bibliothèque des vampires : Literatur / Sachbuch   

DER GLAUBE AN "MAGIA POSTHUMA" IM GEBIET DER STADT HIRSCHBERG / JELENIA GÓRA UND UMGEBUNG IM 17. UND 18. JAHRHUNDERT

Daniel Wojtucki - 2018

 erschienen in: Auf historischer Spurensuche im Bobertal 2015/2016 - Aktuelle Forschungsergebnisse von und für Regionalforscher, Ortschronisten, Genealogen und Historiker im niederschlesischen Riesengebirge - Hrsg: Jürgen Schwanitz - Stiftung Kulturwerk Schlesien, Würzburg, 2018 - ISBN: 9783929817096

Stiftung Kulturwerk Schlesien zur Gesamtausgabe "Auf historischer Spurensuche ...": Das reich bebilderte Buch enthält Beiträge zur Kirchengeschichte, zum Rechts- und Militärwesen, zur Topographie sowie zu den Bereichen Chroniken, Dokumente, Kunstwerke und Kultur, Historia und Biographien, Quellen und Hinweise für Ortschronisten und Genealogen zum niederschlesischen Raum, insbesondere zum niederschlesischen Riesengebirgsraum und das Hirschberger Tal. (2018)

bibliothèque: Magia posthuma bezeichnet all jene, die im Volksglauben auch noch nach ihrem Tod mittels Magie, oder ganz allgemein: übernatürlicher Fähigkeiten, agieren. In der vorliegenden Arbeit fanden dabei ausschließlich schädigende Tote Berücksichtigung. Dabei lassen sich die schädigenden Toten oftmals nur undeutlich dem Gerüst von Dämon, Hexe, Wiedergänger, Vampir, Geist, Nachzehrer, Manducator, lebende Leiche, ... zuordnen, auch wenn die Herkunft des allgemeinen Glaubens an magia posthuma vermeintlich einfach erklärbar scheint (Ängste, Unglücke, Epidemien). Aber auch innerhalb der häufig willkürlich zusammengestellten Gruppen lohnt ein genauerer Blick und die Unterscheidung in Kategorien. Anhand von Aufzeichnungen und Funden aus einem vergleichsweise eng begrenztem Gebiet an der polnisch-tschechischen Grenze werden an Beispielen aus knapp 200 Jahren (Aus-)Wirkungen des Glaubens auf die Lebenden und verschiedene Rituale zum Schutz vor Wiederkehr aufgezeigt und Schlüsse zur Verbreitung des Glaubens an schädigende Tote, resp. Vampire, gezogen.
Die Arbeit ist eine Präsentation der Ergebnisse der Forschungsarbeit im Rahmen des Projekts  »Magia posthuma - wierzenie w szkodliwa aktywność zmarłych na Ślᶏsku i Morawach w XVI-XVIII wieku« (»Magia posthuma - Der Glaube an die schädliche Tätigkeit der Toten in Schlesien und Mähren im 17. bis 18. Jahrhundert«) im Narodowe Centrum Nasuki (Nationales Zentrum der Wissenschaften) an der Universität Wroclaw (Polen), Fachbereich Geschichtswissenschaft und Pädagogik, 2016.
(2018)


Fälle von maiga posthuma

- 1595 in Witków Ślᶏski (Wittgendorf) - ein Mann und eine Frau werden untoten Treibens verdächtigt, das sich bei Mensch und Tier bemerkbar machte. Bis zur Exhumierung wurde an ihren Gräbern Wache gehalten und die Anschuldigungen fanden Bestätigung. Letztendlich wurden die Leichen der beiden verbrannt und die Asche, genau wie die Erde ihrer Gräber in den Fluss verstreut.

- 1614 in Podgórzyn (Giersdorf) - ein seit drei Jahren beerdigter Mann und seine seit 8 Wochen verstorbene Frau werden "zu Pulver" verbrannt, als man sie unverwest im Grab auffand.

- 1633 in Miłkow (Arnsdorf) - ein Geist führt Menschen in die Irre, heftet sie an Bäume und ähnliches.

- 1665 in Miszkowice (Michelsdorf) - ein Selbstmörder wurde unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen in einen anderes Grab gelegt.

- 1709 in Rybnica Leśna (Reimswaldau) - Der verstorbene George Eichner wird untoten Treibens verdächtigt. Nachdem er zunächst nur mit Klopfgeräuschen auf sich aufmerksam machte, scheuchte er später Haustiere auf und belästigte Frauen, deren Männer bzw. Väter gerade abwesend waren, sexuell.

- 1715 in oder Nahe bei Kammiena Góra (Landeshut) - mehrere Verstorbene werden von der Heimsuchung Satans durch Enthauptung befreit.

- 1732 in Strupice (Straupitz, heute Zabobrze, ein Stadtteil von Jelenia Góra) - ein Frau wird beschuldigt eine Wiedergängerin zu sein, exhumiert und enthauptet.


Autor

Daniel Wojtucki - Doktor, lehrt u.a. an der Universität Wroclaw.


Auf den Beitrag wurde aufmerksam gemacht von Daniel Wojtucki. Dafür noch einmal allen Dank.