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BESONDERE NACHRICHT, von denen Vampyren oder so genannten Blut-Saugern wobei zugleich die Frage, ob es möglich, dass verstorbene Menschen wieder kommen, denen Lebendigen durch Aussaugung des Bluts den Tod zuwege bringen, und dadurch ganze Dörfer an Menschen ruinieren können? gründlich untersuchet worden

Putoneo / Putoneus / Johann Christoph Meinig - 1732

Leipzig: Johann Christian Martini, 1732

bibliothèque: Als Urheber der Schrift wird Putoneus, Putoneo oder seltener Putoneos angeben. Dabei handelt es sich jeweils um ein Pseudonym für J.C. Meinig. Der gesamte Text liegt hier in unbearbeiteter Form vor. (2017)


Volltext - gesammelt und zur Verfügung gestellt von Nicolaus Equiamicus

Geneigter Leser!

Die menschliche Begierde immer was neues und veränderliches zu hören und zu wissen, ist unersättlich. Da nun einige Jahre her auf den Theatro der Welt von nichts als Frieden gehandelt worden, sind die neuen Zeitungs-Patroni oft dermaßen durch dergleichen Einerlei disgoutiert worden, dass, wenn man gefraget, was gutes neues in Zeitungen enthalten? Sie mit einem verächtlichen Nichts geantwortet: Nachdem aber jüngsthin der Welt bekannt gemacht worden, dass die Toten wiederum aufstehen, die Lebenden töten, und die Toten bei nahe lebendig in ihren Gräbern zu sein scheinen, hat man den Buchdruckern davon etwas neues unter die Presse zu geben, und ob dergleichen Dinge alte Weiber-Mährlein; Historien vor die Meister-Sänger, oder der Wahrheit gemäß wären, deswegen eine Untersuchung anzustellen Gelegenheit bekommen. Von Wien wurde unter den 5. Martii dieses laufenden Jahres, in denen Leipziger Zeitungen pag. 174 folgendes gemeldet: Dem Vernehmen nach, haben Ihro Kaiserl. Majestät den Casum mit denen so genannten Vampyren, so in Illyrischer Sprache Blut-Sauger heisset, wegen dabei befindlichen Umständen, dass nämlich ein schon längst verstorbener und begrabener Mensch des Nachts zu seinen lebenden Freunden gekommen, und denenselben das Blut dergestalt aussaugen können, dass diese davon sterben, und nach ihren Tode auch wiederum dergleichen Blut-Sauger abgeben müssen, auch bei Ausgrabung so thaner Körper, wenn selbigen nach der gewöhnlichen Execution, durch den Scharfrichter ein Pfahl durch das Herz geschlagen worden, ganz frisches Blut daraus geflossen, und ihnen teils anstatt der abgeschabten alten Nägel wiederum neue, wie auch frisches Haar gewachsen sein soll, von sothaner Curiosität und Wichtigkeit zu sein erachtet, dass Allerhöchst dieselben resolvieret haben, die ganz letztere wie auch die vor 7 Jahren eingelaufene Relation, auf verschiedene Universitäten, in Specie dem berühmten Professor zu Altdorff, Herr D. Beyern zu überschicken, um dessen Sentiment und Gutachten darüber einholen zu lassen.

Es bestehet aber der vor 7 Jahren von dem Kaiserl. Provisor in dem Gradisker Distrikt in Hungarn, an die Kaiserliche Administration zu Belgrad übersendete Bericht in nachfolgenden.

Nachdem bereits vor 10 Wochen ein in dem Dorf Kisolova, Rahmer Distrikt, gesessener Untertan, namens Peter Plogojovitz mit Tode abgegangen, und nach Raitzischer Manier zur Erden bestattet worden, hat sich’s in ermeldeten Dorf Kisolova geäußert, dass innerhalb 8 Tagen 9 Personen so wohl alte als junge, nach 24 Stündiger Krankheit also dahin gestorben, dass als sie noch auf dem Tod-Bette lebendig lagen, sie öffentlich ausgesaget, dass obgemeldeter vor 10 Wochen verstorbener Plogojovitz zu ihnen im Schlaf gekommen, sich auf sie geleget, und gewürget, dass sie nunmehro den Geist aufgeben müssten; Gleichwie denn hierüber die übrigen Untertanen sehr bestürzet, in solchen noch mehr bestärket worden, da des verstorbenen Peter Plogojovitz Weib, nachdem sie zuvor ausgesagt, dass ihr Mann zu ihr gekommen, und seine Oppanki oder Schuhe begehret, von dem Dorf Kisolova weg und sich in ein anders begeben, sintemal aber dergleichen Personen (so sie Vampyren nennen) verschiedene Zeichen, als dessen Körper unverweset, Haut, Haar, Bart, und Nägel an ihm wachsend zu sehen sei müssten, als haben sich die Untertanen einhellig resolviret, das Grab des Peter Plogojovitz zu eröffnen, und zu sehen, ob sich wirklich obbemeldete Zeichen an ihm befunden, zu welchen Ende sie sich zu mir hierher verfüget, und nebst Andeutung vorerwähnten Casus mich samt dem hiesigen Popen oder Geistlichen ersuchet, der Besichtigung beizuwohnen; Und ob ihnen schon erstlich solches Factum reprobiret , mit Meldung, dass ein solcher vorhero an eine löbliche Administration untertänig gehorsamst berichten, und derselben Hohe Verfassung hierüber vernehmen müsste, haben sie sich doch keines weges hierzu bequemen wollen, sondern vielmehr diese kurze Antwort von sich gegeben: Ich möchte tun was ich wollte, alleine so ferne ich ihnen nicht verstatten würde, auf vorherige Besichtigung und rechtliche Erkenntnis mit dem Körper nach ihren Gebrauch zu verfahren, müssten sie Haus und Gut verlassen, weil bis zu Erhaltung einer gnädigsten Resolution von Belgrad wohl das ganze Dorf (wie schon unter Türkischen Zeiten geschehen sein sollte) durch solchen üblen Geist zu Grunde gehen könnte, welches sie nicht erwarten wollten. Da denn solche Leute weder mit guten Worten noch Bedrohungen von ihrer gefassten Resolution abhalten konnte, habe ich mich mit Zuziehung des Gradisker Popen, in gemeldetes Dorf Kisolova begeben, den bereits ausgegrabenen Körper des Peter Plogojovitz besichtiget, und gründlicher Wahrheit gemäß folgendes befunden: Daß erstlich von solchem Körper und dessen Grabe nicht der mindeste sonst der Toten gemeiner Geruch verspüret, der Körper, außer der Nasen, welche etwas abgefallen, ganz frisch, Haar, und Bart, ja auch die Nägel wovon die alten hinweg gefallen, an ihm gewachsen, die alte Haut welche etwas weißlich war, hat sich hinweg geschält, und eine neue frische darunter hervor getan, das Gesichte, Hände und Füße und der ganze Leib waren so beschaffen, dass sie in seinen Lebzeiten nicht hätten vollkommener sein können; in seinem Munde habe nicht ohne Erstaunen einiges frisches Blut erblicket, welches der gemeinen Aussage nach, er von denen durch ihn Umgebrachten gesogen; in Summa, es waren alle Indicia vorhanden, welche dergleichen Leute, (wie schon oben bemerkt) an sich haben sollten. Nachdem nun so wohl der Pope als ich dieses Spectacul gesehen, der Pöbel aber mehr und mehr ergrimmter als bestürzter wurde, haben sie gesamte Untertanen in schneller Eil einen Pfeil gespitzet, mit solchem den toten Körper zu durchstechen, an das Herze gesetzte, da denn bei solcher Durchstechung nicht nur allein häufiges Blut, so ganz frisch, auch durch Ohren und Mund geflossen, sondern noch andere wilde Zeichen, (welche wegen Hohen Respekts umgehe) vorgangen; Sie haben endlich oft ermeldeten Körper in hoc casu, gewöhnlichen Gebrauch nach zu Aschen verbrennet, welches denn einer Hochlöbl. Administration hinter bringen, und anbei gehorsamst untertänigst bitten wollen, dass, wenn hierinnen einen Fehler begangen haben sollte, solchen nicht mir, sondern den vor Furcht nero sich selbst gesetzten Pöbel beizumessen.

