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DIE LETZTE NACHT DER LILIE

Stéphanie Queyrol - 2013

 Theodor Boder, Mumpf, 2013 - ISBN: 9783905802221

Boder Verlag: Lily findet sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Hier erwachen mythologische Wesen zum Leben und Prophezeiungen werden wahr. Auf dem Weg durch dieses Abenteuer verdichten sich die Erlebnisse, Erfahrungen und Empfindungen der jungen Frau zu einer wunderbaren Reise ins eigene Selbst. (2013)

bibliothèque: "Es ist nicht immer alles, wie es scheint. Es wird Zeit, die Vergangenheit hinter dir zu lassen." (S. 228 f.)
In diesem Roman findet sich eine (Neu-)Interpretation der Lilith-Legende, die diese nicht vollständig neu erfindet und doch, bei aller künstlerischen Freiheit in das heutige Jetzt transferiert. Wesentlichster Unterschied zur überlieferten Legende (egal wie gut sie den Konsumierenden auch im Einzelnen bekannt sein sollte) ist das Alter der Urmutter der Vampire: Während die jüdische Legende von Adams erster Frau erzählt, stammt hier Lilith aus dem Babylon etwa 500 v.u.Z. Sie ist eine junge jüdische Frau, die gegen ihren Willen als Mittel zum Zweck, Ware und Eigentum der Männer, selbst aus der eigenen Familie, benutzt bzw. missbraucht wird. Als sie ihrer „Ehe“ zu entfliehen versucht, opfert sie ihr Vater dem Blutgott Asmodeus, der sie als seine Gefährtin zu sich nimmt. Den folgenden Blut- und Machtrausch der Lilith und ihrer Dämonen stoppt erst eine alte Frau und Lilith rettet ihre Seele durch einen Fluch, der sich 2013 in Lily erfüllt.
Nicht ganz unwesentlich für die darauf folgende Geschichte ist das Zugeständnis der Autorin, dass auch Vampire sehr wohl im Laufe der Zeit in der Lage zu Veränderungen und persönlichen Weiterentwicklungen sind; ein Umstand, den viele andere Autoren den Blutsaugern gern auch mal völlig absprechen. Sich daraus ergebende und nicht immer für alle Beteiligten erfreulichen Begleiterscheinungen spiegeln das Bild der heutigen Zeit treffend wieder und lassen auch den Vampiren „menschliches“ Potential.
Natürlich kommt auch die Liebe in diesem Roman nicht zu kurz. Und auch hier spiegelt sich die heutige Zeit und wendet sich folgerichtig von der romantisch-verklärten Sicht der „einen und ewigen Liebe“ ab.
„Jede Generation hat den Vampir, den sie verdient“ - mit diesem Werk dürfte dieser Spruch ein weiteres Mal unter Beweis gestellt und der Vampir in der europäischen Wirklichkeit des beginnenden 21. Jahrhunderts angekommen sein, ohne dabei alte Legenden und bisherige Entwicklungen des künstlerischen Vampirmythos der Lächerlichkeit preiszugeben. Diese Geschichte hätte gern auch tausend Seiten oder mehrere Bände umfassen können; doch, trotz aller Kürze (238 Seiten): mir persönlich gefällt das Konzept eines (1) in sich abgeschlossenen und stimmigen Romans deutlich besser, als die zwanghafte Neigung zur Serie.
(2013)


Autorin

Stéphanie Queyrol - * 1985. Autorin und Übersetzerin, studierte Literaturwissenschaften. - Schweiz


weiterführende Links

mehr von Stéphanie Queyrol: Die Familie des Wurdalak - Alexej K. Tolstoi - Übersetzung 2012

mehr vom Herausgeber Theodor Boder: Strasek, der Vampir - s/w-Ton-Film - 1982


Handlungsorte

Basel (Schweiz), Aignoz (Frankreich)


Vampire

Lilith / Lily - Im Babylon etwa 500 v.u.Z. wird die junge Jüdin Lilith durch ihren Vater Ab für Reichtum und Sicherheit an einen Ehemann verkauft. Nach zweijährigem brutalem Eheleben beschließt sie die Flucht aus diesem Leben. Ihr Vater vereitelt diese jedoch und opfert die in seinen Augen "schöne, aber wertlose, weil widerspenstige" Frau dem Blutgott Asmodeus. Dieser nimmt das Opfer an, doch tötet sie nicht, sondern macht sie zu seiner Gefährtin. Ihren Vater Ab bestraft Lilith dadurch, dass sie ihn zu einem blutsaugenden Dämonen wandelt. Die Lilith und Asmodeus errichten in Babylon eine Blutherrschaft, bis sie durch Em, eine alte Frau, gestoppt werden, nachdem diese bereits die Dämonen der Lilith von der Erde verbannte. Lilith kann sich nur durch einen Fluch retten, der sie in die weiblichen Nachkommen der Frau rettet, bis sich die "Prophezeiung der Lilie" erfüllt. - Ca. 2.500 Jahre später wird die 5jährige Lily Zeugin eines traumatischen Brandes, bei dem sie ihre Eltern verliert. Im Jahr 2013 lernt sie den Vampir Armand kennen und trifft ihre verbrannt geglaubte Mutter wieder. Als sie auf Armands Zwillingsbruder Lyès trifft und sich auch in ihn verliebt, erwacht Lilith in ihr und sie scheint zum Spielball uralter Kräfte zu werden. Da sich Lilith jedoch im Laufe der Zeiten weiterentwickelte, gelingt ihr zunächst ein Nebeneinander der beiden Persönlichkeiten, aus denen sich eine neue und eigenständige, beide Seiten vereinende, Persönlichkeit entwickelt.

