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DER ABERGLAUBE IST ABZUSTELLEN
- "Vampirerlass" / Verordnung Nro. 385 -

Kaiserin Maria Theresia - 01 März 1755

bibliothèque:  Während der Vampirepedemie im 18. Jahrhundert - im Zeitalter der Aufklärung - wurden mehr und mehr Leichen aus ihren Gräbern geholt und auf Vampirismus überprüft bzw. gleich dagegen behandelt. Die Kaiserin von Österreich-Ungarn Maria Theresia wollte mit ihrem Erlass der ausuferndem Störung der Totenruhe in ihrem Reich Einhalt gebieten. So hatte in sofern Erfolg, dass die Vampirepedemie abklang, was aber nicht heißen kann, dass die vermeintlichen Vampire nunmehr in Frieden in ihren Gräbern ruhten, sondern dass dies nun heimlich und im Verborgenen geschah. Wer dennoch dabei erwischt wurde, musste mit Strafe rechnen.
Mit dem sogenannten "Vampirerlass" wurde erstmals die Jagd auf Vampire und Gespenster sowie diesbezüglicher Aberglaube per Gesetz verboten und schloss auch Grabräuberei, Hexerei und vom Teufel Besessene mit ein.
(2014)


Titelverzeichnis

1 - Vampirerlass - Maria Theresia - 1755

2 - Theresianisches Gesetzbuch, Band 3, Verordnung Nro. 385 - 1755


Einzeltitel

1 - Vampirerlass - Kaiserin Maria Theresia - 1755

Verlag: Beschreibung (2002)

bibliothèque: Beschreibung (2011)

Wir Maria Theresia, etc., liebe Getreue etc.
haben eine zeitlang missfällig wahrnehmen müssen, dass nicht allein verschiedene von unseren Landeseinwohnern in ihrer Leichtgläubigkeit so weit gehen, dass sie dasjenige, was ihnen ein Traum oder Einbildung vorgaukelt, oder durch andere betrügerische Leute vorgespiegelt wird, für Gespenster und Hexerei halten, nicht weniger den für Besessen sich ausgebenden Leuten sogleich Glauben schenken, und auch dass sie in ihrer Leichtgläubigkeit oftmals von einigen mit Vorurteilen eingenommenen Geistlichen gestärkt wurden, wie dann zuletzt in unserer Markgrafschaft Mähren die Sache so weit getrieben worden ist, dass von der Geistlichkeit verschiedene Körper unter dem Vorwand, dass sie mit der sogenannten «Magia posthuma» behaftet gewesen, aus dem Friedhof ausgegraben und einige davon verbrannt worden sind, wo doch bei der darauf erfolgten Untersuchung sich nichts anderes als was natürlich war, gefunden hat. Wie zumal aber hierunter zum größeren Teil Aberglauben und Betrug stecken und wie dergleichen sündige Missbräuche in unseren Staaten zukünftig keineswegs zu gestatten, sondern vielmehr mit den empfindlichsten Strafen geahndet werden sollen. Also ist unser gnädigster Befehl, dass künftig in allen derlei Sachen von der Geistlichkeit ohne Hinzuziehung der weltlichen Behörden nichts vorgenommen, sondern jedes Mal wenn ein solcher Fall eines Gespenstes, Hexerei, Schatzgräberei, oder eines angeblich vom Teufel Besessenen vorkommen sollte, derselbe der weltlichen Behörde sofort angezeigt, von dieser mit Hinzuziehung eines vernünftigen Arztes untersucht und eingesehen werden solle, ob und was für ein Betrug darunter verborgen, und wie sodann die Betrüger zu bestrafen sein werden. Ihr werdet solchem nach diese unsere allerhöchste Anordnung nicht allein dort, wo ihr es nötig erachtet, kund machen, sondern dieselbe vornehmlich den geistlichen Obrigkeiten mit dem Zusatz offiziell mitteilen, dass sie ihren untergebenen Gerichten und Geistlichen diesfalls die erforderliche hirtenamtliche Instruktion erteilen und sie dadurch von ihren Vorurteilen ableiten, mit welchen einige behaftet sein könnten, sowie auch vor allem dahin anweisen sollen, in den vorher erwähnten Fällen jedes Mal die Sache den weltlichen Behörden anzuzeigen und die genaue Untersuchung vorhergehen zu lassen, worüber sodann von Fall zu Fall Uns der Bericht zu erstatten ist.