Kaiserlicher Provisor in Gradisker Distrikt.

 

Die neueste Relation von dergleichen Begebenheit ist folgende.

Actum den 7. Jan. 1732. In dem Dorfe Medwedia des Königreichs Servien.
Nachdem die Anzeige geschehen, dass im besagten Dorfe die so genannten Vampyren, einige Personen durch Aussaugung des Blutes umgebracht haben; Als ist auf hohe Verordnung eines hochlöblichen Oberkommando gegenwärtige inquisition vorgenommen, und von dem Stallater Heyducken, Compagnie Capitain, Gorschiz Hadnach, Bariactar, und ältesten Heyducken des Dorfs, folgender maßen Summariter abgehöret worden. Welche einhellig aussagen, dass vor einiger Zeit ein hiesiger Heyducke, namens Arnold Paole, sich durch einen Fall von einem Heuwagen, den Hals gebrochen; Dieser hat bei seien Lebzeiten sich öfters verlauten lassen, dass er bei Cassova in dem Türkischen Servien von einem Vampyren geplaget worden sei, dahero er, von der Erden des Vampyren Grab gegessen, und sich mit dessen Blute geschmieret habe, um von der gelittenen Plage entledigt zu werden. In 20 oder 30 Tagen seines Todes-Falls, haben sich einige Leute geklaget, dass sie von obgedachtem Arnold Paole geplaget worden, wie denn auch wirklich vier Personen von ihm umgebracht. Um nun dieses Übel einzustellen, haben sie auf Einraten ihres Hadnacks (welcher schon vorhere bei dergleichen Begebenheiten gewesen,) diesen Arnold Paole in beiläufig 40 Tagen nach seinem Tode ausgegraben, und gefunden, dass er ganz voll und unversehrt sei, auch ihm das frische Blut zu den Augen und Nasen, Mund und Ohren herausgeflossen, das Hemde, Übertuch und Sarg ganz blutig gewesen, die alten Nägel an Händen und Füßen abgefallen, und dagegen andere neue gewachsen sein; Weil sie nun daraus ersehen, dass er ein wirklicher Vampyr sei; Als haben sie denselben nach ihrer Gewohnheit einen Pfahl durch das Herze geschlagen, wobei er einen lauten Schrei getan, und ein häufiges Blut von sich gelassen, wonach sie den Körper gleich noch selbigen Tag zu Aschen verbrennet, und ins Grab geworfen. Ferner sagen obgedachte Leute aus, dass ale diejenigen, welche von denen Vampyren umgebracht, müssten auch wiederum dergleichen werden, also haben sie die obberührte 4 Personen auf gleiche Art exequiret.

Dem fügen sie auch hinzu, dass dieser Arnold Paole nicht allein die Leute, sondern auch da Vieh angegriffen, und das Blut ausgesauget, und weil die Leute von diesem Vieh das Fleisch genutzet, so zeiget sich’s aufs neue, dass sich wiederum einige Vampyren allhier befinden. Allermaßebn in drei Monaten 7 jung und alte Personen mit Tod abgegangen, worunter einige ohne vorhergehabte Krankheit ijn zwei oder längstens drei Tagen gestorben, und meldet der Heyducke Jehovitza, dass seine Schweigertochter, namens Stanicka vor 15 Tagen frisch und gesund sich schlafen geleget, um Mitternacht aber ist sie mit einem entsetzlichen Geschrei, Furcht und Zittern aus dem Schlaf aufgefahren und geklaget, dass sie von einem vor 9 Wochen verstorbenen Heyduckens Sohn Millove sei um den Hals gewürget worden, worauf sie auch einige Schmerzen auf der Brust empfunden und von Stund zu Stund sich schlechter befunden, bis sie endlich den dritten Tag gestorben. Hierauf sein wir den nachfolgenden auf den Freithoff gegangen, um die verdächtigen Gräber zu eröffnen, und die darinnen befindlichen Körper zu visitiren, wobei sich gezeiget, dass

1. Ein Weib namens Stana zwanzig Jahr alt, so vor zwei Monaten nach dreitägiger Krankheit gestorben, und vor ihem Tode selbsten ausgesaget, dass sie sich mit dem Blute eines Vampyren bestrichen hätte, folglich so wohl sie als ihr Kind, (welches gleich nach der Geburt gestorben, und von denen Hunden bis auf die Hälfte zerrissen worden,) ebenfalls Vampyren werden müssen, ganz vollkommen, und unverwesen waren, nach Eröffnung der Brusr, zeigte sich auch eine Quantität frisches extravasirtes Geblüte, das Herz, Lunge, Leber, Milz, Magen und Gedärm waren dabei in vollkommenen guten Stand, die Haut aber, an Händen, Füßen, samt denen alten Nägeln fiel von sich selbsten herunter, herentgegen zeigten sich andere frische und etwas mit Blut unterlaufene Nägel.

2. War gleichfalls ein Weib namens Militza beiläufig 60 Jahr alt, in dem vorberührten Stand, welche nach drei Monat Krankheit mit Tod abgegangen, und vor 90 Tagen begraben worden, nach der Leute Aussage jetziger Zeit, den Anfang derer Vampyren gemacht haben soll, zumalen sie das Fleisch von denen Schafen so von denen Vampyren getötet worden, gegessen hat.

3. War besondern ein acht Tägiges Kind so bei der Eröffnung, die Brust nebst dem Herzen voller frischen Geblüts zeigete, und neue Nägel an Händen und Füßen hatte, das Gehirn aber war einer wohl concorirten Materie gleich, welches 90 Tage im Grabe gelegen.

4. Wurde eines Heyduckens Sohn Millove 16 Jahr alt, ausgegraben, so 9 Wochen in der Erden gelegen, und auch drei Tage krank gewesen, bei welchem sich obbemeldete Zustände zeigeten.

5. Ist Joachim auch eines Heyduckens Sohn 17 Jahr alt, in drei Tägiger Krankheit gleich dem vorigen gestorben, so vor 36 Tagen begraben worden.

6. Nicht weniger fande sich ein Mägdlein von 10 Jahren, welche vor zwei Monaten gestorben, ganz unverweset.

7. Ein Weib namens Ruscha 30 Jahr alt, welche nach zehn Tägiger Krankheit gestorben und vor 6 Wochen begraben worden, bei welcher sich auch frisches Geblüt, nicht allein in der Brust, sonder auch im Magen gefunden hat; Ingleichen ist man mit ihren Kinde gleichermaßen verfahren, solches war 18 Tage alt, und vor 5 Wochen begraben.

8. Hat man des Hadacks Ehe-Weib Milosova mit samt dem Kind ausgegraben, welche vor 7 Wochen ihr Kind aber vor drei Wochen gestorben, und gefunden, dass sowohl die Mutter als Kind völlig verwesen waren, daher sie wiederum ins Grab geleget worden.

9. Ein Knecht des hiesigen Corporals Rade 23 Jahr alt, ist im dritten Monat an dieser Krankheit gestorben, gleichfalls verweset gefunden worden.

10. Des hiesigen Bariactars Weib, samt dem kleinen Kinde, so vor 5 Wochen gestorben, war gleichfalls verweset.

11. Stancko ein Heyducke 60 Jahre alt, vor 6 Wochen gestorben, war gleichfalls verweset, welcher drei Tage krank gewsen, bei diesem hat sich nach genauer Untersuchung geäußert, dass er unversehret gleich dem obberührten Vampyren, ein häufges extravasirtes Blut in der Brust und Herzen gehabt, die übrigen Viscera waren auch in gutem Stand.

