Hermann Marggraff (1809 -1864)

TIMURS LETZTER RITT

Auf’s schwarze Ross steigt Timur
Zu nächtlich dunkler Stunde
Und jagt zur alten Walstatt,
Der bleichen Knochenrunde,
Es scheut der Hengst - die Schädel
Erregen ihm Entsetzen;
Es lacht der Chan - die Schädel
Erregen ihm Ergötzen.
Und wie er lacht, begann sich’s
So seltsam zu gestalten,
Begannen all die Schädel
Einen Totentanz zu halten.
Und alle die Gerippe,
Hochbein’ge, ehrenfeste -
Die einen sind die Tänzer,
Die andern sind die Gäste,
Spielleute, klapperdürre,
Die schlagen ihre Knöchel
Mit gutem Takt zusammen
Und trommelndem Geröchel.
So schnurren sie und surren
In Kreisen und in Zügen,
Als müssten sie den Herrscher
Mit Spiel und Tanz vergnügen.
Doch den erfasst Entsetzen -
Er reißt und zerrt am Zügel,
Er jagt vom Feld, er hält sich
Noch kaum in seinem Bügel,
Ein Schädel rollt zu Füßen
Dem Hengst bei jedem Tritte,
Und ein Geripp’ als Läufer
Zieht her vor seinem Schritte.
Dahinter all die Spielleut’,
Die Tänzer und die Gäste! -
Das war der munt’re Vorreih’n
Zu Timurs Totenfeste.

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

der unheimliche bücherwurm
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