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DER KUSS IM TRAUME

Karoline von Günderrode - 1805

bibliothèque: Das Gedicht wurde unter dem Pseudonym Tian 1805 im Band "Poetische Fragmente" veröffentlicht. Der hier vorliegende Volltext folgt dieser Ausgabe. (2010)


Volltext

Es hat ein Kuss mir Leben eingehaucht,
Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten.
Komm, Dunkelheit! Mich traulich zu umnachten.
Dass neue Wonne meine Lippe saugt.
In Träume war solch Leben eingetaucht,
Drum leb ich, ewig Träume zu betrachten,
Kann aller andern Freuden Glanz verachten,
Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht.
Der Tag ist karg an liebessüßen Wonnen,
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
Und mich verzehren seiner Sonne Gluten.
Drum birg dich Aug´ dem Glanze irdscher Sonnen!
Hüll dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten.


Autorin

Karoline von Günderrode - * 1780, † 1806; eigentlich Frederike Louise Maximiliane von Günderrode (auch Caroline von Günderode), Dichterin. Pseudonym: Tian. - Deutschland


weiterführende Links

mehr von Karlonie von Günderrode : Die Bande der Liebe - 1804.