12. Millove ein Heyduck 25 Jahr, war ein Vampyr.

13. Stanoicka eines Heyducken Ehe-Weib 22 Jahr alt, ist in drei Tägiger Krankheit vor 22 Tagen gestorben, bei der Eröffnung hat sich dargetan, dass sie erstlich in dem Angesicht und Hals ganz schön rot und lebhaftiger Farbe war, aus der Nasen flosse ihr ein frisches Blut, ingleichen fande sich auch in der Brusrt und Magen ein frisches Geblüt in großer Quantität, der übrige Leib war auch nicht im mindesten verweset.

Nach geschehener Visitation sind denen sämtlichen Vampyren die Köpfe heruntergeschlagen, und samt denen Körpern völlig verbrennet, die Asche davon in das Wasser geworfen, die verweseten Leiber aber wieder in das Grab geleget worden.

Büttner Granadier Oberst.
Lieut. Löbl. Pr. Alexand. Regiments.

Actum ut Supra.
Alex. Siegfr. Von Kottwitz
Fähndrich des Löblichen Pr. Aleandrischen Regiments.
Johann Flückinger Regiments-Feldscher.

 

Diese Actenmäßige Relation ist nebst nachfolgenden Schrieben an einen berühmten Doctorem Mediciane allhier überschicket, und darüber sein Sentiment zu geben gebeten worden.

 

Hoch-Edelgeborner,
Hochgeehrter Herr Doctor.

Ich nehme mir die Freiheit denenseleben einen Casum zu communicieren, welcher sich zwar schon vor längstens jedoch jetzo besonders in unserm Königreich Servien ereignet, welchen EW. Hoch-Edelgeboren aus beigelegter Relation des dasigen Ortes von einem Löblichen Oberkommando angestellten Kommission des mehresten ersehen werden. Es werden solche Aeser in der Türkischer Sprache Vampyren oder Menschen-Sauger genennet, welche capable sein in kurzer Zeit ein ganzes Dorf an Menschen und Vieh zu runieren, deswegen fast täglich häufige Klagen bei hiesiger Regierung einlaufen. Es hat sich noch außer dem darinnen benannten Dorfe Medwedia auf einem anderen Kuklina zugetragen, welches auch dasige Einwohner Eidlich bekräftigen, dass zwei Brüder von so einem Vampyren zu Nachtzeit geplaget worden, weswegen einer um den andern gewachet, da es denn wie ein Hund die Tür geöffnet, auf anschreien aber gleich wieder davon gelaufen, bis endlich alle beide einmal eingeschlafen, da es denn dem einem in einem Augenblick einen roten Fleck unter dem rechten Ohr gesauget, worauf er in drei Tagen davon gestorben, und was noch abscheulicher; so ist als ein gestern beerdigter Heyducke folgende Nacht zu seinem Weibe gekommen, solche ordentlich hergenommen, welche solches gleich Tages darauf dem Hadnack selbigen Orts angedeutet, mit Vermelden, dass er seine Sache, so wohl, als bei Lebzeiten verrichtet, außer, dass der Samen ganz kalt gewesen, davon schwanger worden, und nach gewöhnlichen Termino derer 40 Wochen ein Kind geboren, welches die völlige Proportion eins Knabens, jedoch kein einiges Glied hatte, sondern wioe ein pures Stücke Fleisch gewesen, auch nach drei Tagen wie eine Wurst zusammen gerunzelt. Weilen man hier nun ein ungemeines Wunder daraus machet, als unterstehe mich Dero Particular-Meinung etwas sympathetisches, teuflisches, oder astralischer Geister Wirkung sei, der ich mit vieler Hochactung verharre

Erw. Hoch-Edlen
Meines Hochgeegrtesten Herrn Doctoris
Gehorsamster Diener.
Sieg. Alex. Fr. von Kottwitz
Fähndrich des Löbl. Prinz Alexandri. Regiments.
Belgrad den 26. Jan. 1732.

 

Beide Relationes haben so viel besonderes welches dem ordentlichen Lauf der Natur entgegen zu sein scheinet in sich, dass kein Wunder, wenn der gemeine Mann, welcher ohne dem gewohnet, alles das, was er nicht gleich begreifen und davon die Ursache zu entdecken vermögend, vor Wunderwerk ausgiebet, auch diese seltsame Begebenheiten entweder vor etwas Göttliches, oder vor ein Teufels-Werk ohne genugsame Überlegung ausschreit. Ein weiser Mann hat sich bei Beurteilung solcher Erzählungen sehr behutsam aufzuführen, damit er nicht Dinge, welche wundersam scheinen, gleich vor Wunderwerk ausgebe. Denn soll eine Begebenheit ein wahrhaftes Wunderwerk sein, so wird erfordert, dass bei selbiger die Ordnung der Natur umgekehrt worden. Wer ist aber der die Ordnung und Grenzen der Natur vollkommen und genugsam zu beurteilen vermögend? Unser Wissen ist Stückwerk, und die Werke und Wirkungen der Natur sind von dem gütigsten Schöpfer mit solcher Weisheit versehen, dass die größten Naturkündiger gestehen müssen, wie sie bei der Menge so unaussprechlicher Geheimnisse, nimmer auslernen, sondern beständige Schüler verbleiben; Und daher ist sehr schwer, etwas vor ein Wnderwerk zu declariren, und höchst nötig, dass man bei Untersuchung solcher so wundersam scheinenden Begebenheiten, alle Umstände wohl erwäge, auch die allergeringsten Circumstanzien nicht unvorsichtig auslasse. Vor allen Dingen muß man sehr genau die Personen, wes Standes, Geschlechtes, Alter und Religion diejenigen sind, welche eine wundersam scheinende Begebenheit erzählen, ansehen, ferner die Sache wovon die Rede, auf das allergenaueste ratione loci, wo sie sich zugetragen, temporis, zu welcher Zeit, Personarum, was es vor Leute mit welchen sich was außerordentliches begeben, was etwa dabei insonderheit vor ein geheimes Interesse mit unterlaufen könne, wohl bedächtig erwägen, da es sich denn nachhero sattsam zu Tage legen wird, dass bei der schärfsten Untersuchung oftmals Begebenheiten welche viel tausend Menschen vor ganz unstreitige übernatürliche Dinge, vor Hexerei und Teufelswerk gehalten, lediglich einen Betrug und eine solche Ursache, welche nicht gleich jedermann in die Augen geleuchtet, zum Grunde gehabet.

Vor einigen Jahren wurden mir etliche volumina actorum die wegen einer Weibes-Person, welche vorgegeben, dass sie nicht nur behexet, sondern auch von dem Teufel zu gewissen Zeiten sehr übel geplaget würde, zur perlustration vorgeleget; Bei Durchlesung des 1. Voluminis ersah ich nicht ohne Erstaunen, wie in Gegenwart eines Geistlichen, unterschiedener Gerichts-Personen und des Actuarii, welcher täglich Registraturen über das was sich begeben, fertigen musste, der Chirurgus von gedachter Person, aus denen musculosen Teilen, als aus denen Armen, Beinen, insonderheit aus dem Brüsten, Nadeln von diverser Sorte, Nägel, Haare, Beltz-Flecke, Werck, alte Lumpen; Bei gemachter Incision zu aller Anwesenden Verwunderung, zu sehr vielmalen wie die Registraturen und die bei denen Acten gehefteten Sachen ausweisen, heraus genommen; Wie selbe sehr öfters bei nahe 2 Ellen hoch ohne dass sich jemand zu dem Bette genähert, auf selben in die Höhe geworfen worden, dabei entsetzlich mit dem Munde geschaumet, zu selber Zeit in ganz fremden Orten gewesen zu sein, Wunder-Dinge gesehen zu haben vorgegeben; Wie endlich selbe eiserne Nägel von einer viertel Ellen durch die Geburtsglieder mit dem Urin von sich gelassen, anderer seltsamer Sachen mehr zu geschweigen. Wer sollte diese Begebenheit nicht vor ganz außerordentliches halten, und dem gemeinen Volke verdenken, wann es dem Teufel dergleichen Effectus, davon ihnen die Causa unbekannt, und ganz unerfindlich zu sein scheinen, gänzlich zuschreibet.

