CHRISTABEL

Samuel Taylor Coleridge

1797 bis 1815

 

Volltexte

1 - Cristabel - Übersetzung von Nicolaus Equiamicus

2 - Cristabel - Übersetzung ohne Angabe des Verfassers

3 - Cristabel - englische Originalfassung

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Nicolaus Equiamicus: Die unvollendete Ballade ist dem Genre der Schauerromantik zuzuschreiben. Sie soll vampirische Züge in sich enthalten, dies kann jedoch nur metaphorisch zugestanden werden. Der erste Teil erschien im Jahr 1797, der zweite 1800. Erstmals veröffentlicht wurden beide Teile 1816. Es ist möglich, das Joseph Sheridan LeFanu, der Coleridges Ballade zweifelsohne kannte, die homoerotischen Neigungen Geraldines als Charaktereigenschaft seiner 1873 erschienen "Carmilla" zueignete.
Über "Christabel" schreibt Ludwig Herrig (in: "Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen." 10. Jg. 16. Bd. Braunschweig 1854. S. 43 f.): "Das merkwürdige epische Gedicht: „Christabel“ ist in seiner fragmentarischen Gestalt am meisten charakteristisch für diesen Dichter. Hier kurz der Inhalt: Eine junge Dame, Christabel, verlässt in einer Aprilnacht das Schloss ihres Vaters, um in einem angrenzenden Wald für ihren abwesenden Ritter zu beten. Ein Geräusch in der Nähe erschreckt sie, aber, Mut fassend, tritt sie heran, und bemerkt nun hinter einem Baum eine wunderschöne, reichgekleidete Dame. Auf Befragen erklärt sich dieselbe für die Tochter eines Ritters, der vor Kurzem von Feinden auf seinem Schloss überfallen und vertrieben worden sei. Sie selbst wurde gefangen und von einer bewaffneten Reiterschar entführt, welche sie hier im Wald mit dem Versprechen, sie wieder abzuholen, allein ließen, jedoch nicht zurückkehrten. Durch Müdigkeit und Hunger erschöpft, weckt nun die fremde Dame Christabels Mitleid und bittet sie um ein Nachtlager. Diese sagt es ihr zu und führt sie leise durch das Schloss bis in ihr Schlafgemach, wo sie mit der Fremden ihr Lager teilt und in deren Armen einschläft. In der Nacht wird Christabel durch sonderbare Träume erschreckt und durch die Erscheinung ihrer verstorbenen Mutter vor der Fremden gewarnt. Diese selbst aber erscheint am nächsten Morgen wieder sehr munter und von der imponierendsten Schönheit. Christabel führt nun den Besuch, der sich Dame Geraldine nennt, vor ihren Vater, und der alte Ritter fühlt sich sogleich wunderbar von dieser angezogen, welche Neigung durch ihre Zuvorkommenheit noch gesteigert wird. Als sie aber nun gar ihres Vaters Namen nennt und ihre Geschichte erzählt, erklärt sie Herr Leoline (Christabels Vater) für die Tochter eines alten Freundes und Waffenbruders, mit welchem er sich einst aus beliebigen Ursachen sehr verfeindet habe. Er preist nun die Gelegenheit, welche sich hier bietet, um eine Versöhnung zu bewerkstelligen, lässt seinen Hofbarden rufen und beauftragt denselben, mit stolzem Gefolge zu Geraldines Vater zu ziehen, ihn zu benachrichtigen, dass Herr Leoline seine Tochter bei sich habe, und ihn einzuladen, selbst zu kommen, um sie festlich abzuholen. Der Barde aber, ein alter Diener, der sich schon etwas herausnehmen darf, hat kein Gefallen an der Fremden, und trägt darauf an, dieselbe gleich mitzunehmen. Herr Leoline, dessen Neigung gegen Geraldine aber immer noch wächst, weist ihn barsch ab, und selbst Christabel, welche durch Ahnungen und Erinnerungen, an ihre Mutter abermals gewarnt ist, wird für ihren Vorschlag, Geraldine sofort nach Hause zu senden, von dem alten Ritter hart angefahren. Hier bricht das Gedicht ab und auf den Ausgang der Geschichte kann man nur aus einem Traum des alten Barden schließen, den dieser erzählt:
„Denn in meinem Schlaf sah ich diese Taube, / Jenen sanften Vogel, den du liebst, / Und nennst bei deiner eigenen Tochter Namen (...)
Beugte ich mich um die Taube aufzuheben, / Aber sieh! ich sah eine leuchtendgrüne Schlange / Geschlungen um Ihre Flügel und ihren Hals. (...)“
Unter der Taube ist nun Christabel und unter der Schlange der inkognito reisende Vampir, die Dame Geraldine, zu verstehen. Byron empfahl dieses Gedicht als „von wilder und ganz eigentümlicher Schönheit,“ vor der Edinburgh Review hat es jedoch keine Gnade gefunden. Es kann sonderbar klingen, einem Gedicht, in welchen, das Wunderbare die Hauptrolle spielt, den Vorwurf von Unwahrscheinlichkeit zu machen, und doch muss derselbe hier erhoben werden. Die Einführung des Wunderbaren in der Poesie wird niemand bestreiten wollen und das Unglaubliche in seinem Gefolge ist zulässig, soweit es überhaupt denkbar ist. Hier handelt es sich aber in Bezug auf das ganz Gewöhnliche um eine Unwahrscheinlichkeit, nämlich darum, dass eine junge Edeldame kurz nach einer Aprilmitternacht, um ein Gebet zu verrichten, in einen wilden Wald laufen soll. Dieser Umstand ist nicht unwichtig, weil sich daran die Einführung des Vampirs in das Schloss anschließt. Nach einer eigenen Mitteilung des Dichters wurde dieses Gedicht in Folge einer Verabredung mit Wordsworth verfasst, wonach etwas geschaffen werden sollte, was „die Macht, die Sympathie des Lesers durch eine getreuliche Nachahmung der Natur und die Möglichkeit, dieselbe durch die modifizierenden Farben der Einbildungskraft zu erregen, darstellen sollte. Der plötzliche Reiz, welchen Licht und Schatten, Wechsel, Sonnen- und Mondlicht über eine ganz bekannte Landschaft verbreiten, deutete die Möglichkeit an, beides zu vereinigen.“" 
(2013)

