Hours of idleness.“ In Folge einer unerwiderten Liebe überließ er sich allen Ausschweifungen. 1809 mündig geworden, übernahm er die Verwaltung der Familiengüter und erhielt einen Sitz im britischen Oberhaus. Die Politik interessierte ihn jedoch nicht sonderlich und so begab er sich in Jahren 1810-11 auf eine Reise durch Portugal, Spanien und Griechenland wo er auch den Hellespont durchschwamm. Es war für ihn eine Zeit großen literarischen Schaffens in der einige seiner bekanntesten Werke geschaffen wurden. Seine 1815 geschlossene Heirat mit Anna Isabella Milbank wurde bereits 1816 wieder geschieden. Aus dieser Verbindung entstammte seine Tochter Ada. Diese Scheidung, deren eigentlicher Grund unbekannt ist, brachte Byron, dessen Ruf schon durch seine Eskapaden sehr gesunken war, vollends um alles Ansehen des Adelsstandes. Er verließ England wieder und machte sich auf eine Reise durch die Niederlande, die Schweiz und Italien. In diesem Sommer 1816 fand das denkwürdige Zusammentreffen Lord Byrons und seines Leibarztes John Polidori einerseits, sowie Percy Bysshe Shelleys, Mary Godwins und Claire Clairmonts andererseits, in der Villa Diodati am Genfer See statt. Dieser illustren Gesellschaft entsprang als geistigen Eltern der berühmte „Frankenstein,“ sowie „The Vampyre.“ Er blieb mehrere Jahre in Italien bis er sich 1823 nach Griechenland begab um an der Spitze der englischen Interventionsarmee auf Seiten der Griechen am 19. April 1824 im Kampf gegen die Türken den Tod fand. (Nicolaus Equiamicus)
1788 (UK) - 1824 (Griechenland). Um das ausschweifende und teilweise mysteriöse Leben des Lord Byron ranken sich Legenden und bildeten die Vorlage für einige Horror- und Vampirgeschichten.

Übersetzungen u.a.: Gustav Pfizer (1837), Friederike Friedmann (1854)

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weiterführende Links

erschienen u.a. in: Von denen Vampiren oder Menschensaugern. Dieter Sturm / Klaus Völker. 1968
Lord Byron: „Dichtungen“, Stuttgart, 1837 - Auszug
Lord Byron: „Der Giaur - Hebräische Gesänge.“ Leipzig, 1854.

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

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