Alleine nachdem Ihro Königl. Majestät dieser Sache wegen eine Commission allergnädigst angeordnet, und zu selber solche Personen, welche mit wllen denen bei dergleichen Untersuchungen nötigen Qualitäten versehen, erwählet wurde; der in dieser Sache begangene schändliche Betrug gar bald entdecket, und jedermann deutlich genug vor Augen gestellet. Denn als eines Tages der Chirurgus aus der einmal gemachten Incision der Brüste, wiederum auf das neue eine ziemliche Menge krummer Nadeln ohne Köpfe heraus zu nehmen beschäftiget, und solches ein von der Königl. Commission dabei stehender Laqvey gewahr wurde, sagte er öffentlich, dass dieses nichts wundersames, maßen er solches so fort an seinem Leibe ohne dem geringsten Schaden nachzutun versprach. Man brachte ihm darauf einige Nadeln von welchen der die Köpfe abbiß, solche nach und nach an einen musculosen Teil des Armes mit gar wenigen Schmerzen steckete, da nun solches obangeführte Weibes-Person nicht ohne Entfärbung mit ansah, erschrak sie dermaßen, weil hierdurch ihr Betrug entdecket, und das gaze Geheimnis verraten war, dass sie lange Zeit nicht zu reden vermochte, endlich und nach langen Stillschweigen von selbst versprach, wenn man sie mit einer leidlichen Strafe ansehen würde, den ganzen Handel aufrichtig zu entdecken, welches Anerbieten die Commission so fort annahm, ihr auf gewisse maße solches versprach, worauf sie dann aufrichtig gestand, sie haben ebenfalls auf diese Weise die Nadeln in die Brüste, Arme und Beine practiciret, nachhero aber, da einmal eine Incision geschehete, wäre es ihr gar leicht gewesen, nachdem sie das darauf liegende Pflaster hinweg genommen, in die Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken.

Das in die Höhe schmeißen vom Bette, hätte sie durch die Länge der Zeit und durch vieles Exerciren, welches sie auf einem Boden vorgenommen, erlernet, sich auch dabei dieses Vorteils bedienet, dass sie die Füße unten an dem Bette anstemmen können, außer diesem würde sie es auf ebenem Boden nicht praestiren können, und damit dieses Gaukelwerk desto furchtsamer scheinen möge, habe sie allezeit Kalk von den Wänden abgekratzet, solchen in den Mund genommen, wovon sich endlich ein Schaum hervor getan. Mit einem Worte, es machte diese verschmitzte und gottlose Weibes-Person ihre Gaukelei in Gegenwart der Commission und aller Anwesenden mit so guten Success, dass jeder gestehen musste, sie habe auf diese Art ja auch den allerscharfsinnigsten ein Blendwerk zu machen sehr wohl gelernet.

Die Ursachen warum sie dergleichen, gleichwohl höchst schmerzliche Verrichtungen vorgenommen, waren auf befragen unter andern folgende. Erstlich hatte sie durch dergleichen ganz ungewöhnliche Sache bei denen allermeisten ein Mitleiden, woraus denn gar reichliche Beschenkungen erfolget, zuwege gebracht, andern teils hatte sie gerne ihren Namen wollen in Zeitungen lesen hören. Woraus denn sattsam erhellet, dass in dergleichen außerordentlichen Begebenheiten insgemein ein Betrug und ganz besonders Interesse verborgen, weswegen dergleichen Relationen jeden Vernünftigen allezeit höchst verdächtig und zweifelhaft sein müssen. Und eben dergleichen Verdacht und Zweifel ist auch mir bei Durchlesung der allbereit erzählten raren Historie von denen so genannten Vampyren oder Blut-Saugern vorgekommen.

Denn da ist gleich anfänglich zu merken, dass sich dieses Factum bei denen Rätzen, das ist, bei einer solchen Art Menschen zugetragen haben soll, bei welchen nebst der großen Unwissenheit von natürlichen Dingen, zugleich auch der allergrößte Aberglauben herschet, mithin bei solchen Subjectis, welche sich die närrischten Dinge einzubilden fähig und ihre Popen ihnen weismachen können was sie nur wollen.

Nächst diesen ist wohl zu observiren, dass es nach der neuesten Relation, meistenteils kranke und sterbende Weiber, welche ausgesaget, dass sie von denen so genannten Vampyren wären gewürget worden, gewesen.

Daß sich niemals ein einziger Mensch gefunden, welcher mit Grund der Wahrheit sagen könnte, einen solchen Vampyr welcher von dem Lebendigen das Blut ausgesauget und sie dadurch getötet, gesehen zu haben, und eben daher kann auch nicht bewiesen werden, dass der gehlinge (plötzliche?) Tod bei dem Vieh von den Vampyren herrühre.

Ferner, dass dieses alte Märchen welches insgemein, wenn sich vontagieuse Krankheiten an dasigen Orten hervor zu tun pflegen, woederum hervor gesuchet zu werden pfleget.

Daß bei diesem Facto so wohl der Kaiserliche Provisor, als auch die Herren Officirere bei der letzthin angestellten Inquisition nichts mehr als dass sie unverwesete Körper, welche bei der Durchstechung des Herzens Blut von sich gegeben haben, und dass ihnen wieder andere Nägel und Haare gewachsen sein sollen, aussagen können, mitnichten aber, dass diese Körper eben die Ursache wären, dass andere Personen verstorben, und dass sie solche gar umgebracht hätten.

Daß bei diesen verstorbenen Leuten kein erfahrner Medicus gewesen, welcher dieser Personen wahrhafte Krankheit untersuchet, und deswegen ein glaubhaftes Arrestatum angestellet, woraus man denn von dieser ganzen Sache ein gegründetes Urteil fällen könnte.

Daß der Clerus papalis vielmehr eine scharfe Untersuchung hindere, weil es seinem Interesse, wenn der gemeine Pöbel dieses alte Weiber-Märchen vor wahr hält, sehr zuträglich. Denn wenn man bei diesen Phaenomeno die Ursache von einem bösem Geiste, oder von denen Seelen derer Verstorbenen herleiten wollte, würde dieses gewisslich ein stattliches Argument für die Existenz des Fegefeuers dargeben können.

Letztlich hat noch bis diese Stunde kein Mensch wirklich gesehen, dass ein Begrabener wäre aus dem Grabe aufgestanden, heraus gewandelt, und sich nach seinen gehabten Verrichtungen wieder in das Grab gefüget, und eingeschlossen hätte.

Weil nun dieses alles solche Propositiones welche den fidem historicam ziemlich verdächtig machen können, so sieht man ganz deutlich, wie delicat und behutsam man in Beurteilung dieser Zeitung verfahren müsse.

Alleine lasset und nunmehro nachdem wir diese Dubia voraus gesetzet der Sache etwas näher treten und zusehen, was von dieser ganz besonderen seltsamen Historie zu halten.

Unter die Göttlichen Wunderwerke ist dieser Casus nicht zu zählen, so wenig man solchen für ein Teufelswerk auszugeben nötig.

Ein göttliches Wunderwerk ist ein Effect durch Gottes Allmacht hervor gebracht, welcher nicht aus natürlichen Ursachen zu demonstriren, sondern lediglich dienet die Autorität Göttlicher Wahrheit je mehr und mehr zu confirmiren.

Unsere Herren Theologi teilen die Miracula, diviona insgemein in Miracola doctrinae und Providentiae ein, jene haben schon längst nachdem wir in Ecclesia Plantata leben aufgehöret, diese aber pflegen sich sehr selten zuzutragen und nur dann zu geschehen, wenn der Höchste auf eine ganz außerordentliche Weise die wider den ordentlichen Lauf der Natur zu geschehen pfleget vor unsere Conversation sorget.

Wenn wir nun dieses auf unsern Casum appliciren wollten, finden wir nicht, dass weder dadurch die Autorität Göttlicher Wahrheit confirmiret, der Menschen Wohl, welches entweder zeitlich oder ewig ist, nach Gottes Ehre befördert werde. Wie könnte wohl durch dergleichen Begebenheit da ein Mensch plötzlich stirbt, wieder kommen soll und viele Menschen tötet, der Menschen Wohl befördert und dadurch Gottes Ehre etwas zuwachsen?