Wir verbleiben etc.

Gegeben zu Wien, den 1. März 1755.

2 - Therisianisches Gesetzbuch, Band 3, Verordnung Nro. 385 - Kaiserin Maria Theresia - 1755

Da die Landesinnwohner in ihrer Leichtgläubigkeit nicht nur so weit gehen, dass sie dasjenige, was ihnen ein Traum, oder Einbildung vorstellet, oder durch andere betrügerische Leute vorgespiegelt wird, für Gespenster und Hexerei halten, nicht minder den für besessen sich ausgebenden Leuten alsogleich Glauben beimessen, sondern dass sie auch in dieser ihrer Leichtgläubigkeit öfter von einigen mit Vorurtheile eingenommenen Geistlichen gestärket werden; wie dann letzthin in Marggrafthum Mähren die Sache soweit getrieben worden ist, dass von der Geistlichkeit verschiedene Körper unter dem Vorwande, dass sie mit dem sogenannten Magia posthuma behaftet gewesen, aus dem Friedhofe ausgegraben, und einige davon verbrennet worden, wo doch hiernächst bei der erfolgten Untersuchung sich nichts anders, als was natürlich war, befunden hat. Mithin wird verordnet, dass künftighin alle dergleichen Sachen von der Geistlichkeit, ohne Beitretung des Politikums nicht vorgenommen, sondern allemal, wenn ein solcher Fall eines Gespenstes, Hexerei, Schatzgräberei, oder eines angeblichen von Teufel Besessenen vorkommen sollte, derselbe der politischen Instanz sofort angezeiget, mithin von dieser mit Beiziehung eines vernünftigen Phisikus die Sache untersuchet, und eingesehen werden soll, ob, und was für Betrug darunter verborgen, und wie sodann die Betrüger zu bestrafen wären.


Autorin

Maria Theresia von Österreich - * 1717, † 1780. Geboren als Erzherzogin Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich. Ab 1740 Königin von Ungarn; ab 1745 Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, ohne sich als solche Krönen zu lassen. 1765 trug sie den offiziellen Titel: Maria Theresia, von Gottes Gnaden römische Kaiserin, Wittib, Königinn zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, Slavonien, Gallizien, Lodomerien, etc. etc., Erzherzoginn zu Österreich, Herzoginn zu Burgund, zu Steyer, zu Kärnten und zu Crain, Großfürstin zu Siebenbürgen, Marggräfin zu Mähren, Herzoginn zu Braband, zu Limburg, zu Luxemburg und zu Geldern, zu Württemberg, zu Ober- und Nieder-Schlesien, zu Mailand, zu Mantua, zu Parma, zu Piacenza und Guastalla, Fürstinn zu Schwaben, gefürstete Gräfinn zu Habsburg, zu Flandern, zu Tirol, zu Hennegau, zu Kyburg, zu Görz und Gradisca, Markgräfinn des Heiligen Römischen Reiches zu Burgau, zu Ober- und Nieder Lausitz, Gräfinn zu Namur, Frau auf der Windischen Mark und zu Mecheln etc., verwittibte Herzoginn zu Lothringen und Baar, Großherzoginn zu Toskana, etc.


weiterführende Links

erschienen u.a in: Theresianisches Gesetzbuch Band 3, 1755, Wien
Christian d’Elvert: Das Zauber- und Hexenwesen, dann der Glauben an Vampyre in Mähren und Oesterr. Schlesien. in: Christian d'Elvert. Hrsg: Schriften der historisch - statistischen Sektion der k. k. mähr. - schles. Gesellschaft des Ackerbaues, der Natur und Landeskunde. XII. Bd. Brünn 1859.
Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires