DER VAMPIR IN LITERATUR UND GESCHICHTE

(Seminararbeit)

Miklós Sirokay

2003

Grin Verlag, München u. Ravensburg, 2003
ISBN: 978-3-638-68286-2

Der Vampir in Literatur und Geschichte

Seminararbeit im Wintersemester 2002/03, Romanisches Seminar, 'Freut euch des Lebens!' (Literatur und Psychoanalyse) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

bibliothèque: »Im Mittelpunkt der Beobachtung steht die Frage, was diese Figur des Vampirs für die Literatur so interessant macht« (S. 3), heißt es in der Zielsetzung.
In der Arbeit stellt der Autor kurz und als geschichtlichen Überblick die bekanntesten Vertreter in der Artenvielfalt der Vampire vor. Ebenso finden die bekanntesten Gründe für die Entstehung des Vampirmythos aus medizinischer Sicht kurze Erwähnung. Auch geht er auf die natürlichen Prozesse in einem Grab bzw. dem Fehlen der Verwesungsprozesse und deren Zusammenhang mit dem Mythos ein.
Entsprechend seiner Zielsetzung betrachtet er am Beispiel des Romans "Dracula" von Bram Stoker das Vampirbild der »unzensierten Sexualität« (S. 9) und findet sowohl im Roman wie auch im sprachlichen, soziologischen und politischen Kontext eine teilweise Gleichstellung von der Figur des Vampirs mit dem Werwolf. Das Bild des Vampirs als Sinnbild von Unsterblichkeit und ewiger Jugend wird ebenfalls erkannt. Zudem wird, insbesondere am Beispiel von S. Freud's Psychoanalyse, auf den tatsächlichen oder vermuteten Zusammenhang von Psychologie und Vampir eingegangen.
Dass der Roman „Dracula“ als das Ende der gothic novel bezeichnet wird, wird eher kommentarlos hingenommen. Dies ist besonders bedauerlich, da sich der Autor außer auf den mehrfach erwähnten Roman Bram Stokers auch auf »weitere entscheidende Werke« (S. 3) der Gattung Vampirroman beziehen wollte, die er allerdings nicht weiter anführte. Damit wird auch die zeitweise „Wiederauferstehung“ der gothic novel bzw. der diese Epoche kennzeichnenden Stilmittel in der Literatur des 20. Jahrhunderts zumindest stillschweigend übergangen.
Im Kontext des Seminars Romanistik, also der Beschäftigung mit den romanischen Sprachen, ist die Übersetzung von Dracula als „Drache“ zumindest ungenau; für die Herleitung von Draculea - 'Sohn des Drachen', 'kleiner Drache' (von mir aus sogar: 'Sohn des Teufels') hätte nach meiner Ansicht Zeit und Platz sein müssen.
Im Gegensatz dazu, wenngleich auch teilweise ohne Quellenbelege, spricht für die Arbeit, dass sich der Autor nicht scheut, die Überschätzung der Äußerungen Voltaires' zum Thema im historischen Kontext und das von N. Borrmann postulierte universelle Vampirprinzip anzugehen und aus seiner Sicht zu begründen. Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung von Psychologie und Vampir identifiziert er auch nekrophile (was häufiger vorkommt) und biophile (was eher selten vorkommt) Veranlagungen. Nett ist die Anekdote um den kubanischen Präsidenten Fidel Castro, der unter dem Codenamen "Dracula" angeordnet haben soll, dass zum Tod Verurteilte vor der Hinrichtung zwangsweise Blut spenden mussten.
Als ein Fazit der Arbeit wird eine gesunde Skepsis gegenüber (zu) einfachen Erklärungen des Vampirs mit der Freud'schen Psychoanalyse angeraten.
Die achtzehnseitige Seminararbeit ist vom Umfang her völlig in Ordnung, der Inhalt der Arbeit ist es, wo meine Einschätzung der Leistung aufgrund der selbst formulierten Zielsetzung etwas von den Angaben beim Online-Händler Amazon (dort wird angegeben, dass die Arbeit mit "1-" bewertet wurde) abweicht.  Meine persönliche Einschätzung mag aber durch die völlige Unkenntnis der Behandlung des Themas im Uni-Seminar beeinträchtigt sein und ist auch aufgrund meiner fehlenden Lehrbefähigung weder aussagekräftig noch relevant.
(2014)

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Autor

Miklós Sirokay - keine Informationen vorhanden. Vielleicht völlig zufällig ist, dass auch ein transsilvanischer Woiwode des 14. Jahrhunderts diesen Namen trug.

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