Für ein Teufels Werk kann ich es auch nicht halten. Es ist sonst insgemein eine gar gewöhnliche Sache, dass das gemeine Volk, so bald sie mit ihren Verstande den nexum derer Dinge untereinander und eine handgreifliche Ursache wenn etwas auf eine solche Art wie es geschicht zu geschehen pfleget, nicht begreifen, solchen Effect gleich dem Teufel zu schreiben.

So lange man aber aus natürlichen Ursachen einen Effect zu deduciren vermögend, muß man nicht auf übernatürliches, wenn wir anders dasjenige, was man von hören und sagen und von alten Weibern bekräftiget worden von der Wahrheit secerniren; Daß dem Teufel kein jus virae & necis über die Menschen zustehe ist eine ausgemachte Sache, Gott alleine hat sich dieses regale vorbehalten welches er auf gewisse maße der weltlichen Obrigkeit, welche an Gottes statt sitzet verliehen, wer wollte wohl glauben dass der Teufel welcher von Gottes Angesichte verstoßen und mit Ketten der Finsternis gebunden, denen durch das teure Blut Christi erlösete Menschen nur eine Haare krümmen vielweniger ihnen das Leben nehmen könnte. Nun lesen wir zwar in der Göttlichen heiligen Schrift, welchergestalt Hiob nebst andern Frommen sehr übel vom Teufel geplaget worden, wir finden aber nicht, dass er ihnen das Leben hätte genommen, wo sollte er denn hier, bei diesem casu, eine solche Gewalt bekommen haben? So viel ist wohl gewiß, daß der böse Geist causa mortis occasionalis nicht aber efficiens sein könne. Denn wenn er vermögend durch allerhand Erscheinungen denen Menschen eine Furcht einzujagen, so ist es auch wohl möglich, dass durch eine übermäßige Furcht der Tod zu wege gebracht werden könne. Wiewohl wir in unserm Casu von einigen wirklichen Erscheinungen welche von Personen so bei gesunden Verstande gesehen worden, nicht die geringste Nachricht haben.

Weil nun diese besondere Factum weder für ein göttliches Wunder, noch für ein Teufels-Werk mit Recht auszugeben, so bleibt uns übrig wie dieser so seltsame Casus und Phaenomenon aus natürlichen Ursachen herzuleiten, und einiger maßen begreiflich zu machen.

Diejenigen welche mit dem sel. Dr. Rüdigern in Physic. Div. Lib. 1. G. 4. Sect. 4 Spiritus inter medios, quos definiunt Spiritus incompletos corpore elementari vestitos, qui sensione, memoria & cognitione quidem sed non intelligentia & reflexione gaudeant statuiren vermeinen hierdurch diese Aufgave am allerleichtesten zu resolviren. Denn sagen sie was in regno animali die Bnuta, das wären auch in mundo spirituali dergleichen Geister, unter welche sie die so genannte Kobelte, Bier-Esel, Berg-Männigen und dergleichen mehr zu zählen gewohnet. Gleichwie nun dergleichen Geister allerhand Gestalten annehmen, mithin auch unter menschlicher Gestalt erscheinen könnten, also wäre es ja wohl möglich, dass ein solcher Geist auch bei diesem Facto in der Gestalt des Plogojovitzen oder des Paole erscheinen und wie gemeldet die Weiber würgen und Blut aus ihnen saugen könne. Es sei dieses eine Sache die durch unzählig viel Exempel so wohl alter als neuer Zeit bewähret. Denn was wären der Alten ihre Daemones, Lares, Lemures anders als dergleichen Geister, welche sich gerne zu denen Menschen geselleten, deren einige gütiger, andere hinwieder böser Natur wären, da sie denn ihrer Natur nach denen Menschen entweder dieneten oder ihnen Schaden zufügten, wie man solches an dem Exempel in Ungarn wahrnehmen könnte, allwo sich nicht ein guter, sondern ein böser Geist bei ihnen eingefunden, welches auch alle dasige Einwohner feste und mit gar guten Grunde glaubten, der Kaiserliche Provisor in seiner Relation ihn auch einen bösen Geist genennet.

Es ist aber hierauf gar leicht zu antworten. Denn erstlich sind dergleichen Geister weder aus der Vernunft noch aus der Revelation sattsam zu erweisen. Alles was von denen Spuckereien, welche dergleichen vorgegebene Geister in denen Häusern anrichten sollen, gesaget wird, ist ein elendes Geschwätz, welches, wenn die Sache selbst auf das genaueste untersucht worden, sich in ein leeres Nichts verwandelt. Und wie viel hundert Historien von Kobolt und Bier-Esel sind, wenn man alle Umstände bei der Sache recht wohl und gehörig erwogen, auf ein Gelächter und großen Teils auf einen Betrug, darunter entweder eine Spitzbüberei oder eine verliebte Komödie verborgen, hinaus gelaufen. Gesetzt aber auch es wäre gewiß, dass dies arme Rätzen von solchen bösen Geistern welche sie Vampyren nennen geplaget würden, was wäre denn zwischen diesen und denen toten Körpern für eine Connexion, dass sie unversehrt blieben, Blut von sich geben, ihnen wiederum Nägel und Haare wüchsen? Gewisslich nicht die allergeringste. Ja sprichst du, die toten Körper werden von dergleichen Geistern belebet, dahero ist es wohl möglich dass sie aus denen wahrhaftig lebenden Menschen das Blut aussaugen und solches mit sich in das Grab nehmen können, welches sich auch nachhero, wenn der Körper aufgegraben wird, deutlich genug zeiget, es ist auch ganz wahrscheinlich, dass der Geist, so lange er sich mit einem solchem Körper vereiniget, selben vor der Putrefaction vewahren und verschaffen, dass ihm wieder Nägel und Haare wachsen können. Sed respondentur, hat der Teufel selbst, als der Ober-Meister aller Geister nicht Macht einen Menschen das Leben zu nehmen, es wäre dann auf ganz außerordentlichen Befehl Gottes, vielweniger wird solches ein dergleichen vorgegebener Spiritus inter medius tun können. Was die Annehmung des toten Körpers betrifft, da ermangelt ja der Beweis, dass solches geschehen und geschehen könne. Denn wie ist es wohl möglich, dass ein solcher Geist ohne das Grab zu versehren, den Körper heraus bringen und solchen wieder hinein practiciren könne? Übernatürliche Dinge ist weder der Teufel noch ein solcher Geist zu produciren vermögend, ob er gleich je zu weilen Dinge darstellet, welche dem Ansehen nach denen, welche die Natur nicht verstehen, übernatürlich zu sein scheinen, wie etwa ein Gaukler dem gemeinen Pöbel was vorzumachen pfleget, so kann er doch nicht contradictoris zuwege bringen. Ich weil zwar wohl dass diese Meinung, nämlich den ganzen Casum durch die Macht eines bösen Geistes zu resolviren, viele ambabus manibus amplectiren werden. Denn wenn man mit vernünftigen Schlüssen und mit gegründeten rationibus Physicis nicht fort zu kommen vermag, ist das der kürzeste und leichteste Weg, die Schuld entweder dem Teufel selbst, oder wenigstens einem so schönen ausgesonnenen Spiritui inter medio zuzuschreiben. Alleine bei Leuten, welche weder von der Superstition, noch praejudicio autoritatis eingenommen, welche in Dingen die natürlich sind, und also aus natürlichen Ursachen herrühren, nicht gleich auf Extremitaeten verfallen, wird man mit dieser Hypothesi schwerlich fort kommen, sondern sich vielmehr bei allen Vernünfgen zum Gelächter darstellen.

