bibliothèque des vampires : Literatur   

DRCAULA (Dracula - The Un-dead)
- Die Wiederkehr -

Dacre Stoker, Ian Holt - 2009

 Egmont Lyx, Köln, 2009 - ISBN: 978380258220-2
Egmont Lyx, Köln, 2011 - ISBN: 9783802584930

Egmont Lyx: Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen, seit die Vampirjäger um Professor van Helsing den gefürchteten Dracula zur Strecke brachten. Doch der Friede ist trügerisch. In London geschehen unheimliche Dinge, und Jonathan Harker wird ermordet am Picadilly Circus aufgefunden. Irgendjemand scheint es auf diejenigen abgesehen zu haben, die damals an der Vernichtung des dunklen Grafen mitwirkten. Harkers Sohn Quincey tritt in die Fußstapfen seines Vaters, um den Mord aufzuklären. Dabei macht er rätselhafte Entdeckungen. Könnte es sein, dass der legendäre Dracula noch unter den Lebenden weilt? (2009/2011)

Tanja Asmus: Bram Stoker und sein Roman Dracula ist heutzutage jeden ein Begriff. 1897 erschien der Roman erstmalig und dient seitdem unzähligen Filmen und Büchern als Vorlage. Doch keines konnte als offizielle Fortsetzung angesehen werden. Erst über 110 Jahre später findet sich ein Urgroßneffe mit dem Namen Dacre Stoker in der Lage eine offizielle Fortsetzung zu schreiben. Wer den Klassiker Dracula kennt, sei es nun der Roman oder die Verfilmung, weiß das es sich hierbei nicht nur um brutale Horrorliteratur sondern um eine Gruselgeschichte handelt die die Psyche des Lesers anspricht. Wer würde sich heute davor fürchten, wenn Dracula galant in den Hals seiner Auserwählten beißt? Nein, es ist die düstere Stimmung die Bram Stoker in seinem Original greifbar machen konnte. Dies setzt nun Dacre Stokers gekonnt fort. Mit Hilfe seines Co-Autoren Ian Holt der Drehbuchautor und Stoker Forscher ist, begannen beide zu recherchieren. Aus dem Originalmaterial des Nachlass von Bram Stoker sowie der Mithilfe von Museen & Historikern entstand die umfangreiche Fortsetzung "Dracula - Die Wiederkehr". Gleich von der ersten Seite an versprüht der Autor die düstere unheimliche Stimmung wie das Original. Einleitend wird dazu als Prolog der Brief von Mina Harker an ihren Sohn Quincey verwendet und man ist sofort wieder in der Geschichte, die vor über 110 Jahre erstmalig veröffentlicht wurde, drin. Das Autorenpaar knüpft mühelos an den Klassiker an und es ist schon ein Vorteil das Original zu kennen. Figuren erwachen wieder zum Leben und man hat sein Kopfkino sofort eingeschaltet. Die düstere Atmosphäre und die Verwirrungen die der Autor gestrickt hat, um den Leser immer wieder eine neue Fährte aufnehmen zu lassen, machen das 587 seitenstarke Werk zu einen wahren Lesevergnügen. Die Kapitel sind nicht zu lang, so dass die Geschichte immer mehr an Fahrt aufnimmt und der Leser auf vielen Spannungsbögen mitgenommen wird. Ein klein wenig moderner ist der Nachfolger allerdings schon geworden und dem heutigen Leser angepasst. So sind einige Szenen wirklich brutal, so dass auch der heutige Leser seinen Horror erleben wird. Die Figuren sind sehr tief gezeichnet und dadurch, dass alle ihre Fehler haben, sehr authentisch. Jeder scheint so sein Geheimnis zu haben und der Leser wird so manches Mal überrascht sein. Zudem haben die Figuren die Chance bekommen sich mit der „alten“ Geschichte auseinander zu setzen und ehemalige gemeinsame Streiter erleben sich neu und sind durch ihre Vergangenheit nicht unbedingt mehr einer Meinung. Neben den Figuren hat das Autorenduo es geschafft, wahre Begebenheiten wie Jack the Ripper mit einzuflechten und eine herrliche Kulisse zu schaffen. Es muss an den Autoren-Genen liegen, das Darce sich keinesfalls hinter seinen berühmten Großonkel verstecken muss. Dieses Buch ist ein MUSS für die Liebhabers klassischer und moderner Vampirliteratur. Sicher werden viele Leser, die den Klassiker nicht kennen, dazu übergehen, die Originalfassung von Bram Stoker auch zu lesen. Dies wäre Bram zu wünschen, denn leider war zu Lebzeiten der Klassiker Dracula nie ein Erfolg und erst nach seinen Tod ein Kassenschlager. [...]
Fazit
: Eine durchaus gelungene Fortsetzung die bei einen Erfolg auch noch weiter geführt werden kann, da es ein befriedigendes offenes Ende hat.
(2009)

