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DIE GESPENSTER VON FREUDENTHAL IM JAHR 1651

1651

bibliothèque: 1651 gingen in Freudenthal Gespenster um, die Nachts die Leute quälten. Eine als Urheber des Spuks verdächtige Leiche wurde von der Obrigkeit exhumiert und ihr der Kopf abgeschlagen, der dabei viel Blut von sich gab. Die Bewohner beunruhigte das noch mehr und etliche zogen deshalb woanders hin.
Bis heute sind mindstens drei Quellen bekannt, die von diesem Ereignis berichten.
Das seinerzeit schlesische Freudenthal ist das heutige, in Tschechien liegende, Bruntál. Aus der Geschichte der Stadt sind als Ortsnamen überliefert: Vallis Gaudiorum (latain), Vreudendal (1238 bis 1263), Vreudenthal, Vrudenthal, Vrudental (um 1263), Wreudenthal (um 1290), Vreudenthal (um 1325), Frewdenthal (um 1397), Fraydintal (um 1405), Freundetala,  Freudenthal (1560 bis 1945), Freydenthal (um 1771), Bruntal (polnisch), Brůntal (schlesisch) und tschechisch: Karlovec (Karlsberg, Karłowiec), Kunov (Kunau, Kunów), Bruntál.
(2018)


Quellenverzeichnis

1 - Neue Laußnitz- Böhm- und Schlesische Chronica, ... - Heinrich Roch - 1687 - Quelltext

2 - Schlesiens curieuse Denckwürdigkeiten, ... - Friedrich (Friderici) Lucae - 1689 - Quelltext

3 - Curiöser Geschichtskalender des Herzigtums Schlesien - 1698


Quellentexte und Übertragung in den heutigen Sprachgebrauch

1 - Neue Laußnitz-, Böhm- und Schlesische Chronica Oder Allerhand Denck- und Merckwürdiger Unglücks- und Trauer-Fälle,  so sich in dem Marggraffthum Lausitz dessen angräntzenden benachbartem Königreiche Böhmen und Fürstenthümern Schlesien in den nechsten dreyhundert und Sechs und Achtzig Jahren begeben und zugetragen: Theils aus gelehrter Leute Schrifften, theils aus guter Freunde communicirten Manu-Scriptis, theils auch aus eigenen Collectaneis, in eine richtige Jahrgängige Landschaffts-Ordnung gebracht und auffgesetzet. - Heinrich Roch - Leipzig: Klossen, 1687

Auszug S. 307f.: Anno 1651 [...] Im Augusto wurden die Leute umb Freudenthal von den Gespenstern des Nachts sehr veriret, welch auch das Vieh ausgesogen und getödet, hernach dann wieder in ihre Gräber gegangen; Dannenhero die Leute gantze Märckte und Flecken verlassen, und sich an andere sichere Oerter zu wohnen begeben.

Übertragung: Im August wurden die Leite um Freundental von den Gespenstern des Nachts sehr geplagt, welche auch das Vieh aussaugten und töteten, und dann wieder in ihre Gräüber stiegen; anschließend verließen die Leute ganze Märkte und Flecken, um an anderen, sichereren Orten zu wohnen. (2018)

2 - Schlesiens curieuse Denckwürdigkeiten, oder vollkommene Chronica von Ober- und Nieder-Schlesien welche in Sieben Haupt-Theilen vorstellet Alle Fürstenthümer und Herrschafften, mit ihren Ober-Regenten, Landes-Fürsten, Hofhaltungen, Stamm-Registern, Verwandschafften, Herren und Adelichen Geschlechtern, Tituln, Wappen, Beschaffenheiten, Grentzen, Religionen, Schulen, Fruchtbarkeiten, Ströhmen, Bergen, Sitten, Manieren, Gewerben, und Maximen der alten und heutigen Inwohner. - Friedrich (Friderici) Lucae - Frankfurt aM: Knochen, 1689

Auszug S. 2233f.: Anno 1651. vexirten die Gespenster zu Freudenthal des Nachts die Leute abscheulich. Die Obrigkeit ließ einen verdächtigen Cörper auß dem Grabe nehmen und demselben den Kopf abschneiden welcher frisch Blut von sich gab. Solches machte die furchtsamen Inwohner noch bestürtzter daß theils davon zogen und anderwarts Ruhe suchten.
Kurz hernach legte ein durch Verwahrlosung entstandener Brandt diese Stadt mehrentheils in die Asche.
Umb diese Zeit schwermeten die Hexen und Unholden in Schlesien, sonderlich im Neissischen, mit gantzen Schaaren auffs schröcklichste; wiewol die Obrigkeit scharfste Executiones gegen sie verübte, also, daß allein zum Zuckmantel 8 Henker bestellet waren, welche mit den Verbrennen und Köpffen grosse Arbeit hatten, und wegen der Menge dieses Ungeziefers steckten die Meister 6 biß 8 Stücke desselben in die Feuer-Oefen, desto besser ihre Arbeit zu beschleunigen.

Übertragung: Anno 1651 quälten die Gespenster zu Freudenthal des Nachts die Leute abscheulich. Die Obrigkeit ließ einen verdächtigen Körper aus dem Grab nahmen und demselben den Kopf abschneiden, welcher dabei frisches Blut von sich gab. Dies machte die furchtsamen Einwohner noch bestürtzter, so dass einige umzgen und andernorts Ruhe suchten.
Kurz danach legte ein durch die Verwahrlosung entstandener Brand die Stadt zu großen Teilen in Asche.
Um diese Zeit schwärmten die Hexen und Unholde in Schlesien, besonders im Neissischen[*], in ganzen Scharen auf das Schrecklichste, obwohl die Obrigkeit umfassende Vernichtungen der Toten veranlasste, so dass allein in Zuckmantel (heute: Zlaté Hory, Tschechien) acht Henker eingesetzt waren, welche mit dem Verbrennen und Köpfen viel Arbeit hatten, und wegen der Menge dieses Ungeziefers steckten die Meister sechs bis acht Leichen zeitgleich in die Krematorien, um ihre Arbeit zu beschleunigen.
[*] gemeint ist hier wohl das ehemalige bischhöfliche Fürstentum Neisse, im heutigen Grenzgebiet von Polen und Tschechien. 
(2018)

3 - Curiöser Geschichtskalender des Herzigtums Schlesien - Leipzig, 1698
bibliothèque: Aus dieser Veröffentlichung zitieren Völker/Sturm in "Von denen Vampiren oder Menschensaugern" (1968) den entsprechenden Absatz.
Uns gelang bisher noch kein Blick in ein Original oder eine Kopie davon.
(2018)


Autoren

Heinrich Roch - ?

Friedrich Lucae - eigentlich: Friedrich Lichtstern, aka Friderici Lucae; * 1644, † 1708; war ein reformierter Pfarrer und schlesischer Chronist.


weiterführende Links

(3) erschienen u.a. in : Von denen Vampiren oder Blutsaugern - Hrsg: Dieter Sturm, Klaus Völker - 1968 .