Ist nun diese, doch einiger maßen zimelich wahrscheinliche Meinung nicht zu acceptiren, wirst du sagen, so demonstrire die Sache besser, damit ich vielleicht deinen Gedanken beipflichten möge. Ich habe allbereit oben Erwähnung getan, dass viel Umstände sich hervor tun, welche verursachen, dass man diesen beiden Erzählungen, welche zwar einiger maßen mit einander überein kommen, nicht so schlechter Dinges Glaubens beimessen könne. Denn so lange Personen etwas erzählen, welches sie entweder gar nicht oder doch nicht genugsam verstehen, kann man gewisslich ihren Erzählungen nicht so schlechter Dinges trauen, und dahero ist es nicht möglich ein in allen Stücken vollkommenes Urteil zu fällen. Hier wird und eine Facti Species vorgeleget, nach welcher von Lebendigen besonders Kranken, Sterbenden und Toten zu urteilen.

Die Lebenden sagen aus, das Vampyren habe bei einer alten 60jährigen Frau, welche vorgegeben, sie habe von dem Fleisch eines Schafes, so von einem Vampyren umgebracht worden, gegessen, den Anfang genommen. Denn es wäre dieselbe darauf krank worden, hätte nach einer drei Monatlichen Krankheit, ihren Geist aufgeben müssen. Da sich denn bei Aufgrabung ihres Körpers welcher vor 90 Tagen begraben, geäußert dass er noch ganz unverweset und die Qualität der so genannten Vampyren gehabt habe.

Lasset uns diese Aussage derer Leute etwas beleuchten: Die alte Frau hat Schaf-Fleisch gegessen, und soll davon krank worden sein, welches ganz wohl möglich. Alleine der Umstand dass das Schaf von einem Vampyren wäre getötet worden, und dass dieses die wahrhafte Ursache ihrer Krankheit und Todes, ist ganz unerweislich. Denn wer hat denn gesehen, dass das Schaf von einem Vampyren wäre umgebracht worden, und wo ist jemals ein Vampyr von einem gefunden, wohl aber, von denen Kranken, bei welchen die Phantasie wir wir mir mehrern zeigen werden, corrumpiret, ihren Vorgeben nach gesehen worden. Woraus denn ganz deutlich zu schließen, dass die Krankheit dieser Frauen zwar wohl durch das Fleisch von dem Schafe ihren Ursprung genimmen haben kann, die Ursache aber ist nicht weil es von einen Vampyren getötet, sondern weil das Fleisch vielleicht etwas contagieuses, giftiges, oder sonst eine Beschaffenheit an sich mag gehabt haben, welche der Frau ihre Krankheit, ja gar den Tod verursachet. Meines Erachtens halte ich diesen Umstand mit dem Fleische für einen von den aller notabelsten, weil dadurch besage der Relation des Vampyren den Anfang genommen, (wir bedienen uns hier des einmal recipirten Termini um einen Umschweif zu vermeiden,) da wäre es nun höchst nötig, dass ein gelehrter erfahrner und des Landes-Kundiger Medicus und Physicus eine scharfe und genaue Untersuchung angestellet hätte, ich bin gewiß versichert es würde sich zu Tage legen, dass das Fleisch aus einer ganz natürlichen Ursache dergleichen Malum causiren könne. Ferner erhellet aus der Relation, dass nachhero unterschiefene Personen Jung und Alt innerhalb 3 Monaten nach einer 2 oder längstens dreitägigen Krankheit mit Tode abgegangen, welche bei Eröffnung der Gräber die erwähnte Signa an sich gehabt. Es sind also Leute wirklich krank gewesen, wie wohl nur eine kurze Zeit. Ist demnach eine Krankheit der wahre Ursprung und die rechte Ursache dieses Mali oder dieser seltsamen Begebenheit.

Hierbei wäre nun ebenfalls nötig, wie wir allbereit oben desideriret, dass uns eine deutliche, gnungsame und in arte medica gegründete Beschreibung der Krankheit vorgeleget würde, wonach wir unser Urteil einrichten könnten. In Ermangelung dessen aber, sehen wir uns genötiget, aus Zusammenhaltung derer Umstände, und denen Effectibus einiger maßen und zwar eine sehr wahrscheinliche Raison ausfindig zu machen.

In gedachter Relation meldet der Heyducke Jehovitza, dass sich seine Schweigertochter namens Stanicka vor 15 Tagen frisch und gesund schlafen geleget, um Mitternacht sei sie mit einem entsetzlichen Geschrei, Furcht und Zittern aus dem Schlaf aufgefahren und geklaget, dass sie von einem vor 9 Wochen verstorbenen Heyduckens Sohn Millove sei um den Hals gewürget worden, worauf sie auch einige Schmerzen auf der Brust empfunden, und von Stund zu Stund sich schlechter befunden, bis sie endlich den dritten Tag gestorben.

Woraus denn erhellet, dass gedachte Stanicka im Schlafe ihrer Aussage nach von dem Millove sei gewürget worden, eben dieses wird auch in der ersten Relation des Kaiserlichen Provisors gesagt, dass der Plogojovitz zu denen Leuten im Schlaf gekommen sein soll und sich auf sie geleget, und sie gewürget habe. Ist also hieraus zu schließen, dass bei dieser Krankheit insonderheit eine starke Phantasie concurrire. Diejenigen Personen von welchen sie gedrücket und gewürget worden, sind eines plötzlichen Todes gestorben, welches ihnen eine sehr starke Impression gemacht, mithin in beständigen Andenken stehet, wodurch es ihnen dann vorkommet, als wenn solche wirklich zu ihnen kämen und sie plagten, zumal da einmal bei denen Leuten eine ausgemachte Sache, dass die Verstorbenen wieder kommen, und die Menschen umbringen können, woher diese Phantasie mit einer entsetzlichen ja fast tödlichen Furcht vergesellschaftet, und deswegen ist ganz wohl zu glauben, dass solchen in einem dergleichen Zustand sich findenden Leuten die Anwesenheit eines Verstorbenen so groß und wahrhaftig vorkomme, dass sie nicht so gewiß als dieses glauben. Eben dergleichen begiebet sich auch bei denen welche von Alpe gedruckt werden, observant sensibus varia phantasmata quae vere se conspicere et a quibus injurias se pati autumant adflicti, sagt Juncker in seinem Conspectu Medicinae, Tabula L. de Incubo, ganz recht. Ich bin gewiß versichert, dass wer von dieser Krankheit des Alp-Drückens befallen gewesen, wird wissen, mit was für Angst, Furcht und Schrecken er umgeben, wie lebhaft ihm die Phantasie eine Person, welche sich auf ihm leget, und ihn drücket darstellet, da solches doch von Geblüte und von einer Spasmodica Musculorum thoracis contractione welche mit einer anxia & valde laboriosa respiratione verknüft, eigentlich seinen Ursprung genommen. Und wenn wir dieses auf unsern vorhabenden Casum appliciren, sehen wir hier eine ziemliche Gleichheit mit dieser Krankheit. Denn erstlich kommt unsern Patienten eben das im Schlaf vor, nämlich dass sie gedrückt und geplaget werden, was denen welche der Alp drücken soll begegnet; Vor das andere sinden sich bei dergleichen Leuten auf der Brust und Halse rote Flecke, wie solches der Herr Fendrich von Kottwitz in seinen Schreiben mit diesen Worten: Da es denn in einen Augenblick einen roten Fleck untern den rechten Ohr gesauget, erwähnet, eben dieses trägt sich auch bei den Incubo zu. Remanet spricht Juncker im gedachten Tractat aliquam diu ingens lassitudo, imo non nunquam maculae rubicundae, vel lividae, sive in artubus, sive in pectore, conspiciuntur; welches mit obigen wohl harmoniret, fast auf gleiche Art erkläret Herr M. Ranfft in seinen 1725 zu Leipzig gehaltenen Disputat. II. de Masticatione mortuorum, den zu selber Zeit von dem Kaiserlichen Provisore proponirten Casum wenn er spricht: Hungaricum quod fundamenti loco hic posuimus, exemplum edocer nos convincitque, omnem mortuorum voracitatem imaginationi cuidam magicae adscribendam esse. Er setzt also das Hauptwerk auf eine Imagination oder besondere Phantasie, welche bei den ganzen Phaenomeno insonderheit wirke und wundersame Effectus produciret. Sed dicis wie ist es denn möglich dass ein mit einer besondern Phantasie oder Imagination behaffter einen andern ja mehrere damit anstecken, und ihnen eben dergleichen Imagination verursachen könne? Respondetur es finden sich in der Natur gewisse giftige Kräuter, welche, wenn sie genossen werden, eine ganz besondere Raserei und Phantasie verursachen, wem ist unbekannt was der giftige Stich derer Tarantuln nicht vor eine seltsame lustige Phantasie bei denen Gestochenen verursache, dergestalt, dass sie ohne Unterlaß hüpfen und springen. Also ist es auch wohl möglich und sehr wahrscheinlich, dass das gegessene Schaf-Fleisch bei denen in Ungarn Verstorbenen, ihnen eine Phantasie von Fressen zuwege gebracht, weil vielleicht die Schafe von einem rasenden Hunde, oder auch von einem andern schändlichen Tiere angefressen worden, wodurch sie rasend, eine Art einer besondern Krankheit bekommen, und wieder andere Schafe angefressen, daher es denn möglich dass hierdurch eine solche Idee bei diesen Personen erwecket, welche hernach immer mehr und mehr durch die einmal bekannte und fast bei ihnen vor unlaugbar gehaltene Fabel von denen Vampyren und ihren Anfressen dergestalt befestiget worden, dass alle auf solche Art erkrankete, von gleicher Phantasie und Einbildung gewesen. Herr M. Ranfft hat den Ursprung dieses Mali aus einer ganz besondern Ursache hergeleitet, wenn er spricht: Acciderit nempe aliquando, ut pestilenz contagia admodum usserint genus humanum. Cum vero tuis hujus flagrantia ut plurimum hominum imaginatione sustentetur; facile fieri potulit, tit hommes per anxias noctes dirosque summos seralibus imaginibus ita agitati sint, ut quasi in Kophydaiolos ceciderint et tandem pestis tabe infecti occuberint. Sicuti vero ardentissima imaginationi in arte Magica & omnibus occultis corporum operationibus plurimum semper debetur, ita acciderit forsiran ut cujusdam ita mortui relicti varias post mortem ejus senserint de eo imagines, quibus defunctus tam veliementer in eos operatus est, ut tandem Fenit (gr.), aut alio ejusdem generis morbo brevi post decesserint. Superstites idem timentes verba morientium lecum animo volurtarunt & cum inter alia ab iis perceperunt defunctum ad se venisse, seque vario modo vexasse constituerunt ejusdem Cadaver effodere & inquirere quid causae sit, cur moribundi ab ipso tantis animi visis torqueantur. Cadavere demum effosso forte fortuna vegetum illud adhuc deprehenderunt, quo tanto fortasse perclusi sunt stupore ut prae admiratione rei tam atrocis quasi defixi steterint.