bibliotheque: Dies ist also die offizielle Fortsetzung des Klassikers. A-ha. Das wundert mich. Tatsächlich gelingt es dem Autorenduo eine durchaus interessante Vampirgeschichte zu weben, uns in die Welt Englands im beginnenden 20. Jahrhundert zu entführen und Schrecken und Horror heraufzubeschwören. Quincey Harker erfährt auf Umwegen vom Familiengeheimnis und wird in einen Strudel unvorhergesehener Ereignisse hineingezogen, die ihn an die Liebe und Aufrichtigkeit seiner Mutter (ver-)zweifeln lassen. Doch er stellt sich den Ereignissen. Und was bleibt ihm auch übrig, denn Erzsébet Báthory hat erst einmal nur ein Ziel (bevor sie die Weltordnung ändert): Rache an Dracula und denen, die er liebt: Quincey und die Streiter des Lichts. Doch die Blutgräfin hat, nach anfänglichen Erfolgen, offensichtlich nicht mit solchem Widerstand gerechnet ... In Nebenschauplätzen wird auf bekannte Personen (zum Beispiel Bram Stoker himself) und Ereignisse (wie den ersten Motorflug von Paris nach London) verwiesen und diese damit geehrt. Eine Geschichte, die funktioniert …
… funktionieren könnte, wenn man a) den Original-"Dracula" noch nie gelesen hat bzw. nur die verschiedenen filmischen Adaptionen kennt oder b) die Personen nicht aus dem Original entnommen hätte und auf einer "Fortsetzung" bestanden wäre.
Ich will wirklich nicht über Kleinigkeiten rummotzen und schon gar nicht die Weiterentwicklung von Mina und Jonathan Harker, Abraham van Helsing, Dr. Seward und Arthur Holmwood in Frage stellen. Dass Exeter und Whitby zu einem Ort zusammengefasst werden, tatsächlich aber um die 550 km weit entfernt liegen, sehe ich auch noch nach. Aber ein paar Dinge fallen dann irgendwann doch zu sehr auf: Da sich im Original Jack the Ripper und Dracula nicht zur gleichen Zeit in London aufhielten und auch schon allein aufgrund des Alters von Quincey Harker der Autor Bram Stoker nicht mehr in diesem Roman auftauchen könnte, wurde das Original mal einfach fünf Jahre früher datiert. Zugleich wurden im Original zurückhaltend beschriebene Szenen ausgeschlachtet und teilweise völlig umgedeutet, so dass dadurch schließlich der Anti-Held Dracula zum romantischen Rächer und Bewahrer der Menschheit mutiert.
Die Geschichte hätte, glaube ich, sogar sehr gut funktioniert, wenn die Autoren nicht unbedingt eine „Fortsetzung“ hätten schreiben wollen. Mit anderen Protagonisten … wunderbar und ganz im unterstellten Sinne Bram Stokers.
Die Autoren und die Beraterin erklären in einem langen Nachwort ihre Ambitionen und die Änderungen. Bei allem Verständnis und der Achtung vor der Arbeit: einige Grundlagen hatte aber Bram Stoker hundert Jahre vorher bereits festgelegt und eine Fortsetzung, wenn sie den Anspruch darauf nicht verwirken will, sollte sich meines Erachtens - egal, was Hollywood inzwischen daraus gemacht hat - auch daran halten.
In den letzten Zeilen lassen die Autoren erahnen, was sie noch vorhaben: die Fortsetzung der Fortsetzung. Bitte, lassen Sie es; schreiben Sie einen anderen, aber gern ebenso interessanten Roman!
(2013)