bibliothèque: Gründe dafür, dass dieses Gedicht heute nicht weiter oben auf der Klassikerliste der Vampirliteratur steht, mögen sein, dass es zum einen ein Fragment geblieben ist und mit "Carmilla" von S. LeFanu (1873) einen vollständiges Werk vorliegt, dass ebenso die homoerotische Seite betont. Zudem stritten sich über den künstlerischen Wert des Werkes von Beginn an die maßgeblichen Kritiker. Nicht zuletzt sind mit der Verdrängung der Versform zu Gunsten der Prosa in der Lesermeinung der dauerhaften Verbreitung des Gedichtes kommerzielle Grenzen gesetzt worden. (2014)

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Autor

Samuel Taylor Coleridge wurde am 21. Okt. 1772 in Ottery/Devon als Sohn eines Geistlichen geboren. Coleridge war ein typischer Dichter der Romantik. Es verband ihn eine tiefe Freundschaft mit seinem Dichterkollegen William Wordsworth. Ungeachtet das Coleridge im Jahre 1795 Sarah Fricker heiratete, wurde ihm eine homosexuelle Beziehung mit Wordsworth nachgesagt. Tatsächlich trennte er sich auch 1806 von seiner Frau. Depressionen und eine zunehmende Opiumsucht machten ihm in den Folgejahren geistig und körperlich schwer zu schaffen. Coleridge verstarb am 25. Juli 1834 an Herzversagen in Highgate/London. (Nicolaus Equiamicus)

Übersetzung u.a.: Nicolaus Equiamicus

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weiterführende Links

Volltexte: Cristabel - englische Originalfassung
Cristabel - Übersetzung von Nicolaus Equiamicus
Cristabel - Übersetzung ohne Angabe des Verfassers

Dunkle Kulturgeschichte - Sammlung Nicolaus Equiamicus in der bibliothèque des vampires

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Vampire

Geraldine de Vaux von Tryermaine - sie schleicht sich um Mitternacht unter einem erbarmungswürdigen Vorwand an Christabel heran.

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