Hoc vero cum semel in ora anicularum transierit quotidie novis additamentis in vulgus emissum est. Kurz er deducirt dieses Malum von der Pest, deren Ursache er in die Imagination setzet, wodurch selbe fortgepflanzet würde. Denn wenn sich ein von Furcht und starker Einbildung eingenommener Mensch, einen an der Pest sterbenden feste einbildete, konnte er auch selbst dran sterben, weil der Verstorbene gleich gleichsam Magice in ihm wirkete, wann nun die hinterbliebenen Freunde, dieses ebenfalls befürchtet, und etwa die Worte des Sterenden, welcher ihnen gesagt, dass ein an dergleichen Krankheit gestorbener wäre zu ihm gekommen und ihn geplaget, bei sich wohl überleget, hatten sie sich resolviret den Körper wieder auszugraben, um zu sehen, was die Ursache der bei den Sterbenden erfolgten Plage und Qual sei. Nachdem nun der Körper von ungefähr ganz frisch und unverweset angetroffen worden, so hätte man die Ursache der Plage ganz unstreitig dem verstorbenen Körper zugeschrieben, zu welcher Begebenheit man nachhero noch vieles hinzu gesetzet, als zum Exempel dass der Tode seine Kleider angefressen und dergleichen mehr; woraus denn endlich auch die Historie von denen Vampyren ihren Ursprung genommen. Dem sei nu wie ihm wolle, so scheinet doch sonder Zweifel die Beschaffneheit derer aufgegrabenen Körper nach beider Relation sehr wundersam zu sein. Denn erstlich wird bekräftiget, dass die Körer der Personen, welche sie vor Vampyren ausgeben, ganz frisch und unverweset gefunden worden. Zum andern dass sie alle frisches Blut von sich gegeben, und endlich drittens, dass man bei denenselben neue Haut, andere Nägel und von neuen gewachsene Haare und Bart angetroffen.

Wenn wir nun aus natürlichen Ursachen darzutun vermögend, dass es möglich, dass tote Körper eine lange Zeit ohne Verwesung bleiben, frische Blut von sichs geben, und an denselben wiederum neue Nägel und Bart wachsen könne, so hoffe es wird wohl daraus bei diesem Casu kein besonderes Wunderwerk zu machen sein zumal wenn sich solches bei Menschen, die durch eine ganz sonderliche und kurze Krankheit aus dieser Welt gerissen, zugetragen. Es wird uns dieser Beweis nicht sonderlich schwer fallen, müssen wie hierinnen nicht nur den berühmetn DR. Garmann in seinem gelehrten Werke de miraculis mortuorum, als auch den allbereit recensirten Herrn M. Ranfften in seinen beiden gelehrten Disputationibus de Masticatione mortuorum in tumulis, zum Vorgänger haben.

Die Historie gibt uns davon viele Exempel an die Hand. Plutarchus in vita Alex. M. p. 593 sagt ausdrücklich von dem Leichnam Alexandri Magni, daß er viele Tage uind zwar in den ehißen Mesopotamien unbegraben gelegen, doch hätte man nicht das allergeringste Zeichen einer Verwesung und Fäulnis an demselben war genommen, sondern es hätte derselbe jederzeit so lebhaft und frisch, als wenn er erst gestorben, ausgesehen. Also referiret auch Burius in notit. Rom. Pontif. P. 223 von Bonifacio VIII einem Röm. Papst, dass sein Körper 1605 den 11. Oktober also 300 Jahr nach seinen Ableben, dergestalt unversehret wäre gefunden worden, dass man auch so gar an denen Kleider nicht den geringsten Schaden verspüret.

Von Kaiser Carln will man ebenfalls behaupten es sei sein Körper als 1656 die Königl. Leichen auf Befehl des Königs in Spanien in das berühmte und vortreffliche Pantheum versetzet, ganz ohne Fäulnis angetroffen worden. Merkwürdig ist auch, was Andreas Moller in Annal. Freiberg p. 293 folgendergestalt erzählet: Anno 1568 den 20. Sept. hat man zu Ehren Friedersdorff,. Oswaldum Bartheis, einen Bergmann, welcher für 61 Jahren Anno 1507 in Berge der Säuberg genennet, verfallen, noch ganz unverweset in seiner ledernen Berg-Kappen und Kleidern mit den Gruben-Beile, Unschlicht, Tasche und Zschärper unversehener Weise wieder gefunden und mit gewöhnlichen Ceremonien zur Erde bestellet. Weswegen auch Herr M. Ruta damaliger Pastor in gedachten Dorfe nachher aber Superintendens zu Chemnitz in der ihm gehaltenen Leichen-Predigt unter andern in folgende Worte ausgebrochen. Und wird bis forthin sonderlich und unglaublich zu sagen und zu hören sein, zumal an fremden Orten, dass man eine Leiche eines Bergmannes zur Erde bestätiget, auch dabei eine Leichen-Predigt getan, der 30 Jahr zuvor verstorben, ehe denn der Prediger geboren, denn ich jetzo Gottlob! 31 Jahr alt bin etc. Wer wollte nun hieraus nicht schließen, dass sich Körper finden, welche wo sie gleich nicht vollkommen und bständig von aller Corruption, dennoch eine ziemliche Zeit davon befreiet bleiben können. Und wenn wir dieses was bishero gesaget worden auf unsere beiden relationes appliciren wollen, sehe ich nicht, da offenbar, dass nach der Ordnung der Natur bei einigen menschlichen Körpern nach ihren Tode eine Unverweslichkeit sich hervor tut, warum man hier ein so großes Wunder-Werk draus machet.