Autor

Dacre Stoker - * 1958. Der in den USA lebende Kanadier ist ein Ur-Großneffe von Bram Stoker, der erst spät mit dem Klassiker seines Verwandten in Berührung kam. Er arbeitet hauptsächlich als Sportlehrer. Die Fortsetzung zu dem Werk seines berühmten Vorfahren ist sein erstes Buch. - USA

Ian Holt - * 1964. Drehbuchautor, Schauspieler, Autor und Historiker, der als Schüler von Florescu und McNally (In Search of Dracula), sich intensiv mit dem legendärem Vampir und dessen geschichtlicher Vorlage beschäftigte. Das Treffen mit Darce Stoker ließ bei beiden Träume wahr werden. - USA

Übersetzung: Hannes Riffel


weiterführende Links

weitere Werke gleichen Titels : Dracula.


Handlungsorte

London, Exeter, Withby (UK), Paris, Marseille (Frankreich)


Vampire

Titel (bei Anthologien)

Name - Beschreibung.

Erzsebét Báthory - die Blutgräfin wurde von Dracula am Ende ihrer Gefangenschaft gebissen, so dass sie nach ihrem Tode als Vampirin wiederauferstand. 1888 verübt sie im London mehrere Morde, die "Jack, the Ripper" zugeschrieben werden. Aus der Stadt flieht sie, nachdem Dracula ihr aus Transilvanien folgt, um sie aufzuhalten. Sie stößt Dracula, zurück in Transilvanien, nachdem dieser Abraham van Helsing und den Streitern des Lichts in letzter Sekunde entkam, einen Dolch ins Herz.  1912 kehrt sie nach England zurück, mit dem festen Vorsatz, Dracula, Mina Harker und die restlichen Streiter des Lichts zu vernichten. Dracula gelingt es, ihr das Herz herauszureißen und sie liegt den Strahlen der Sonne ausgesetzt in Withby.

Dracula - mit Mina Harker zeugte er deren Sohn Quincey Harker, den sie gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Jonathan aufzog, nachdem die Streiter des Lichts glaubten, Dracula für immer vernichtet zu haben. In seiner Burg wird er von Erzsébet Báthory angegriffen, doch auch sie tötet Dracula nicht endgültig. In den folgenden Jahren zieht der Vampir als rumänischer Schauspieler Vladimir Basarab durch Europa und folgt 1912 der Einladung Quincey Harkers, der nichts von der Verwandtschaft ahnt, nach London. Dort kommt es zum abermaligen Showdown zwischen Dracula und Erzsébet, in dem die Blutgräfin unterliegt, aber auch Dracula, in Flammen aufgehend, die Klippen hinabstürzt.

Mina Harker - geborene Wilhelmina Murray, wird von Dracula verführt und gibt sich ihm hin. Aus dieser einmaligen Verbindung entsteht Quincey Harker und die Liebe zu Dracula. 25 Jahre später kehrt Dracula nach England zurück und Mina und Dracula finden zueinander, wobei Mina auch zur Vampirin wird.

Abraham van Helsing - der ehemalige weise Anführer der Streiter des Lichts ist 25 Jahre später selbst Vampir und wird von seinem früheren Freund Arthur Holmwood getötet.


Diese Seite entstand mit freundlicher Unterstützung von Tanja Asmus. Dafür noch einmal allen Dank.