Armand - wird in der Marais, einem franz. Sumpfgebiet, von Wölfen angegriffen und von Markus vor dem Tod durch die Wandlung zum Vampir gerettet. Die dadurch notwendige Trennung von seinem Zwillingsbruder verkraftet er nicht und findet diesen Tage später ebenfalls dem Tode nah vor. Er kann Markus gegen dessen Willen überreden, auch Lyès zum Vampir zu wandeln. Über die tatsächlichen Gründe, die dazu führten, erhält Armand erst im Jahr 2013 Auskunft, als Lily an einer Aussöhnung zwischen den Zwillingen arbeitet.

Asmodeus - Durch ein magisches Ritual macht er sich selbst zum Vampir und lebt ca. 500 v.u.Z. als Gott in Babylon. Ihm wird dort als Opfer die junge Lilith dargeboten, in die er sich verliebt. Mit ihr errichtet er eine Blutherrschaft, bis diese gestoppt wird und Lilith, vor seinen Augen, scheinbar vernichtet wird. Als gebrochener Mann bleibt er einsam zurück. Erst langsam kämpft er sich zurück und regiert seinen Kreis in den folgenden Jahrhunderten mit Brutalität, Lug und Trug. Als 2013 die „Prophezeiung der Lilie“ sich erfüllt, glaubt er sich am Ziel seiner Träume und hofft, mit seiner über alles durch die Jahrhunderte der Einsamkeit geliebten Lilith eine neue Weltherrschaft errichten zu können. Dass Lilith sich in dieser Zeit jedoch weiterentwickelte, kann er nicht verstehen und so trennt er sich von dieser neuen Lilith.

Lyès - als sein Zwillingsbruder Armand zum Vampir wird, trifft er auf Asmodeus, der ihn geschickt einsetzt, um an Markus, den Asmodeus schon lange verfolgt, heranzukommen. Auch in der Folgezeit sorgt mit Lügen und Drohungen der uralte Vampir dafür, dass Lyès in seiner Gefolgschaft bleibt. Erst als sich 2013 Lyès in Lily verliebt und Lilith für Asmodeus verloren ist, kann er sich aus dessen Herrschaft befreien.

Ab - Liliths Vater, der seine Tochter für ein Leben in Wohlstand und Sicherheit, an einen Mann verkauft. Als er seine Tochter dem Gott Asmodeus opfert, glaubt er, seine Ziele trotz ihrer Widerspenstigkeit erreicht zu haben. Doch Lilith rächt sich an ihrem Vater nach ihrer Wandlung, indem sie ihn zu einem blutrünstigen Dämonen macht, der ihrer Herrschaft ausgeliefert ist. Als die Tore in die Dämonenwelt Yenne Velt etwa 500 v.u.Z. verschlossen werden, wird auch Ab dort eingesperrt.

Alain - ein junger Vampir, der sich umfassend über den „Orden der Lilie“ informiert und die Unterkunft der letzten Nachfahrin Em's, Lily, an Asmodeus verrät.

Elisabeth - Lilys Mutter wird von Asmodeus gewandelt, ihr Mann getötet und ihre 5jährige Tochter in einem brennendem Haus zurückgelassen. Sie verbringt die nächsten Jahre in Asmodeus' Gefangenschaft, bis sie auf ihre totgeglaubte und inzwischen zur jungen Frau herangewachsenen Tochter trifft und sich aus der Gefangenschaft lösen kann.

Markus - Ritter aus den deutschen Ländern, der sich in den französischen Sümpfen der Marais zurückzog. Dort wandelt er den tödlich verletzten Armand und dessen Zwillingsbruder Lyès. Damit bringt er Asmodeus jedoch auf seine Spur und wird in einem Zweikampf von diesem vernichtet.

Onkel“ - Sohn der Em und der letzte, der sich mittels eines magischen Rituals in einen Vampir wandelte. Er bemüht sich in den folgenden Jahrhunderten darum, dass jede Spur dieses Rituals für die Menschheit „verloren“ geht und behält die Nachfahren seiner Schwester im Auge, um die „Prophezeiung der Lilie“ zu überwachen. Im Jahr 2013 ist er um die 2.553 Jahre alt. Die diesem Jahr vorangegangenem drei Generationen lebte er im Tessin.