Wer aber de causis incorruptibilitatis Cadaverum ex quovis naturae regno, eine nähere Nahcricht verlanget, kann so wohl Garmannum in cit. Tract. Als auch des gelehrten Herr M. Ranfftens dissert. Nachlesen, da er denn davon eine weitläufige Ausführung finden wird. Uns ist genug, dass wir wissen dass solches ex causis naturalibus und nicht supernaturalibus geschehen könne, und dass solches auch bei denen Verstorbenen in Ungarn daher erfolget. Damit ich aber doch nur mit wenigen einige Ursachen anführe, so halte ich gänzlich dafür, dass teils die besondere Art ihrer Krankheit welche eine kurze Zeit gedauet, teils auch einiger plötzlicher Tod, wie nicht weniger das besondere Erdreich daselbst ein vieles dazu contribuiret habe. Bei baldiger Verwesung eines Körpers wird erfordert eine putrefaction oder eine auseinander Setzung der Teile, welche bisanhero zusammen gehalten und nunmehro wieder in ihre erste principia gehen, so lange nun in einen Körper partes homogenae verhanden, so lange werden solche, eine Trennung hindern, bis sie endlich dennoch durch ein mächtiges menstruum erfolget. Also können sich viel Umstände in unsern Casu hervor tun, welche verhindert, dass die partes homogenae in denen verstorbenen Körpern, nicht so bald als ordinair aus einander gesetzet worden. Da wäre es nun freilich nötig, dass man eine genaue Untersuchung der Krankheit angestellet, weil doch alle Krankheiten dahin gehen, dass sich der Körper des Menschen dadurch zur putrefaction neige, hier aber eine Trennung der Seele, von den Leibe welche nicht so bald der putrefaction unterworfen erfolget. Denn ich halte gänzlich davor, dass ein Körper so lange noch leben (hier muß man das Wort Leben, recht verstehen) so lange seine Teile wie schon oben gesagt nicht auseinander gesetzet werden. Ich will hier eine instantz vom opio geben, zum Exempel es hat einer so viel davon zu sich genommen, dass er durch solches das Leben verlieret, hierdurch höret er zwar auf ein Mensch zu sein, alleine sein Körper hat damit noch nichts erfahren, was die Oeconomiam animalem turbiren könnte, und halte ich gänzlich davor, dass wenn ein dergleichen Körper so fort begraben werden sollte und zwar in so ein Erdreich welches recht frisch, dasselbe etwa mit particulis salinis, welche eine Balsamische Kraft bei sich führen, vershen, der Körper sich viele Zeit vor der Fäulnis defendiren werde. Bleibt nun der Körper von der Fäulnis befreit, so ist wohl kein Wunder, wenn sich bei Aufgrabung desselben kein Gestank hervor tut, wie sich solches auch bei unsern Casu geäußert. Ist in den Körper noch einiger maßen eine Lebhaftigkeit, so ist auch wohl zu begreifen, dass die Nägel und Haare wiederum wachsen können. Wiewohl Dr. Garmann in gedachten Tractat ausdrücklich zu beweisen suchet, es wären diese Excrementa Corporis nicht anders als ein besonderes Vegetabile anzusehen, welches wachsen könnte, wie etwa ein anderes Kraut auf einen Baume, wenn es nämlich von dem Körper nur das ihnen zustehende nutriment erhielte.

Das aller merkwürdigste bei diesem Casu und welches bei dem Gemeinen Mann, das allergrößte Aufsehen verursachet, ist wohl das bluten derer Verstorbenen, denn da wird in der neuesten Relation von dem Arnold Paole gesagt, dass als er nach 40 Tagen seines Ablebens wäre ausgegraben worden, ihm das frische Blut zu Augen und Nasen, Mund und Ohren heraus geflossen, das Hemde, Untertuch und Sarg, ganz blutig gewesen, ingleichen da man ihm, weil er vor einen Vampyr gehalten worden, derer Leute Gewohnheit nach, einen Pfahl durch das Herz geschlagen, wobei er einen lauten Schrei getan, ein häufiges Blut von sich gelassen haben soll.

Daß ein solcher Körper, welcher durch keine Krankheit den Tod zu teil worden nach 40 Tagen Blut von sich gegeben, scheinet mir nichts besonders, maßen das Bluten derer Körper als eine ganz bekannte Sache von denen Physicis und Medicis wiewohl mit Unterscheid Erwähnung geschiehet. Viele wollen nur zugeben ein toter Körper könne nicht länger als 10 aufs höchste 12 Stunden Blut von sich geben, andere hingegen als Cornelius Gemma lib. 1 c. VI. p. 73 setzen einen 3tägigen Cardanus in lib. III. de util. Ex adv. Aber hier keine gewisse Zeit determinieren könne ergiebt sich daraus, weil solches Bluten der Körper Thomas Campanella in 3. Johann Manlius in 4 Wochen, Voemius gar in 2 Monaten Zeit, erfolget zu sein, wie solches Garmannus bezeiget, mit vielen Umständen bewiesen. Hierher gehöret auch, was Herr M. Georgius Christoph Ludwig in einen Tractat welchen er Rotten-Ackers Trauer-Tag benennet, angeführet, wenn er spricht es habe sich begeben, dass bei Austretung der Donau, dadurch Rotten-Acker so in Württenbergischen gelegen, gänzlich überschwemmet, einige Körper gefunden worden, welche nachdem sie länger als 4 Wochen unter den Wasser gelegen, nachhero in die Wärme gekommen, ihm die Nasen zu bluten angefangen, warum sollte es nun nicht möglich sein, dass solches auch bei dergleichen Körpern (davon hier die Rede) geschehen könnte? Daß aber der Verstorbene Arnold Paole einen lauten Schrei bei Durchstechung des Herzens getan haben soll, ist ein Umstand welcher vielleicht aus der gemeinen Sage noch hinzu gesetzet worden, davon der Beweis aber noch ermangelt auch nicht zu glauben, zumal da sich die andern Vampyren bei ihrer Ausgrabung ganz stille aufgeführet, und von keinem dass er sich gemeldet hätte, etwas in denen relationibus anzutreffen.

Aus diesen nun was bisanhero gesaget worden, ersiehet der Geneigte Leser ganz klar, dass alle die Phaenomena welche von denen ausgegrabenen Körpern in Ungarn die sie deswegen Vampyren nennen, aus natürlichen Ursachen zu resolviren, und könnten wir, wenn es der Raum zu ließe, noch viele argumenta anführen, es wird aber derselbe in oft angeführten Garmanno noch mehrer Satisfaction dieser Materie wegen antreffen, wohin wir demselben gewiesen haben wollen. Vielleicht finden sich mit der Zeit geschickte Medici, welche den Zustand derer als Vampyren strebenden etwas genauer untersuchen, so wird auch das Urteil davon mit mehrern rationibus bekräftiget, und nimmt endlich dadurch der Aberglaube und die falsche Einbildung so vieler Leute von dieser Sache ein erwünschtes Ende.


Autoren

Johann Christoph Meinig - Unter den Pseudonymen Putoneus, Putoneo oder seltener Putoneos veröffentlichte er im 18 Jh. mehrere Texte und Bücher in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. - Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Nicolaus Equiamicus - * 1974, Buchhändler, Forscher, Sammler, Übersetzer und Herausgeber verschiedener historischer Werke zu Themen wie Vampire, Hexen, Dämonen und/oder Geister veröffentlicht neben den historischen Bearbeitungen auch als Autor Kurzgeschichten und wissenschaftliche Beiträge. - BRD


Titelgalerie

 


weiterführende Links

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

in Auszügen erschienen u.a. in : Von den Blutsaugenden Toten - Abraham und Irina Silberschmidt - 2006
Von denen Vampiren oder Menschensaugern - Hrsg: Dieter Sturm, Klaus Völker - 1968

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